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So würden wir Erfolg definieren – LANY im Interview

Die Gründung von LANY liegt drei Jahre zurück. Seither konnten die Jungs bereits Künstler wie Sam Smith oder Ryan Tedder auf ihren Konzerten begrüßen. Erst vor kurzem begleiteten sie ihr persönliches Idol John Mayer auf seiner Tour. Jetzt erscheint das Debütalbum „LANY“. Weshalb die Kalifornier drei Jahre dafür gebraucht hat, welche Arten von Fans sie bevorzugen, und was hinter den neuen Songs steckt, verriet uns Sänger Paul Jason Klein im Interview.

MusikBlog: Der Bandname soll für „From L.A. to New York“ stehen. Die Rolle von L.A. ist einleuchtend, aber wieso New York?

Paul Jason Klein: Es stand von Anfang an fest, dass wir ein Vier-Buchstaben-Wort haben wollten. Uns war bewusst, dass das dann überall stehen wird, uns repräsentieren wird. Außerdem mag ich, wie vier Buchstaben aussehen! (lacht)

Wir entschieden uns für den Ausdruck „LANY“ als Symbol unseres Landes, die Linie von der West- zur Ostküste. Jetzt wollen wir nur noch, dass „LANY“ ein Wort ist, dass für uns als Künstler steht. Es hat einen gewissen Sound und ein bestimmtes Aussehen. LANY ist einfach, was wir sind, was wir tun. Wir wollen eigentlich schon von dem Los Angeles, New York Ding wegkommen. Ich glaube, wir haben hart genug dafür gearbeitet, um es uns verdient zu haben.

MusikBlog: Du erwähntest es bereits: Drei EPs bzw. drei Jahre hat es gedauert, bis jetzt euer Debütalbum endlich kommt. Warum?

Paul Jason Klein: Nun, heutzutage geht alles super schnell an einem vorbei, die Zeit vergeht wie im Fluge. Wir können aber nur ein paar Songs auf einmal schreiben. Anfangs war unser Hauptziel, so viele Shows wie möglich zu spielen, um unsere Musik an die Leute zu bringen. Wir wollten, dass die Menschen das, was wir machen, mögen und zu unseren Konzerten kommen.

Aber irgendwie haben diese Shows nie aufgehört! (lacht) Wir hatten einfach jedes Mal, wenn wir neue Songs hatten, so ein Kribbeln in den Fingern, dass wir das neue Material sofort rausbringen wollten, um auf unseren Touren direktes Feedback zu bekommen. Natürlich haben wir immer über ein LANY Album nachgedacht, kamen aber schlichtweg bei den vielen Auftritten einfach nicht dazu. Es ist schwer, gute Shows zu liefern und nebenbei an etwas zu arbeiten.

MusikBlog: Bleiben wir bei euren Auftritten: Lieber enthusiastische und laute Fans oder lieber die reservierten?

Paul Jason Klein: Ich glaube, die Definition eines Fans ist eine Person, die unglaublich verrückt und „in love“ mit etwas ist. Ich konnte diese Beschreibung noch nie nachvollziehen. Es gibt einfach Menschen, die nicht rumbrüllen und laut schreien wollen. Sie wollen einfach nur zuhören und die Musik genießen. Das ist genauso berechtigt.

Ich glaube das Ziel ist, beide Arten von Fans zu haben, eine LANY Show abzuliefern, bei denen sich beide Gruppen im selben Raum willkommen und wohlfühlen. Aber natürlich ist jedes Konzert auch eine Art kleine Party, weshalb es natürlich ein bisschen mehr Spaß macht, wenn die Leute sich unterhalten oder ab und an laut mitsingen und uns damit offen zeigen, dass sie eine gute Zeit haben. Ich glaube, bei den meisten unserer Shows ist das auch der Fall, dass die Fans so gut wie jedes Wort mitsingen können.

MusikBlog: Den Zuspruch bekommt ihr als Band auch auf euren Social Media Plattformen.

