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Beatsteaks (Credit Katharina Raskob/Musikblog)
Beatsteaks (Credit Katharina Raskob/Musikblog)
Beatsteaks (Credit Katharina Raskob/Musikblog)

Beatsteaks – Live im E-Werk, Köln

Nach der flatterhaften Vielfalt von „Yours“ haben sich sicher einige zu Recht gefragt, ob man die Beatsteaks im Jahr 2017 wirklich noch braucht. Wenn man die Berliner dann aber live sieht, beantwortet sich diese Frage von selbst.

Denn wenn sie eines können, dann ihrem Publikum großartige Abende bescheren, bei denen alle durchgeschwitzt und glücklich nach Hause gehen. „Lasst uns diesen Donnerstag zu einem Samstag machen“, fordert Arnim Teutoburg-Weiß, nachdem er Köln als seine zweite Heimat begrüßt. Das entlockt dem Publikum natürlich johlenden Applaus. Als er dann noch durchsagt, dass es beim Spiel des 1. FC Köln in der Europa-League gerade 1:0 steht, gibt es kein Halten mehr. Die Beatsteaks haben die Menge vom ersten Song an auf ihrer Seite.

Bei „Automatic“ unterbreitet der Frontmann den Zuschauern einen Vorschlag: „Ey, wisst ihr, es gibt total schöne Fotos von uns auf Facebook oder auf unsere Homepage. Von professionellen Fotographen. Deswegen lasst uns doch diese Scheiß-Dinger, die unser Leben bestimmen, in den Taschen lassen. Wir haben echte Freunde. We don’t need fucking facebook.“

Klar, solche Ansagen sind mittlerweile keine Seltenheit mehr. Fruchten aber trotzdem. Nur bei den Höhepunkten können einige sich dann doch nicht verkneifen, mit ihrem Handy ein paar verwackelte Aufnahmen zu schießen.

Denn, wenn Teutoburg-Weiß eines nicht tut, dann stillstehen. Ständig läuft er von rechts nach links, stellt sich aufs Gitter am Graben, schnappt sich ein Bier und singt in der Menge. Eigentlich ist er mehr im Publikum als auf der Bühne.

Die Zuschauer danken es ihm mit ungetrübter Euphorie. Alle singen, tanzen und springen. Selbst der Balkon bebt zu Hits wie „Summer“, „Cut Off The Top“ oder „Milk & Honey“. Die neuen Songs werden zwar auch ausgiebig beklatscht, aber man merkt doch ganz deutlich, welche die Klassiker sind.

Vor der Zugabe beenden die Beatsteaks ihr offizielles Set mit „Let Me In“. Wer sich ein bisschen auskennt mit den Berlinern weiß, was auf ihn zukommt. Hinsetzen-Chöre erklingen und spätestens als Teutoburg-Weiß gezielt Leute anspricht und Sachen sagt wie: „Ey, komm schon. Leg mal dein Handy aus der Hand und setz dich“ will sich niemand mehr die Blöße geben. Soweit das Auge reicht – und ja, sogar bis hoch zu Veranda – hocken alle, um dann punktgenau aufzuspringen und den Mosh-Pit zu starten.

Zur Zugabe erklimmt Teutoburg-Weiß dann kurzerhand die Balustrade über dem Notausgang und performt über der Menge „I Don’t Care As Long As You Sing“. Stilechter Abgang mit Vorwärts-Salto in die Zuschauer und Crowdsurfing zurück zur Bühne inklusive.

Wer sich dann von der Hintergrundmusik nicht täuschen lässt und weiterhin lautstark „Beatsteaks“ shoutet, anstatt schon mal zur Garderobe zu eilen, der wird sogar mit einem zweiten Zugaben-Block belohnt. Nach „Hand In Hand“ und „Sabotage“ als Beastie-Boys-Hommage ist dann aber wirklich Schluss und alle sind sich einig: Ja, die Beatsteaks braucht man auch 2017 noch.

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