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Marteria – Live in der Lanxess Arena, Köln

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Wirbelnde Shirts, eine schweißnasse Zuschauerschar, Lufschlangen-Kanonen, eine Bengalo-Fackel, Publikumschöre und Moshpits. All das geht an diesem Samstagabend auf Marterias Kappe. Und dafür lässt er sich – zu Recht – gebührend von den Kölnern feiern.

„Das ist die größte Indoor-Show, die wir jemals gespielt haben. Und es war so klar, dass das in Köln passiert. Von Anfang an hatten wir in dieser Stadt nur Support. Danke dafür!“, verkündet er gleich zu Beginn des Konzerts und man merkt ihm an, dass das nicht nur so dahin gesagt ist.

Es scheint, als habe Marteria sich für heute Abend vorgenommen, seinen Fans alles zurückzugeben. Der Rostocker gönnt sich in den gut zwei Stunden kaum eine Verschnaufpause. Er ballert einen Hit nach dem andern weg und hüpft dazu wie ein Gummiball auf, ab, von rechts nach links.

Davon, dass es in einer Location wie der Lanxess-Arena ein bisschen schwieriger ist als in kleinen Clubs, die Menge zum kollektiven Bouncen zu bringen, lässt sich Marteria nicht einschüchtern. „Das hier ist ein Marteria-Konzert. Da sitzt keiner. Auch nicht auf den Tribünen. Also los, alle aufstehen und die Arme hoch.“ Tatsächlich leisten alle Folge. Obwohl die Hip-Hop-Moves der so Augeforderten teilweise noch ein bisschen ungelenk aussehen.

Der Fakt, dass Marteria in der Lanxess-Arena spielt, ist eigentlich schon Beweis genug dafür, dass er völlig im Mainstream angekommen ist. Der Blick in die Zuschauer untermauert das: Statt Hip-Hopper in weiten Hosen sieht man durchgestylte Mädels, die die Pommesgabel in die Luft strecken. Knapp daneben, aber das interessiert auch keinen.

Der reguläre Teil des Konzerts besteht zum größten Teil aus Songs des aktuellen Albums „Roswell“. Bei „Das Geld muss weg“ schmeißen die Leute wie wildgeworden ihre Plastikbecher in die Luft und zu „Blue Marlin“ tanzt plötzlich ein aufgeblasener Blauer Marlin aus Plastik über der Menge. Hoffentlich endet der nicht selbst mal in besagtem Teppich.

Nach „Links“, das Marteria mit Anti-Nazi-Parolen beendet, wird alles in grünes Licht getaucht. Man ahnt, was jetzt passiert. Mit Maske betritt Marterias Alter Ego Marsimoto kurze Zeit später die Bühne. Neben „Grüner Samt“, „Eine kleine Bühne“ und „Der Nazi und das Gras“ gibt er auch einen ganz neuen Song zum Besten, zu dem er sich einen Hühnerkamm auf den Kopf zieht und zumindest zu Teilen aus der Perspektive eines Huhns rappt. Mit dem Schlusssatz „Behandelt uns in Zukunft mal besser“ könnte man mutmaßen, dass hier ausnahmsweise statt Gras eher Gesellschaftskritik das Thema ist.

Zum großen Finale betritt anschließend Marteria wieder die Bühne und liefert wirklich alles, was man von einer Arena-Show so erwartet. „Also wenn das hier heute Abend nicht der Himmel ist, dann glaub’ ich auch nicht an Gott“, beendet er mit „Lila Wolken“ den offiziellen Teil des Sets.

Als er zur Zugabe wieder rauskommt, badet er erst mal einige Minuten im Applaus. Er steht am Bühnenrand, hält sich die Hände vors Gesicht, verneigt immer wieder andächtig den Kopf und ist sichtlich gerührt.

Zu „Welt der Wunder“ verwandelt sich die Lanxess-Arena dank Handys passenderweise in einen riesigen Sternenhimmel. Es ist die kurze Verschnaufpause vor der absoluten Eskalation.

Zu „Feuer“ schießen einen Song später Feuerfontänen in die Luft, deren Hitze man bis in die letzten Reihen spürt. „Die letzten 20 Sekunden“ – ein Cover von Kumpel und Musikerkollege Kid Simius – kündigt Marteria direkt mehrmals an. Das Publikum tanzt nach seiner Pfeife, reißt sich die Shirts vom Leib, schmeißt sie in die Menge, setzt sich kollektiv hin, um dann punktgenau zum Einsetzen des Beats auszurasten.

Und dann macht Marteria das, was man eigentlich nur aus kleinen Clubshows kennt: „Ich glaube wir beenden das nicht hier oben. Sondern da unten bei euch.“ Das Publikum bildet eine Gasse und der Rostocker startet „Die letzten 20 Sekunden“ mitten in der Menge, findet nach einer Runde Moshpit seinen Weg zurück und verneigt sich immer noch, während die Hintergrundmusik längst angegangen ist.

Wer es schafft, in einer Arena-Show immer noch so publikumsnah und sympathisch zu sein, den darf man auch ruhig mal ein paar Minuten länger beklatschen.

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