Paul Jason Klein: Ich kümmere mich um unsere Social Media Kanäle! (lacht) Mein Job besteht im Endeffekt darin, LANYs Twitter- und Instagram Account von meinem Handy zu steuern. Trotz den Terminen, Auftritten und Songwriting, man findet immer Zeit dafür, wenn man will. Ich versuche, so viele Kommentare wie möglich zu lesen, einfach weil ich mit den Menschen in Kontakt bleiben möchte, wissen möchte, was sie denken und wie sie mit unserer Musik umgehen. Es ist wichtig, zu wissen, was die Fans wollen und was sie mögen.

Man muss aber natürlich auch eine Balance finden. Ich habe auch noch ein Leben außerhalb von LANY, um das ich mich kümmern möchte. Da ist es nicht so gesund, wenn ich den ganzen Tag am Handy hänge. Ich glaube aber, dass der Grund dafür, dass wir tausende von Kommentaren täglich bekommen, ist, dass die Leute wissen, dass die Antworten von mir kommen, dass es meine Hand ist, die schreibt und mein Hirn ist, das hinter den Posts steckt. Deshalb steht eigentlich außer Frage, dass ich mich um unser Social Media kümmere.

MusikBlog: Wie wichtig würdest du das Internet denn einschätzen?

Paul Jason Klein: Ehrlich? Ich wüsste nicht, wie Leute im Jahr 2017 eine Band sein wollen, ohne die Macht des Internets zu kennen. Alleine dass wir, eine Band aus Los Angeles, Kalifornien, ausverkaufte Konzerte in Deutschland spielen können, ist unglaublich. Ich wüsste nicht, wie das ohne das Web gehen sollte.

Aber man muss auch bedenken, dass das Internet nicht das Einzige ist. Ich könnte eine bestimmte Band nennen, bei der alle Mitglieder einzeln unglaublich berühmt auf Instagram sind, aber die Musik ist…ich wüsste nicht, ob sie nur aufgrund ihrer Musik ein Konzert ausverkaufen würden. Man kann sich nur schwer in ihre Musik hineinversetzen.

Was ich damit sagen will ist, dass wir alle immer noch Musiker sind und dass es am Ende des Tages immer noch darum gehen sollte, dass das Produkt gut ist, damit die Leute es kaufen und zu den Shows kommen. Aber natürlich kann man heutzutage noch so gut sein, wenn man kein Verständnis für das Internet hat, wird man vermutlich nicht so viel erreichen, wie man könnte.

MusikBlog: War das der Grund, dass es anfangs mit deiner Solokarriere nicht so klappen wollte?

Paul Jason Klein: Es hatte viele Gründe. Ich bin nach L.A. gezogen, neue Stadt, neues Umfeld. Alleine. Wenn man nur auf sich gestellt ist, dann muss man sich oft selbst gut zureden und aufmuntern. Ich hatte richtig hohe Hochs, dafür waren die Tiefs umso tiefer. Ich habe in dieser Zeit viel über mich selbst gelernt und wurde selbstsicherer gegenüber meinen Fähigkeiten.

Wenn ich heute einen Song geschrieben habe, dann kann ich ihn besser erklären und an die Leute bringen. Ich habe mich damals auch stark auf die Produzenten konzentriert, mit denen ich gearbeitet habe. Ich dachte immer, dass sie schon länger im Musikgeschäft und mir kreativ weit voraus wären.

Jetzt bin ich mit Les und Jake in einer Band und wir bringen uns alle ein. Manchmal setzen sich meine Ideen vielleicht nicht durch, wir geben ihnen aber immer eine Chance. Und genau das macht es aus, Songwriter einer Band zu sein. Man steckt die Köpfe zusammen und entscheidet gemeinsam. Ich glaube aber, dass es noch etwas anderes ist, was sich nicht wirklich mit Worte beschreiben lässt. Diese Energie, die zwischen uns dreien herrscht, wenn wir zusammen in einem Raum sind und Musik machen, es ist schon fast Magie. Deshalb wird unser Album abgesehen von „ILYSB“ voll mit brandneuen Songs sein.

