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Es gab privat einiges zu klären – Gisbert zu Knyphausen im Interview

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Sieben Jahre war es ruhig geworden um Gisbert zu Knyphausen. Sieben Jahre, in denen der hochadlige Singer/Songwriter den Tod seines Projektpartners Nils Koppruch verdauen musste, mit der er kurz vor dessen Tod 2012 das gefeierte Duett „Kid Kopphausen“ aufgenommen hatte. Sieben Jahre, in denen sich der Enddreißiger aus Wiesbaden nach zwei gefeierten Solo-Alben auch privat wieder neu erden wollte. Jetzt aber ist es soweit und „Das Licht dieser Welt“ erscheint.

Es ist ein heiteres Stück Trauerarbeit voller Optimismus, was auch daran liegt, dass Gisbert zu Knyphausen mehr Musiker denn je zu einer fast schon orchestralen Art des Songwriter-Pop zusammengetrommelt hat. Ein Gespräch über Punchlines, Pop-Poeten, Politik im Text und sein Notizbuch voller Gedanken.

MusikBlog: Kennst du eigentlich das Wort „Pop-Poet“?

Gisbert zu Knyphausen: Nee, Deutsch-Poeten kenne ich, das ist ein Musikfestival mit seltsamem Namen.

MusikBlog: Aber Jan Böhmermann ist dir ein Begriff?

Gisbert: Klar, ist das einer?

MusikBlog: Nein, aber der hat vor der letzten Echo-Verleihung deutsche Befindlichkeitssänger wie Max Giesinger mit der Bezeichnung Pop-Poet fürchterlich gebasht.

Gisbert: Stimmt, ist bei mir nicht hängengeblieben. Aber für mich ist das Wort auch gar nicht negativ besetzt. Ich sehe das zunächst mal als schöne Alliteration.

MusikBlog: Wovon bist du denn mehr – von Pop oder Poet?

Gisbert: Ich bin beides zu gleichen Teilen. Ich stehe im weitesten Sinne total auf Popmusik mit eingängigen Refrains. Aber nur, wenn sie eine gewisse Tiefe hat und textlich übers reine Wohlfühlen hinausgeht.

MusikBlog: Ist dir der ganze Song deshalb wichtiger als die einzelne Punchline?

Gisbert: Womöglich. Trotzdem freue auch ich mich schon mal darüber, wenn in – was du „Punchline“ nennst – mal eine Reihe Alliterationen drin sind, die einfach gut klingen. Umso weniger würde ich mich als Dichter bezeichnen, weil meine Texte immer zwischen Alltagssprache und poetischen Bildern schwanken. Mir ist eben manchmal wichtig, Dinge klar zu sagen und dabei einfach zu halten, ohne dass es abgedroschen klingt.

MusikBlog: Zum Beispiel?

Gisbert: Ach, eine Zeile wie „die Liebe, die du gibst/ist die Liebe die du kriegst“ – hört sich isoliert ein wenig gewollt und abgenudelt an, fügt sich aber gut in den Rest des Textes. Das darf auch bei mir vorkommen.

MusikBlog: Wie entstehen solche Textpassagen – kommst du eher von der Lied-Idee zu den Worten oder von den Worten zur Lied-Idee?

Gisbert: Das vermischt sich. Ich habe ein Notizbuch, fast so eine Art Tagebuch, das ich permanent mit Gedanken vollkritzele. Manchmal gehe ich die dann durch und übertrage etwas daraus in eine Computerdatei für mögliche Lieder.

MusikBlog: Kann man sich diesen Notizblock nach sieben Jahren ohne Platte so vorstellen, dass er förmlich übergelaufen ist und mal erleichtert werden musste?

Gisbert: Nicht in dem Sinne, dass die neue Platte da aus einer Art Notwendigkeit heraus entstanden wäre. Ich hatte vorher einfach keine Ambitionen in diese Richtung, was sich vor zwei Jahren geändert hat. Da wollte ich die ganzen Ideen im Notizbuch und das, was ich schon auf Gitarre oder Klavier angedacht habe, weiter ausformulieren und Songs draus machen.

MusikBlog: Und vorher?

Gisbert: War ich einfach glücklich, in der Band von Oli Schulz Bass zu spielen, also mal nicht die Hauptperson zu sein. Darüber hinaus hab ich mich um mein Privatleben gekümmert, um mal wieder ein bisschen festeren Boden unter den Füßen zu kriegen. Zumal ich nach dem Tod von Nils…

MusikBlog: Nils Koppruch, mit dem du kurz zuvor als „Kid Kopphausen“ ein Album aufgenommen hast.

Gisbert: … eine Weile brauchte, um den Schock und die Trauer abzuschütteln.

MusikBlog: Aber wäre die Musik für einen Musiker nicht das ideale Ventil dafür gewesen?

Gisbert: Schon. Aber in den ersten Monaten hat es mich einfach nur traurig gemacht, wenn ich mich allein an die Gitarre gesetzt habe. Das Gefühl wollte ich nicht mit der Öffentlichkeit teilen, sondern erstmal für mich ausarbeiten und privat klären. Aber auch über den Tod von Nils hinaus hat es sich damals einfach richtig angefühlt, mal eine Pause vom öffentlichen Gisbert zu Knyphausen zu machen.

MusikBlog: Es gab also kein kreatives Loch, sondern nur ein mentales?

Gisbert: Genau, es gab privat einiges zu klären, um wieder glücklicher durchs Leben zu gehen.

