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Fehlfarben, Monarchie und Alltag – Live im Kampnagel, Hamburg

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Monarchie und Alltag, diese Platte hat seit 1980 Musikgeschichte geschrieben. Das „Lieblingsplatte“-Festival in Düsseldorf bekommt die Band Fehlfarben nach vielen Änderungen in (fast) Originalbesetzung wieder auf die Bühne, um ihr Debüt von Anfang bis Ende durchzuspielen. Was liegt näher, als dieses Jahr eine kleine Tour draus zu machen?

Ein buntes Publikum trifft sich im Kampnagel in Hamburg. Gestandene Männer in Shorts machen mit feuchten Augen Fotos vom Ticket vorm Gebäude. St. Pauli Shirts treffen auf blaue Pünktchenkleider. Besuch aus der Flora neben Business Etikette. Verblassende Tattoos aus einer Zeit, die schon gar nicht mehr wahr ist, werden verglichen. Hier fällt nur auf, wer jung ist.

Aufatmen, im Hort der Hochkultur wurde für Platz gesorgt. Die tribünenartigen Sitzplätze nach hinten versetzt, der halbe Raum vor der Bühne ist frei. Altersträgheit schlägt trotzdem zu, Sitzplätze sind schneller weg, als es vor der Bühne voll.

Die gewohnte Pünktlichkeit reicht nur für den Einlass, danach erst mal ’ne halbe Stunde warten, bis auch vorne voll ist. Die Instrumentierung offensichtlich original historisch, das MacBook entstammt vermutlich der aktuellen Serie.

Kurz vor Beginn startet ein Video, Exzesse vergangener Zeiten und das HB Männchen fehlt auch nicht. „Die Schatten der Vergangenheit…“ – der Gig fängt unvermittelt mit dem ersten Track der Scheibe an.

Ist Programm, aber irritiert doch ganz kurz – sie tun das wirklich. Sollte Peter Hein in schwarz-schwarzem Anzug und roten Socken am Mikro eine Textlücke haben, würde das niemand merken. Das Publikum kennt den Text und ist ab der ersten Strophe dabei, wenn es sein muss, lauter als er.

„Neuzugang“ Thomas Schneider gibt sofort den extrovertierten Rocker, Peter Hein bewegt sich einnehmend linkisch, hinter den Keyboards konzentrierte Ruhe. Introvertiert links Gründungsgitarrist Thomas Schwebel, im Programm als „Gast“ aufgeführt. Cool unberührt mit Käppi, über den Dingen stehend.

Sound fetter als auf Vinyl, aber unverkennbar, immer noch roh, aber weniger minimalistisch im Klang. Bass und vor allem Saxophon haben einen ganz anderen Stellenwert. Der Gesang viel pointierter, teilweise dramatisch oder wütend. Auch wenn das die Texte intensiver rüberbringt, das leicht eingeschnappt Eintönige fehlt einem fast.

Kleine Nachjustierung am Schlagzeug, „Ihr seht, die erste Seite ist vorbei. Saskia hat sie gerade umgedreht“. Weiter geht es ohne Ansagen, Stück für Stück konsequent die Platte zum Ende.

Frank Fenstermacher verschmitzt hinter seiner Brille zieht Instrument nach Instrument hervor. Saskia von Klintzing am Schlagzeug verströmt optisch genauso viel Energie wie ihr Sound. Das ist wirklich anders.

Die Stimmung steigt, High-Five zwischen den Stücken. Auch Thomas Schwebel ist jetzt wach und dabei, singt mit. Allen Gerüchten zum Trotz – sieht nicht so aus, als ob ihn nur „Bestechungsgelder“ auf die Bühne gebracht haben.

Highlight der Platte auch Highlight des Abends. Abgesang auf einen Spielautomaten. Uhrwerk-Ticken. „Paul ist tot“. Danach leert sich die Bühne, einzig Thomas Schwebel bleibt. Seine Gitarre, genauer als das Uhrwerk, füllt tickend den jetzt sehr, sehr leeren Raum. Die zweite Seite dreht sich nicht in der Endlosrille weiter, sie geht zu Ende.

Alle wieder auf die Bühne. „Eine gar nicht so beschissene Platte für ’ne deutsche Band“. Vorstellungsrunde, Verbeugungen, frenetischer Applaus.

„Wir sind ewig gestrig, aber nicht stehengeblieben“. Mit diesen Worten geht es weiter mit Stücken der letzten 10 Jahre, ohne Thomas Schwebel. Der Sound bleibt ähnlich, aber danciger, das Bühnenbild heller.

Auch das Ausziehen mehrerer Schichten an Klamotten hilft nichts, die Luft ist raus. Einige gehen, nur Vereinzelte tanzen noch, eher bedröppeltes Mitwippen. Zum Ende gerade noch mit „dem vierten gelernten Akkord“ die Kurve gekratzt.

Die Schlange an der Bar ist länger als die an der Garderobe, das muss jetzt alles verdaut und besprochen werden.

Irgendwie ungerecht, aber die wenigsten wollten die Band Fehlfarben per se sehen. Die meisten wollten sehen, wie die Fehlfarben einen Meilenstein deutscher Musikgeschichte spielen. Und das war es auch wert.

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