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Olli Banjo – Großstadtdschungel

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Olli Banjo war schon immer ambivalent. Auf Arschfantasien folgten bei ihm Dialoge mit Jesus, postpubertäre Penisperspektive wechselte sich mit gesellschaftskritischen Sequenzen ab. Das nennt man wohl „Schizogenie“ aus Überzeugung.

Auf seinem neuen Album „Großstadtdschungel“ widmet sich der Rapper, dessen Herz eigentlich für Rockmusik schlägt, nun vor allem den politischen Abgründen der Gegenwart.

Während der Atomschutzbunker von K.I.Z. noch mit Ironieschutzschildern ausstaffiert war, gibt sich Banjo in seinem „Rosa Panzer“ betroffen und ohne Sarkasmus. Banjo reflektiert in dem Track selbstkritisch über globale Ungerechtigkeit und sein Gefühl der Ohnmacht darüber, einen Kanal für die Wut zu finden. Die sitzt bei ihm 2017 ziemlich tief im Bauch.

In „Wir sind das Volk“ werden deswegen auch ein paar E-Gitarren eingestöpselt. Mit KC Rebell werden hier rechte Stammtischparolen seziert, die allesamt mit der unliebsamen Floskel „Ich bin kein Nazi, aber“ beginnen.

Kostprobe? „Ich bin kein Nazi, ich will eigentlich nur die Eichel seh’n, Zu viel Bärte, zu viel Dönerläden, zu viel Knoblauch. Zu viel Silvesterfeten tragen sich bei uns vorm Dom aus.“ Hier berichtet Banjo von Alltagsrassismus, der ihn als Sohn eines Nigerianers selbst in Form von willkürlich wirkenden Ausweiskontrollen verfolgt.

So kämpferisch und aufbegehrend hat man Banjo lange nicht mehr erlebt, auch wenn die letzte Strophe in punkto Differenzierung arg einbüßt. Hier wirkt der Bogen dann doch zu überspannt, wenn es von Ankara über Angela zu Trump geht und am Ende ein Brandsatz nach Magdeburg eingefordert wird. Das hätte Banjo sich besser verkneifen sollen.

Viel besser klappt die Zeitkritik hingegen in „Skinhead“, wo der Kölner über die Nichtigkeit von First World Problems sinniert und salonfähige Ressentiments gegenüber Flüchtlingen unter die Lupe nimmt.

Bei so viel Content überrascht es fast, dass Banjo sich als erste Singleauskopplung für das Feature mit Samy Deluxe entschied. Sicherlich, „Pass ma gut zu“ ist passabler Battle-Rap inklusive einem gar nicht mal schlechtem Deine Mudder-Witz, doch keineswegs Highlight dieser alles in allem souveränen Platte.

Die Testosterontipps in „Bruce Willis“ muss man mit Humor nehmen, ansonsten sucht man neben dem verzichtbaren Helium-Slapstick „Eidechsen-Blues“ den albernen Banjo fast vergebens. Der kann mittlerweile eben auch „Sex mit den Augen“ haben und träumt vom Familienauto.

„Großstadtschungel“ gibt eine leise Ahnung davon, dass Hip-Hop auch in jenem Stadium noch spannend sein könnte.

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