Hach, James Blake, endlich ist er wieder da, dieser Cyborg-Magier des modernen Sounds, der Elektronik so selbstverständlich mit Soul und Eingängigkeit mit Absurdem paart, als wäre genau das keine Meisterleistung.
Die Roboter seiner letzten Platte „Playing Robots Into Heaven“ hat Blake anscheinend in andere Sphären entlassen. Auf „Trying Times“ geht es organischer zu. Auch, wenn natürlich hier und da Fragmente an den letzten Clubbesuch erinnern, bleibt das die Ausnahme.
„Trying Times“ sind es seit geraumer Zeit nicht nur für die gesamte Menschheit, zumindest den Teil, der mit einem funktionierenden Verstand gesegnet ist, sondern auch für James Blake und viele Künstler*innen.
Wir wissen alle, dass Streaming-Dienste in Sachen gerechter Bezahlung für Musiker*innen nicht nur ein Witz, sondern eine Bankrotterklärung sind. Allerdings äußern das wenige so laut, wie James Blake, der als Reaktion darauf die Plattform „Vault“ gründete, die einen direkten Draht zwischen Fan und Künstler herstellt. Die Welt war dazu jedoch noch nicht so ganz bereit. Dass die Riesen in der Musiklandschaft davon nicht begeistert waren, ist keine Überraschung. Und wie Blake kürzlich in einem Interview verriet, merke man es, wenn entschieden worden wäre, dass „die Lichter ausgehen“.
Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass James Blake sich auch dazu entschieden hat, Universal zu verlassen, um alle Zügel selbst in der Hand zu haben. „Trying Times“ erscheint auf seinem eigenen Label Good Boy Records. Laut eigener Aussage hatte er noch nie so viel Spaß, ein Album aufzunehmen.
Dabei klingen Songtitel wie „Death Of Love“ nicht unbedingt nach Spaß. Darin sampelt er Leonard Cohen, kombiniert droppende Beats, die das Geschirr in der Vitrine wummern lassen mit einem Männerchor, verfremdet seine Stimme und erzeugt trotzdem so viel Emotion, dass die Gänsehaut vorprogrammiert ist. Dinge, die ein Paradoxon sein sollten, schüttelt er als Gesamtkunstwerk aus dem Ärmel.
Wenn man „Trying Times“ dann aber hört, schließt sich der Kreis. Diese Platte ist James Blake von seiner besten Seite.
Songs wie „Just A Little Higher” würden mit Falsett-Stimme mit jeder Menge Schnörkel und opulenten Streicherpassagen an der Klippe des Kitschs zerschellen, doch Blake umsteuert sie mit einer Souveränität, die ihresgleichen sucht.