MusikBlog: Und – ist dir das gelungen?

Gisbert: Absolut. Die Pause hat sehr gut getan, auch wenn es ungeheuer anstrengend war.

MusikBlog: Leistet die Platte dennoch Trauerarbeit?

Gisbert: Auch, aber einen Schritt weiter als die unmittelbare Schmerzverarbeitung. Auf Umwegen kommt das Thema Tod noch ziemlich oft vor, darüber hinaus allerdings ist weit mehr Freude und Licht darin enthalten als auf den Alben zuvor. Die eigentliche Trauerarbeit ist halt schon überwiegend geleistet.

MusikBlog: Waren die zwei Alben zuvor wirklich trauriger oder bloß getragener?

Gisbert: Traurig waren sie tatsächlich nicht unbedingt, aber besonders die vorige Platte war definitiv gedrückter Stimmung. Davon kann auf „Das Licht der Welt“ schon dem Titel nach keine Rede sein.

MusikBlog: Findet das auch seinen Ausdruck in der Musik? Die klingt ungleich orchestraler als zuvor…

Gisbert: Das stimmt, war aber keine bewusste Entscheidung. Ich hatte einfach mal Lust, mit anderen Musikern, anderen Instrumenten, anderen Sounds zu arbeiten. Ansonsten spiegelt das Album einfach die letzten fünf Jahre wider. Neben dem Tod kommen ja auch Kinder vor; nicht weil ich selber Vater geworden wäre, sondern weil meine neue Freundin eine Tochter hat und viele meine Freunde Eltern geworden sind. Auch wenn ich kaum direkte Geschichten aus meinem Leben erzähle, gibt es neben den Tiefen also auch viel Gutes zu erzählen.

MusikBlog: Die vielen Personalpronomen sind also gar keine realen Personen?

Gisbert: Manches geht von welchen aus, aber das meiste sind Abstraktionen. „Sonnige Grüße aus Khao Lak, Thailand“ etwa hat was mit meiner Oma zu tun, wegen der ich mich mit dem Thema Alterseinsamkeit befasst habe. Aber die Person im Text, deren Tochter höchsten über Postkarten mal mit ihr kommuniziert, ist komplett erfunden.

MusikBlog: Würdest du diesen Inhalt schon als sozialkritisch bezeichnen?

Gisbert: Es ist jedenfalls das sozialkritischste Lied auf der Platte. Ich sehe mich ja nicht als explizit politischen Songwriter, weil ich für mich noch keinen Ansatz gefunden habe, das in Texte zu fassen.

MusikBlog: „Stadt, Land, Flucht“ ist keine Metapher auf die angebliche Flüchtlingskrise?

Gisbert: Nee, eine Zeile wie „ein elegant wankender, am Wohlstand erkrankender Mann“ darf man sich gern in einen politischen Kontext denken. Aber der ganze Song beschreibt eher eine Person als die Verhältnisse, in denen er lebt.

MusikBlog: Gibt es ein Schlüsselstück, das die Platte im Ganzen kennzeichnet?

Gisbert: Dafür sind die Stücke zu unterschiedlich, nein. Aber es gibt Songs, die mir wichtig sind, weil sie sehr persönlich sind. „Dich zu lieben“ zum Beispiel oder „Teheran smiles“.

MusikBlog: Letzteres ist eins von zwei Stücken, die du erstmals auf Englisch singst. Warum?

Gisbert: Weil ich einfach Bock hatte, das auszuprobieren. Ich weiß, dass die meisten meiner Zuhörer nicht unbedingt drauf warten, dass ich endlich mal Englisch singe…

MusikBlog: Na, vor allem die Native-Speaker warten da nicht drauf…

Gisbert: (lacht) Klar. Aber ich habe keine Ambitionen, mit den Songs in England groß rauszukommen. Es war bloß ein Weg, meinen künstlerischen Weg mit einer neuen Farbe zu versehen. Ich singe automatisch anders in dieser Sprache. Und der Gesang steht der Musik nicht mehr so im Wege, weshalb man ihr mal mehr Beachtung schenken kann. Das fand ich spannend, denn von englischer Musik bin ich sehr beeinflusst.

MusikBlog: Aber schränkt es einen Liedermacher deines Mitteilungsbedürfnisses nicht vor allem ein, viele Worte erst mühsam suchen zu müssen?

Gisbert: Auf jeden Fall, auf Deutsch kann ich viel präziser formulieren. Aber ich empfinde es als durchaus befreiend, einfacher zu singen. Und damit, dass Muttersprachler einige meiner Formulierungen nicht verwenden würden, hab ich kein Problem, sofern man der Musik immer noch gerne zuhört. Deshalb würde ich keinesfalls auf Französisch oder Italienisch singen.

MusikBlog: Wenn man wie du jetzt in einem richtigen Bandzusammenhang steckt – kriegt man dann als Singer/Songwriter Lust, das weiterhin zu tun?

Gisbert: Ach, ich habe ja schon ein Nebenprojekt. Husten mit Moses Schneider und Tobias Friedrichs, die auch die Songs schreiben, da bin ich einfach der Sänger. Und wir waren auch auf den ersten beiden Platten von Gisbert zu Knyphausen schon zu fünft, die Band lief halt nur unter meinem Namen. Darüber hinaus werde ich einfach weiter immer wieder neue Leute ins Boot meiner nächsten Platten holen. So werde ich dann vielleicht projekthafter, flexibler, weniger erwartbar. Das wäre meine Hoffnung.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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