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Wir sehen uns nicht als Punkband – Slotface im Interview

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Die Punkszene in Norwegen ist überschaubar. Im hohen Norden zwischen Oslo und Hammerfest tanzt man eher zu lauschigen Pop-Klängen. Manch einer schminkt sich auch wie ein Pandabär und huldigt den Black-Metal-Göttern. Aber im Hinterhof ein Pogo-Feuerwerk zünden? Das machen Norweger nur selten. Kein Wunder also, dass die internationale Punk-Community besonders laut applaudiert, wenn sich dann doch mal eine norwegische Band mit erhobenen Mittelfingern der breiteren Öffentlichkeit präsentiert.

Dieser Tage im Fokus: Die Band Sløtface, ein pop-punkiges Quartett aus Stavanger, angeführt von einer Dame namens Haley Shea. Mit ihrem Debütalbum „Try Not To Freak Out“ will die Band beweisen, dass man auch in Norwegen mit Ecken und Kanten zu Werke kann. Wir trafen uns mit Haley Shea und Bassist Lasse Lokoy zum Interview und plauderten über die ersten Schritte ins Business, musikalische Vergleiche und besorgniserregende Entwicklungen.

MusikBlog: Eure Band ist seit 2012 am Start. Erinnert ihr euch an den Moment, in dem euch bewusst wurde, dass aus dem Ganzen mehr werden könnte als nur ein Hobby?

Haley Shea: Wir haben relativ schnell damit angefangen, Demos ins Internet zu stellen. Wir wollten erfahren, wie die Leute auf eine Pop-Punk-Band aus Norwegen reagieren. Normalerweise präsentieren sich norwegische Bands ja eher mit Material aus den Bereichen Metal, Hardrock oder Pop. Als wir dann gemerkt haben, dass die Leute unsere Songs ziemlich abfeiern, war schnell klar, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

MusikBlog: Wie steht es um die Live-Situation in Norwegen? Stößt eine Punk-Band da nicht schnell an Grenzen?

Haley Shea: Wir sind ja keine Punk-Band im klassischen Sinn. Zumindest sehen wir uns nicht so. Wir haben schon immer versucht, mehrere Stilelemente in unsere Songs einzubauen. Pop, Alternative, Punk: Das ist unsere Welt. Ich denke, dass uns diese Offenheit auch geholfen hat, als es darum ging, Locations für Konzerte zu finden. Mit lupenreinem Punk hat man es in Norwegen schwer. Die Szene ist sehr klein.

Lasse Lokoy: Aufgrund unseres breitgefächerten Sounds hatten wir gleich zu Beginn die Möglichkeit, auf verschiedensten Hochzeiten zu tanzen. Wir waren zunächst fast ausschließlich als Support für andere Bands unterwegs. Da gab es aber keine musikalischen Grenzen. Wir haben vor Pop-Bands gespielt und am nächsten Tag für Punkbands eröffnet.

MusikBlog: Nach vier EPs kommt ihr jetzt endlich mit eurem Debütalbum um die Ecke. Waren die EP-Jahre eine Art Warm-Up-Phase für euch?

Lasse Lokoy: Ja, so könnte man es nennen. Ich meine, wir alle machen schon sehr lange Musik. Haley hat ihre erste Band im Alter von elf Jahren gegründet. Ich habe vorher auch schon in vielen Metal-Bands gespielt. Aber Sløtface ist die bis dato größte Station für uns alle. Das haben wir alle schon zu Beginn begriffen. Und wenn man sich einer Sache endlich richtig sicher ist, dann will man natürlich nichts überstürzen und nichts falsch machen. Also haben wir uns Zeit gelassen. Wir mussten erst einmal lernen, wie man richtige Songs schreibt. Diesen Prozess haben wir auf EPs festgehalten. Irgendwann waren wir dann aber soweit. Das war dann der Moment, in dem wir entschieden haben: Jetzt gehen wir ins Studio und nehmen unser erstes, richtiges Album auf.

MusikBlog: Auf „Try Not To Freak Out“ verbindet ihr Pop- und Punk-Sounds zu einem großen Ganzen, das manch einer bereits mit dem Schaffen von Bands wie den Arctic Monkeys und den Foo Fighters in Verbindung bringt. Ehren euch derartige Vergleiche?

Haley Shea: Wir sind ganz bewusst ins Studio gegangen und haben gesagt: Heute schreiben wir einen Foo Fighters-Song und morgen einen, der klingt, als hätten ihn die Arctic Monkeys aufgenommen. Das hat scheinbar wunderbar funktioniert. (lacht)

Lasse Lokoy: Im Ernst: Wir freuen uns natürlich über solche Vergleiche. Wir reden hier schließlich von großen Bands. Aber in unseren Ohren klingt das Album einfach nur nach Sløtface. Wir haben während der Albumproduktion unheimlich viel Musik gehört. Da war auch viel Hip-Hop und Elektro-Zeugs dabei. Ich denke, dass man all diese Einflüsse irgendwie auch hört, wenn man sich für das Album Zeit nimmt. Wir wollen nicht, dass man uns in eine bestimmte Schublade zwängt. Uns ist wichtig, dass wir all das abdecken, was wir selbst cool finden. Und das lässt sich nicht auf zwei oder drei Bands reduzieren.

MusikBlog: Neben der Musik, hinterlasst ihr auch inhaltlich große Spuren. Ihr nehmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um gesellschaftliche Missstände geht. Was bereitet euch dieser Tage denn am meisten Sorgen?

Haley Shea: Ich denke, dass ich für uns alle sprechen kann, wenn ich sage, dass uns der weltweite Rechtsruck gerade die größten Sorgen bereitet. Aber es gibt natürlich auch noch viele andere Entwicklungen auf der Welt, die möglichst zeitnah gestoppt werden sollten. Uns ist es einfach wichtig, unsere Gedanken und unsere Gefühle mit in die Musik einzubinden. Und momentan geht uns einfach vieles auf der Welt gegen den Strich.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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