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Feist – Pleasure – Von Zusammenbruch und Vergnügen

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Herzinfarkt und Liebeskummer sprechen ähnliche Regionen im Gehirn an. „Pleasure“, das neue Album von Feist, ist eine „Mir wurde das Herz raus gerissen, aber ich habe überlebt“-Platte. Denn zwischen „Metals“, Feists letztem Longplayer, und ihrem neuen, sechsten Werk ist viel passiert.

Direkt mit dem gleichnamigen Opener „Pleasure“ skizziert Leslie Feist ihr neues Album: Kreischende Gitarren treffen auf ruhige Momente, alle Teile werden durch ihre gleichsam zarte wie auch starke Stimme verbunden. Alles hätte für die Liebenden so schön werden können, „Dreaming safe and secure, generations in line“, schon über die möglichen gemeinsamen Kinder und deren Kinder wurde sinniert. Der Song, der auch die erste Single ist, erinnert durch seinen Spannungsbogen und seine Energie an PJ Harveys „Down By The Water“-Zeit.

„I Wish I Didn`t Miss You“ – der Name des zweiten Titels sagt schon aus, worum es geht: Um die große Enttäuschung und Trauer nach einer Trennung und das Gefühl, dass alles in einem zusammenbricht. Der Track ist sehr reduziert, die Stimme der Kanadierin wird von einer Akustikgitarre begleitet, an einigen Stellen flattert Feists Stimme, gleitet wellenartig wie ein Echo durch den Raum. Der innere und äußere Resonanzraum wird bei dieser Nummer, der traurigsten, die der Vater der Musikerin, der Maler Harold Feist, jemals gehört hat, ausgelotet.

„Lost Dreams“ ist ebenfalls ein melancholisches Lied mit Hang zum Resignativen. Schneller ist „Any Party“, ein Song der in Verbindung zu dem Albumcover stehen könnte: Eine blonde Frau, vermutlich die Sängerin selbst, springt vor einer Holztür hoch oder in den dahinter liegenden Raum hinein.

Die Tür befindet sich in einer stark mit Blumen bewachsenen Wand. Über der Tür hängt ein rundes Schild mit der Aufschrift „Pleasure“. Gegen Ende von „Any Party“ wiederholt ein (Männer?-) Chor, den Refrain, den Feist vorher sang: „You know I leave any party for you“. Danach hört man das knarzige Schließen einer Holztür und ein vorbeifahrendes Auto, aus dessen Radio „Pleasure“ tönt. Hat Feist den „Pleasure“-Club verlassen? Wer fährt dort vorbei?

Die 11 Songs der Platten halten Geheimnisse und Fragen bereit, deren Ergründung einen einige Zeit beschäftigen kann. Das Geheimnis, welche Stimme auf „Century“ zu hören ist, ist schnell gelüftet: Die von Jarvis Cocker. Der Kontakt kam sehr wahrscheinlich über Chilly Gonzales zu Stande, seines Zeichens guter Freund von Feist und ehemaliger Mitbewohner ihrer Berliner WG. Bei dem Konzert von Cocker und Gonzales in der Volksbühne saß Feist im Publikum, ebenso wie Peaches, die auch zu dem kanadischen Freundschaftstrio Feist-Gonzales-Peaches gehört.

Der vorletzte Song des Albums heißt „I’m Not Running Away“ und das belegt diese Platte: Feist stellt sich ihrem Schmerz, arbeitet auf und schaut nach vorn. Vergnügen kann viele Ausprägungen haben, ein Moment auf einer ausgelassenen Party – oder eben auch die Befreiung von Leid.

Die fröhlichen „1,2,3,4“-Zeiten scheinen vorerst vorbei. Es ist an der Zeit, Feist ein Stück auf der großen Reise namens Leben zu begleiten. „Pleasure“ bietet dafür die akustische Karte, die durch großen Herzschmerz, seltener werdende Parties und vielleicht am Ende sogar zu ein wenig Vergnügen führt.

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