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Julien Baker (Credit Nolan Knight)

Die Hoffnung liegt in einer Grauzone – Julien Baker im Interview

Wie viele andere, kurz vor dem Erwachsensein stehende junge Musiker mit dem Hang zu leidenschaftlichen Klängen, wollte auch Julien Baker eigentlich nur ihren Gefühlen freien Lauf lassen und das Ergebnis in Klangwelten transportieren. Die Gitarre und die Liebe zum Folk sollten ihr einfach nur dabei helfen, wieder etwas klarer zu sehen.

Das Talent von Julien blieb aber nicht lange im Verborgenen. Nach der Veröffentlichung ihrer Songs auf ihrer Bandcamp-Seite brach für die in Memphis aufgewachsene Songwriterin im Jahr 2015 ein neues Lebenskapitel an. Zunächst klopfte das kalifornische Indie-Label 6131 Records an Juliens Pforten. Zwei Jahre später ging es mit Hilfe von Matador in die große weite Welt hinaus.

Im Herbst 2017 ist Julien Baker in der Singer/Songwriter-Szene längst keine Unbekannte mehr. Auf ihrem zweiten Studioalbum „Turn Out The Lights“ dimmt die Sängerin das Licht und wagt einen Blick über den Tellerrand. Kurz vor der Veröffentlichung ihres neuen Schaffens trafen wir Julien Baker in Berlin zum Interview und sprachen über neue Perspektiven, neue Sounds und alte Freunde.

MusikBlog: Julien, dein Debütalbum präsentierte sich wie eine in Musik gegossene Selbsttherapie. Auf deinem neuen Album beschäftigst du dich mehr mit Geschehnissen außerhalb deiner eigenen vier Wände. Ein bewusster Schritt?

Julien Baker: Nun, das kann ich gar nicht so genau beantworten. Sicherlich macht man sich schon im Vorfeld einer neuen Platte seine Gedanken. Aber ich habe mir für das neue Album kein inhaltliches Konzept zusammengelegt. Für mich war es irgendwie der logische nächste Schritt. Meine Persönlichkeit und meine Erfahrungen werden ja nicht komplett ausgeblendet. Trotz der etwas verschobenen Perspektive stecke ich als Person immer noch mittendrin.

MusikBlog: Was empfindest du denn als größte Herausforderung, wenn es ums Texten geht?

Julien Baker: Das Finden der richtigen Balance. Es ist nicht immer einfach, die perfekte Mixtur zwischen autobiografischen Elementen und Beobachtungen aus der Ferne zu finden. Selbst, wenn es dabei um die besten Freunde oder Familienmitglieder geht: Man ist immer etwas unsicher.

MusikBlog: Trotz der immer noch präsenten Melancholie in deinen Texten wirkt alles ein bisschen heller und positiver.

Julien Baker: Hoffnung ist ein großes Thema auf dem Album. Nicht alle, aber viele Schmerzen im Leben sind endlich. Irgendwann geht es auch wieder bergauf. Diese Erkenntnis ist ein wichtiger Eckpfeiler in den neuen Songs. Ich denke, die Wahrheit ist nicht immer schwarz oder weiß. Meistens liegt die Hoffnung in einer Grauzone vergraben. Ich meine, das Leben ist unheimlich komplex. Man muss sich nur Mühe geben, und herausfinden, ob es zwischen gut und schlecht auch noch etwas anderes gibt. Meistens ist das so. Das ist zumindest meine Erfahrung.

MusikBlog: Musikalisch stellst du dich diesmal etwas breiter auf.

Julien Baker: Ich habe das Album in den Ardent Studios aufgenommen. Das ist ein Studio in Memphis, das einem unheimlich viele Möglichkeiten der kreativen Entfaltung bietet. Diese habe ich genutzt. Es war unheimlich spannend, zu verfolgen, wie sich die Songs mit der Zeit entwickelten. Ich finde, dass das neue, etwas voluminösere Sound-Gewand wunderbar passt. Die Holzbläser, die Streicher…

MusikBlog: Lässt du dich in puncto Sound auch von außen beeinflussen? Oder verlässt du dich komplett auf dein Bauchgefühl?

Julien Baker: Ich habe in den vergangenen zwei Jahren viel Musik gehört, die in irgendeiner Art und Weise einen Weg auf das neue Album gefunden hat. Dabei geht es aber weniger um den Sound als mehr um die Strukturen und die Atmosphären.

MusikBlog: Bestimmte Bands und Künstler?

Julien Baker: Nun, Bands wie Everytime I Die und Touché Amoré waren ständige Begleiter. Aber wie gesagt: Es ging mir da primär um die Stimmungen und die songwriterischen Strukturen.

MusikBlog: Du hast auch schon Erfahrungen innerhalb eines Band-Kollektivs sammeln können. Mir kam zu Ohren, dass der Drummer deiner alten Band The Star Killers (jetzt Forrister) auch auf deinem neuen Album zu hören sein soll. Ist dem so?

Julien Baker: Ja, das stimmt. Matthew singt im Background des Songs „Hurt Less“. Er hat eine tolle Stimme.

MusikBlog: Wie kam es eigentlich zu der Umorientierung in Richtung Solo-Karriere?

Julien Baker: Das war eigentlich überhaupt nicht geplant. Ich war mit meiner Rolle bei den Star Killers eigentlich total glücklich. Aber ich habe nebenbei halt auch Songs für mich alleine geschrieben. Damit wollte ich aber nie groß an die Öffentlichkeit. Irgendwie ist es aber dann doch so gelaufen. Meine Band hat mich dabei total unterstützt und mich quasi dazu gedrängt, den Solo-Pfad weiter zu gehen. Tja, und nun sitze ich hier. (lacht)

MusikBlog: Mit einem weinenden und einem lachenden Auge?

Julien Baker: Naja, ich bin schon happy, wie sich alles entwickelt hat. Das kann und will ich gar nicht leugnen. (lacht)

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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