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Philip Selway – Let Me Go – mehr als nur Filmmusik

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Eine Mutter verlässt 1941, voller Überzeugung das Richtige zu tun, ihre vierjährige Tochter, um zur Waffen-SS zu gehen und Aufseherin im KZ  Auschwitz-Birkenau zu werden. Drei Jahre vor dem Tod der Mutter und zwei Generationen später treffen sich Mutter und Tochter erst wieder.

Helga Schneider heißt die zurückgelassene Tochter, welche ihre eigene Geschichte in dem Roman „Lass mich gehen“ (erschienen 2005) versucht hat, zu verarbeiten. Polly Steele machte daraus jetzt einen Film und der Radiohead Drummer Philip Selway lieferte dazu den gleichnamigen Score und damit sein drittes Soloalbum nach „Familial“ und „Weatherhouse“.

Anders als seine beiden Vorgängeralben besteht „Let Me Go“ hauptsächlich aus Instrumentalstücken. Selway komponiert ein Streichquartett, um mit deren  Zusammenspiel, Mutter, Tochter, Enkel und Urenkel verkörpern zu können (Zakopane). An anderer Stelle, bei „Helga‘s Theme (Saw)“ und „Let Me Go (Rhodes)“, benutzt er eine singende Säge, um so – vielleicht unbewusst – die Uhr zurückzudrehen, in eben jene Zeit, in der auch Marlene Dietrich, eine der bekanntesten Sägenspielerinnen, lebte.

Die schwermütigen Streicher verstummen, das Piano wird leiser, wenn Selway zum Mikrophon greift. Mit einer Akustigitarre begleitet, singt er in „Wide Open“ wehmütig: „I need you hold me / I need you show me / show me you paid some attention / give me a reason to mind / with your arms wide open / with your eyes wide open.”

Bei „Walk“, der wohl schönsten Ballade des Albums, setzt sich Selway an sein angestammtes Instrument und überlässt Lou Rhodes von Lamb, selbst mit kleiner Nebenrolle im Film, das Singen: „Maybe I should forget you / maybe I should walk away / watching as you go / but you’re here with me night and day…Where does it end? No more pain and no more lies.“

Im sehr berührenden Titelstück „Let Me Go“ klingt Selway wie Dirk von Lowtzow bei Phantom Ghost, wenn er – nur vom Piano begleitet – die Zeilen: „I waited for you to come back, you never came / I called out for you / you pushed me away.“ singt.

Die verlassene Tochter  will die Mutter vergessen, dieses ganze Gespinst aus Verbrechen, Lügen werden zum Trauma: „Verschwinde endlich aus meinen Gedanken Mutter, lass mich gehen.“ ruft sie dem Geist ihrer Mutter zu, einer Frau, die ihr Leben lang nie bereute, was sie getan hatte, und für die selbst der Mord von Kindern legitim und notwendig erschien, um das „Ungeziefer“ auszurotten.

Die meisten Stücke, ausgenommen die Vocals, funktionieren schwer ohne den Film. Andererseits muss man den Film gar nicht gesehen haben, um die Beklemmung zu spüren. Selway hat es auf beeindruckende Art und Weise geschafft, Bilder, ja fast den kompletten Film nur durch Musik im Kopf entstehen zu lassen. Ansehen sollte man sich den Film aber dennoch, weil man gerade heute wieder nicht genug gewarnt werden kann, wohin Indoktrination von Fremdenhass führt.

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