Bei Holly Humberstone läuft’s. Noch vor der Veröffentlichung des Debütalbums „Paint My Bedroom Black“ in 2023 reihten sich Auftritte und Features aneinander, die für viele Künstler*innen sicherlich Karriere-Höhepunkte darstellen würden.

Dass das Album dann etwas zu stark inspiriert von anderen Pop-Sängerinnen klang, war eigentlich auch egal. Vielleicht waren ja gerade die Songs, die besonders nach Taylor Swift klingen, auch dem Durchbruch förderlich.

Drei Jahre später bleibt Humberstone immer noch inspiriert, freundet sich aber langsam mit ihrem eigenen Stil an. Die 11 Songs auf „Cruel World“ strahlen geradezu vor Freude an der Sache, vor Emotionen, die zu kompliziert für griffige Beschreibungen sind und vor wunderbaren Klängen.

Im Titelsong hüpfen quirlige Synthesizer-Schläge zwischen einem coolen Bass, funkige Gitarren und der kraftvoll gehauchten Stimme umher. In jedem anderen Song wären sie aufdringlich, in diesem können sie gar nicht oft genug wiederkehren.

„Red Chevy“ drückt hymnisch mit anschwellendem Beat und großen Harmonien nach vorne; am Ende stiehlt aber das Saxophon die Schau, das sich aus dem Gesang heraus schält und im Hintergrund ein kleines Solo hinlegt.

Bei allem Spaß, den das Album macht, geben solche Kleinigkeiten nicht den Ausschlag. Aber sie tragen eben doch dazu bei, genauso wie sie „Cruel World“ vom Vorgänger abheben.

Da außerdem niemand ewig das auf „Paint My Bedroom Black“ dauerpräsente Coming-Of-Age-Thema verhandeln kann, verkompliziert Humberstone diesen Ansatz. In „Peachy“ reflektiert sie aus „Ich bin quasi noch ein Baby“-Perspektive, jedoch lyrisch sehr reif, über Beziehungen und Verantwortung.

Währenddessen wird in „Make It All Better“ bereits sehnsüchtig die Aussicht auf das hohe Alter beschworen. Vorausgesetzt natürlich, man altert in guter Gesellschaft: „I wanna be old and gross with you / […] stretchy skin, green tattoos / No regrets, I’ll fade out with you“.

„Cruel World“ bietet ein rundes Pop-Paket voll kurzweiligem Spaß, feinteiligem Hörgenuss, schicker Produktion und genug stilsicheren Hits für eine ganze Karriere.

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