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Das hat für viel Chaos gesorgt – The New Pornographers im Interview

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Zehn Jahre lang ließen die New Pornographers die Dinge einfach so laufen. So entstanden großartige Indie-Rock-Alben wie „Mass Romantic“, „Twin Cinema“ und „Challengers“. Unbekümmert und abseits struktureller Normen musizierten die Kanadier einfach munter drauf los. Mit der Veröffentlichung ihres siebten Studioalbums „Brill Bruisers“ bewegte man sich dann erstmals in gängigen Alben-Sphären. Soll heißen: Die Band konzentrierte sich auf ein musikalisches Grundthema. Drei Jahre später geht das Septett nun noch einen Schritt weiter. Auf ihrem neuesten Werk „Whiteout Conditions“ präsentieren sich die New Pornographers aufgeräumter und fokussierter denn je. Wir trafen uns mit Band-Chef Carl Newman in Berlin zum Gespräch und plauderten über die Kraft des Ist-Zustandes, offene Türen und die Magie der Veränderung.

MusikBlog: Carl, euer neues Album „Whiteout Conditions“ präsentiert sich auf einem ähnlich festen Fundament wie der Vorgänger „Brill Bruisers“. Hat die einstige Wir-schreiben-einfach-drauf-los-Haltung endgültig ausgedient?

Carl Newman: Musik ist nicht planbar. Ich meine, vor zehn Jahren hätte ich dir vielleicht einen Vogel gezeigt, wenn du mir gesagt hättest, dass wir irgendwann einmal ein zusammenhängendes Album aufnehmen werden. Und heute? „Whiteout Conditions“ ist jetzt schon das zweite Album, das musikalisch durchgehend Hand und Fuß hat.

Musik ist immer eine Spiegelung des Ist-Zustandes. Wir hatten zehn Jahre lang keine Lust auf Strukturen. Wir haben uns einfach hingesetzt, losgelegt und uns am Ende des Tages darüber gefreut, was raus gekommen ist. Irgendwann wollten wir aber mal einen anderen Weg einschlagen. So entstand dann „Brill Bruisers“. Und da das so super funktioniert hat, haben wir uns im letzten Jahr gesagt: Das machen wir einfach nochmal so. Aber das kann sich natürlich in zwei oder drei Jahren auch wieder alles ändern.

MusikBlog: Wie sieht’s mit eurem Keyboarder Dan aus? Der war ja diesmal nicht mit an Bord. Ist er in zwei oder drei Jahren auch wieder mit am Start? Oder ist er komplett raus?

Carl Newman: Das wird sich zeigen. Für die neue Platte hat es einfach nicht gepasst – weder zeitlich, noch musikalisch. Das ist aber auch völlig in Ordnung. Wir sind immer noch Freunde. Es gab keinerlei Streitereien oder Ähnliches. Wer die Band kennt, der weiß, dass bei uns immer alle Türen offen stehen. Man kann kommen, gehen, und auch wiederkommen. Da sind wir nicht so festgefahren wie andere Kollektive.

MusikBlog: Nach knapp zwanzig Jahren im Business kann man mit dieser lockeren Einstellung bestimmt gut umgehen. Aber wie lief das zu Beginn? Hat diese Ungewissheit in puncto Line-Up nicht auch für viel Chaos gesorgt?

Carl Newman: Auf jeden Fall. Es war ja nicht so, dass wir diese Arbeitsweise von vornherein festgelegt haben. Das hat sich einfach so entwickelt. Anfangs mussten wir natürlich erstmal in dieses Szenario reinfinden. Ich kann mich noch gut erinnern, als Dave nach den Aufnahmen für unser Debütalbum plötzlich nach Spanien zog und quasi von heute auf Morgen nicht mehr am Start war. Da dachte ich mir: Ok, er ist jetzt wohl raus der Band.

Zwei Jahre später stand er wieder mit uns im Studio. Und ich dachte mir: Ok, cool. Dan ist wieder da. Das war so ein Schlüsselmoment für uns alle. Es spielte keine Rolle, wer wann mit am Start war. Wichtig war einfach nur, dass die Band mit guten Songs versorgt wurde. Und dafür haben alle mal mehr und mal weniger in die Waagschale geworfen. Am Ende hat es aber immer funktioniert. Und nur darauf kam es an. Wenn es also beim nächsten Album wieder passt, dann heißen wir Dan wieder herzlich willkommen.

MusikBlog: Macht diese fehlende Konstanz euch als Band stärker?

Carl Newman: Davon bin ich überzeugt. „Konstanz“ ist aber vielleicht auch der falsche Begriff dafür. Letztlich ist das Ungewisse innerhalb unseres Treibens ja auch eine Konstante. Ich denke, dass jede Band ihren eigenen Weg finden muss. Wir haben uns mit den Jahren für unseren Weg entschieden. Andere Bands arbeiten anders. Das ist einfach so.

Wir haben diesmal beispielsweise sehr viele schnelle Songs auf dem Album. Die Stimmung hat sich ein wenig verändert. Und ich wollte, dass das Album genau so klingt. Mit Dan hätten wir vielleicht eine andere Richtung eingeschlagen. Was ich damit sagen will: Man sollte immer das tun, wovon man im Hier und Jetzt überzeugt ist. Ich bin jedenfalls unheimlich happy mit dem Ergebnis. Und der Rest der Band auch. Nur das zählt.

Und wenn wir beim nächsten Mal wieder anders vorgehen, dann hat auch das seinen Grund. Die künstlerischen Eckpfeiler einer Band stehen und fallen nicht mit der Summe an Menschen, die mit involviert sind. Es geht immer nur um die Energie, die entsteht, wenn man sich zusammensetzt und anfängt zu musizieren. Das ist zu zweit so. Und das ist auch zu siebt, oder zu acht so.

MusikBlog: Ist es eigentlich schwer, sieben oder acht verschiedene Persönlichkeiten in einer Spur zu halten?

Carl Newman: Es ist nicht meine Aufgabe, die anderen zu leiten. Wir kommen alle irgendwann automatisch auf denselben Nenner. Sicher, wir diskutieren auch. Aber wir sind nicht nur Kollegen. Wir sind in erster Linie Freunde. Und das macht es ziemlich einfach. Wenn man mit Freunden zusammenarbeitet, dann ist Harmonie immer eine feste Grundlage. Wir können sehr harmonisch streiten. Das macht bisweilen sogar richtig Spaß. (lacht)

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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