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Tusks (Credit One Little Indian)

Tusks – Dissolve

Der Wind rauscht durch den Herbstwald und Tusks unterlegt die jahreszeitlich bedingte Melancholie mit dem zugehörigen kühlen Soundtrack. Wobei es sich bei Tusks nicht um die Familie des EU-Ratspräsidenten bei der Hausmusik, sondern um das tönende Projekt der Songwriterin, Multi-Instrumentalistin und bildenden Künstlerin Emily Underhill handelt.

Schon seit Hochschulzeiten veröffentlichte die Londonerin unter ihrem eigenen Namen Songs via Bandcamp. Richtig ernst wurde es aber erst, als sie aka Tusks mit der selbstproduzierten „Ink“ EP erste Signaturen an die Pforten des Musik-Biz schrieb.

Nun stellt sie auf dem Björk-Label One Little Indian den ersten Longplayer vor, auf dem „For You“ ein Klangkonstrukt einläutet, in dem Reverb-Gitarren und komplexe Elektronik ein fein aufeinander abgestimmtes Team bilden.

Tu Fawning, Cocteau Twins, The xx, London Grammar – eine Menge Referenzen lässt „Dissolve“ erkennen. Atmosphärischer Dream-Pop schwebt durch Räume voller Resonanz, die eingefügten Soundeffekte tropfen aus den Ecken. Mal dominiert Minimalismus, hier und da gibt`s den Ambient-Anstrich. Viel Wehmut schwingt mit, ohne dabei düster zu wirken.

Emily Underhill singt in persönlichen Lyrics über das Spannungsfeld widersprüchlicher Emotionen. Sie bedient von feenhafter Entrücktheit bis zur klaren Mädchenchorstimme viele vokale Facetten, erzählt in „Ivy“ von Gift, entwickelt aber keineswegs die allergene Wirkung der Pflanze Poison Ivy.

Bei allen implizierten Einflüssen besteht über weite Teile von „Dissolve“ Unklarheit darüner, worin die Reise gehen soll. Darum ist gut, dass es Tusks Städte angetan haben: „Toronto“, wirklich dort entstanden, und „Paris“ mit seiner mehrfach geänderten Taktung, geschrieben unter den Eindrücken der Bataclan-Anschläge, sind starke, weil die kompositorisch authentischsten Momente der Platte.

„Last“ hingegen ist ein solides, pop-orientiertes Stück und mit „London Thunder“ landete auch eine Foals Cover-Version auf der Platte.

Was in Zusammenarbeit mit Co-Produzent Brett Cox entstand, sind semi-synthetisch optimierte Songs auf Basis organischer Singer-Songwriter Tugenden. Ein stimmiges Album. Beim nächsten Ansatz sollte aber noch mehr Selbstbewußtsein eingepreist werden, um dauerhaft im Ohr zu bleiben.

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