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Chilly Gonzales – Live in der Philharmonie, Köln

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Wenn man die Kölner Philharmonie besucht, dann legt man in der Regel den feinsten Zwirn an. An diesem fast schon traditionellen Konzert zwischen den Jahren finden sich jedoch auffällig viele junge Leute in Kapuzenpullis im Publikum.

Aber warum auch übertreiben mit der Kleiderordnung, wenn der Starpianist selbst wie gewohnt mit Schlappen und Bademantel die Bühne betritt. Obwohl die Camouflage-Robe erst mal nur ein Prototyp sei, wie Chilly Gonzales nach den ersten zwei Stücken erklärt.

Heute Abend kommt in der Philharmonie alles ein bisschen anders als gedacht. Man hat schon so eine Vermutung, als die vier Stühle, die für das angekündigte Kaiserquartett aufgereiht wurden, die erste Stunde des Konzerts leer bleiben.

Dafür packt der Wahl-Kölner Gonzales in bester Entertainer-Manier allerhand Anekdoten aus und erzählt ausgiebig von seinen neuen Piano-Stücken. Eins davon ist als Antwort zu Bachs berühmtem Präludium in C gedacht. Gemeinsamkeiten mit dem großen Johann Sebastian habe er ja in Fülle. Er hieße mit bürgerlichem Namen auch Beck, was ja so ähnlich sei, und Bachelor sei er dazu auch noch. Rechtfertigung genug für den gebürtigen Kanadier, sich dem Klassiker anzunehmen.

Bevor er anfängt zu spielen, entschuldigt er sich noch schnell im Voraus: „Es kann sein, dass ihr heute ein paar mehr Fehler hört als sonst. Das liegt daran, dass diese Stücke alle neu sind.“ So demütigt und fast schüchtern erlebt man den exzentrischen Musiker nur selten.

Nach diesem Solo-Klavier-Part überlässt Gonzales die Bühne Sarah McCoy, einer Musikerin die nicht nur durch ihre Erscheinung Aufsehen erregt. Als bunter Paradiesvogel mit ordentlich Volumen hat die Dame auf ihren hochhackigen Schuhen so ihre Schwierigkeiten, das Klavier zu erreichen und hangelt sich entschlossen am Geländer entlang.

Die drei Songs, die McCoy zum Besten gibt, sind stark vom Blues geprägt. Es verwundert also nicht weiter, als Gonzales kurze Zeit später erzählt, dass McCoy aus New Orleans stammt. Mal zart säuselnd, mal röhrend, verzaubert die außergewöhnliche Erscheinung mit ihrer Wahnsinnsstimme das Kölner Publikum und bedankt sich nach ihrem Song „Beauty Queen“ für den johlenden Applaus mit einem charmanten: „You sure know how to make a girl feel pretty“.

Mit frischen Schlappen und neuem Bademantel betritt Gonzales wieder die Bühne und fängt an zu plappern: „Hach, jetzt ist der schönste Teil des Konzerts. Meine neuen Stücke habe ich hinter mich gebracht. Jetzt kann ich eigentlich machen was ich will. Ich könnte zum Beispiel eine Stunde nur Bullshit erzählen. Oder wir könnten ein bisschen bedrückende zwischen den Jahren Fremdschäm-Stille haben. Wie wär‘ das?“

Was folgt, ist ein bisschen von alledem. Gonzales wird zum MC und rappt zu einem Metronom oder Klavier-Beats, bevor er deutlich später als gedacht schließlich das Kaiser-Quartett auf die Bühne bittet. Zumindest versucht er das. Nach mehrmaliger Ankündigung erscheint ein junger Herr, flüstert Gonzales was ins Ohr und geht wieder.

„Ich kann nicht glauben, dass ich das sage. Aber begrüßen Sie mit mir das Kaiser-Trio.“ Bratschist Ingmar Süberkrüb ist kurzfristig erkrankt, weswegen Adam Zolynski ständig zwischen Violine und Viola wechseln muss. Stücke wie „The Grudge“ funktionieren jedoch trotz aller Anstrengung leider nur zu viert, weswegen Gonzales’ Herangehensweise an dieses Konzert das Konzept der „totalen Gefahr“ war. So feiert beispielsweise „Crying“ – ein Song aus dem Jahr 2001 – seine Live-Premiere.

Als die Musiker zur Zugabe nochmal den Konzertsaal betreten, hat sich ein mutiger Zuschauer an den Bühnenrand gewagt. Während Gonzales versucht, ihn höflich zu ignorieren, lässt er sich nicht abwimmeln und schleudert schließlich nach der Aufforderung „Hör endlich auf, die Zeit von allen zu verschwenden und wirf es einfach“ einen hölzernen Gegenstand auf die Bühne, den er sich unterschrieben wünscht. Also doch noch ein bisschen Fremdscham.

Es scheint, als habe dieser kleine Zwischenfall in Gonzales die nötige Portion Wut ausgelöst, denn bei „Take Me To Broadway“ hackt er auf das Klavier ein wie ein Besessener, spuckt, schreit, die Bögen des Kaiser-Trios verlieren ein paar Haare und schließlich rammt er das Mikro in die Tasten und verlässt mit einem kurzen „Dankeschön“ endgültig die Bühne.

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