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Nick Hakim (Credit Ebru Yildiz)

Nick Hakim – Green Twins

Wirklich viel weiß man noch nicht über den Mittzwanziger aus Brooklyn, New York. Kein Wunder, “Green Twins” ist ja auch Nick Hakims Debutalbum. Der Anfang also. Der Anfang einer wohl vielversprechenden Karriere.

Der Anfang nach einer turbulenten Jugend. Der Anfang nach seinem Umzug von Washington DC, wo er aufgewachsen war und das Berklee College of Music besucht hatte. Eine der renommiertesten Musikhochschulen weltweit, dabei fand er erst mit siebzehn eher per Zufall zur Musik. Diese, wie er selber sagt, habe ihn gerettet. Vorher war er ein schlechter, unkonzentrierter Schüler.

Vor drei Jahren, noch während des Studiums, veröffentlichte Nick Hakim schließlich die doppelseitige EP “Where Will We Go”, welche wie aus dem Nichts hervor ploppte, Hakim Millionen von Soundcloud-Klicks bescherte und von der New York Times gefeiert wurde. “Green Twins” nun ist sein erster Longplayer.

Vier Jahre habe er daran gearbeitet. Entstanden ist eine musikalische Wucht. Eine Wucht in Slowmotion. Raffiniert. Langatmig. Kurzweilig. Verschleppt-verträumt liefert uns der junge Musiker mit chilenisch-peruanischen Wurzeln zwölf Songs Musik, die haften bleibt.

“Let me inside of your mind”, singt er mit einer bestechenden Ruhe – ja, da bist du nun, Nick Hakim. Es sind zwölf Songs, die gerade erst aus dem Bett gekrochen kamen, noch zaghaft in den frischen Morgen blinzelnd, der Gang schwankend.

Hakim schwebt irgendwie irgendwo zwischen Soul, Psychedelic und einem Hauch von Pop durchs Album ohne Ecken und Kanten. Manchmal mit schwerem Bass und Drums, so auch der Letzte daran gehindert wird, irgendein Tanzbein schwingen zu wollen.

Schleichen sich sowohl der titelgebende Song “Green Twins”, wie auch Nummer zwei “Bet She Looks Like You” von weiter Ferne langsam zum Hörer, rollt “Roller Skates” schon etwas runder. Kein Tanzbein schwingen, doch ein bisschen Schaukeln ist hier erlaubt.

Wirklich Rhythmus erlebt der Hörer dann erst in der fünften Nummer “TYAF” nach einer nochmals sehr schwebenden ersten Minute. Schlagzeug schlägt ein. Hat man sich gerade an Nick Hakims musikalisches Universum gewöhnt und träumt irgendwo mit, weckt einen dies unweigerlich.

Und spätestens in diesen restlichen anderthalb Minuten vom “schnellsten Stück des Albums” klingt durch, dass in Hakims Elternhaus ein breites Musikspektrum gehört wurde: von politischer Volksmusik aus Chile über Hardcore oder Reggae zum Sound der 60er/70er-Jahre, allen voran die Beatles und Al Green. Doch zweifelsohne hielt auch ein Jeff Buckley Einzug in Nick Hakims Inspirationsquelle.

Hakim strickt seinen musikalischen Teppich wie gehabt weiter, durchs ganze Album. Sehr dicht, sehr unaufgeregt. Slowmotion. Raffiniert. Langatmig. Kurzweilig.

Hier und da lässt er ein paar Bläser auftreten (“Miss Chew”) oder ein Chor hält Einzug in sein Universum, Piano und verführerisches Saxophon. So klingt „Those Days” fast ein bisschen gospelhaft. Oder wie der Soundtrack zu einem 80er-Film.

Ironischerweise ist dann die Folgenummer “Slowly” gar nicht so slowly. Gespickt mit viel “Störfaktoren” wie ein Schreichor und durchgehender Perkussion, drängt hier endlich auch Hakims Vorliebe für den Reggae durch.

“Green Twins” ist nun also seine erste Platte. Und es ist sehr zu hoffen, dass es nicht die letzte ist. Er habe noch viel zu lernen und zu entdecken, wie er auf Facebook schrieb. Das klingt doch vielversprechend!

Denn Hakim schafft mit seinem Erstling, was nur wenigen gelingt: er packt und überzeugt durch unaufgeregte Beständigkeit und musikalische Bodenständigkeit. Weiter so!

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