Current Swell aus British Columbia in Kanada machen seit sechs Platten Easy-Listening-Country-Folk für alternative Großstädter. Zwischen Chai-Latte und dem nächsten veganen Supermarkt passt immer noch ein unaufgeregter Indie-Sneaker wie „Marsha“ – Opener des aktuellen Albums „When To Talk And When To Listen“.
Das Quartett ist immer dann am besten, wenn es genau darum keinen Hehl macht. Würde das Wetter nicht so durchwachsen sein, hätte „Marsha“ sogar auf dem Land eine Chance. Doch für ihre sechste Scheibe wollen Current Swell mehr und verlieren sich bereits mit „You Got It Easy“ auf einer B-Seite von Mumford & Sons anno 2009.
Die mittlerweile im Popbombast gestrandeten Mumford & Sons sind einer der Koordinaten, um die Current Swell kreisen, der andere heißt Kings Of Leon. Das mag auf das Konto ihres Produzenten Jacquire King gehen, der sich schon mehrfach für Kings Of Leon verantwortlich zeichnete und nun Current Swell im Südstaaten-Country-Mekka Nashville zu mehr Breitentauglichkeit verhalf.
Das Ergebnis: Es ist nicht nur namentlich ein kurzer Weg von „Use Somebody“ zu „Use Me Like You Do“. An den wegknickenden Gesangslinien von Caleb Followill hat Current-Swell-Kopf Scott Stanton einen Narren gefressen. Followills raufaserigen Fusel-Atem versteckt Stanton aber trotzdem lieber hinter einer Cola-Light-Fahne. Das macht die Sache nicht eigenständiger, aber dafür noch etwas radiotauglicher.
Und wo die Leidenschaft so groß ist wie im schmachtenden „The Time And The Weight“, müssen die Schiebermützen der vier Kanadier sie wieder einfangen, um sie auf Normalgröße zu schrumpfen. Dafür hat Neil Young jedenfalls kein Crazy Horse gezüchtet.
Ihr Label Nettwerk schreibt dazu: „’When To Talk An When To Listen‘ berührt alle Facetten des menschlichen Befindens.“ Und hier liegt das Problem: Wer alle abholen möchte, scheitert an der Tiefgründigkeit und badet letztlich nur im seichten, austauschbaren Mittelmaß.
„When To Talk And When To Listen“? Manchmal wäre es einfach gescheiter, nur zuzuhören.