MusikBlog: Warum eigentlich?

Paul Jason Klein: „ILYSB“ hat einfach eine besondere Geschichte. Ich habe den Song wegen einem Mädchen geschrieben. Ich glaube, es war März 2014, als ich mit ihr im Auto nach Hollywood saß. Sie telefonierte mit ihrer Schwester und verabschiedete sich mit den Worten „I love you so bad!“ Als ich das gehört hab, habe ich direkt gedacht „Oh mein Gott, das ist die verblüffendste Art und Weise sich zu verabschieden, die ich je gehört habe.“

Wir hingen danach oft zusammen ab und fingen an, uns das nicht nur zu sagen, sondern die Buchstaben „ILYSB“ auch in Textnachrichten zu schreiben. Eines Tages klebte sie mir ein Post-It mit diesen Worten ins Auto. Den Zettel habe ich heute noch.

Als ich mich in den kommenden Wochen dann an den Song gesetzt habe, brauchte ich nur eine knappe Stunde, um die richtigen Worte zu finden. Es kam einfach so über mich. Als den Jungs der Song dann auch gefiel, wurde er aufgenommen. Das ist eigentlich die ganze Story! Ich freue mich aber auch auf Songs wie „Super Far” oder „13“, der übrigens mein Favorit ist!

MusikBlog: Apropos, „13“? Hat die Ziffer eine bestimmte Bedeutung für den Inhalt des Tracks?

Paul Jason Klein: Du wirst lachen, er heißt 13, weil wir ihn an einem Tag geschrieben haben: am 13. Juli 2016! (lacht) Ich hatte diese Idee zu dem Song schon mit 18 und sie hat mich bis zu dem Zeitpunkt verfolgt, schon fast wie eine schlechte Angewohnheit! Als ich es bei einem Soundcheck dann mal angespielt habe, meinte Jake direkt „Du musst einen Song dazu schreiben!“ Also habe ich aus dem Nichts am besagten Tag mich einfach hingesetzt und etwas zusammengeschrieben. Wir fanden eine passende Melodie dazu und nahmen den Titel auf. Das alles an nur einem Tag!

MusikBlog: Wenn wir schon bei Gründen sind: Wieso heißt es in eurer aktuellen Single „Good Girl“ „Good girls don’t exist“? Was macht ein Mädchen denn zu einem guten?

Paul Jason Klein: Du stellst Fragen! (lacht) Bei diesem Vers ging es mir darum, zu betonen, dass nicht so hohe Erwartungen gestellt werden sollten, um am Ende nicht mit Enttäuschungen kämpfen zu müssen. Das meinte ich damit. Natürlich gibt es viele von euch „guten“ da draußen! Aber in Momenten der Frustration und Enttäuschung, weil man vielleicht etwas anderes erwartet hat, tut es gut, sich einfach zu denken „eigentlich gibt es keine guten Mädchen.“

MusikBlog: Kommen wir von Frustration zu etwas Positiverem, Erfolg. Ab wann kann sich LANY zurücklehnen?

Paul Jason Klein: Ich glaube, ich werde nie an diesen Punkt kommen, ich bin einfach nicht die Person dafür. Obwohl mittlerweile Sam Smith und Ryan Tedder bei unseren Konzerten waren und wir letztens John Mayer auf seiner Tour unterstützten, bin ich ein Mensch, für den es immer nach vorne gehen muss. Erfolg ist für mich immer vorwärts und niemals rückwärts zu gehen.

Davon abgesehen, könnte man schon fast sagen, dass ich besessen davon bin, Songs zu schreiben und Musik zu machen. Solange es mir möglich ist, genau das zu tun, ohne dass mir die Ideen ausgehen, solange ich immer noch Menschen erreichen kann und mich weiter und nicht zurück entwickle, solange mache ich weiter. Und so würde ich Erfolg definieren.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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