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Khruangbin (Credit Mary Kang)

Khruangbin – Con Todo El Mundo

Mal wieder aus dem Kreativ-Pool Houston, Texas kommt hier eine junge Band, die nicht ist, wie das, was man gewohnt ist, mit einem üblichen Verständnis von Indie-Musik.

Das Trio Khruangbin hatte im Jahr 2015 für kleines Staunen gesorgt, mit einer einmalig entschleunigten Musikmischung aus Surf, Soul und einem längst vergessenen Siebziger-Sub-Genre: Thai-Funk.

Jawohl, jenen gab es, und jener stand dem Gebräu von Khruangbin ganz hervorragend zu Gesicht. Als Antwort auf eines die Welt infiziert habenden freiheitlich-hippiesken Gitarrengejames von US-amerikanischen Seventy-Stars wie Santana, nur mit asiatischem Melodieverständnis angereichert, war Thai-Funk eine leisetretende, herrlich relaxte Spielart zarten Psychedelic-Rocks.

Laura Lee am Bass, Donald Johnson an den Drums und der die Band eindeutig musikalisch auf seinen Schultern tragende Gitarrist Mark Speer entrücken also, nehmen ihre Hörerschaft mit in ungewohnte, doch sofort zugängliche Soundwelten. Khruangbins Debüt „The Universe Smiles Upon You“ war warm, pazifistisch, überraschend neuartig und dabei gleichzeitig eingängig.

Mit ihrem Zweitwerk setzt das junge Trio nahtlos an der Stelle fort, an welcher ihre Klangreise auf dem Debüt endete: Weltmusik im besten und überzeugendsten Wortsinne. Oft hängt diesem Genre eine Aura nach, die zu soft, zu kantenlos und lapidar auf Dauer nur als Hintergrundberieselung tauge.

Khruangbin indes offenbart den Wert und Zauber fremder Kultur- und Klangeinflüsse für westlichen Pop mit einer spielenden Leichtigkeit, die staunend macht. Es gibt also Positives an der Globalisierung!

Da ist der im Mittelpunkt des Debüts stehende Thai-Funk nur eine Liebe von vielen, wie man auf „Con Todo El Mundo“ sofort gewahr wird. In alle Richtungen strahlt der relaxte Funk und Soul dieser Band nun aus, wird fündig bei und dockt an karibischen Rhythmusvorstellungen gekonnt an und unternimmt vor allem Erkundungsversuche in arabisches Gitarrenspiel.

Auch der Iran hatte, auch in den längst verblichenen und fern erscheinenden Siebzigern, schaut man jetzt auf das riesige Land, eine lebendige, mit der westlichen Welt im Austausch stehende Funk- und Psych-Rock-Kultur. Mark Speer scheint sich mit solchen historischen Pop-Kapiteln aufzusaugen und integriert derartige Einflüsse sofort in sein formidables Gitarrenspiel.

Dem Internet sei Dank – sein Nutzwert besteht also für Millenials doch nicht nur aus Prokrastination und Pornografie – stoßen junge Menschen aus einer texanischen Oase auf musikalische Spielarten vergangener Tage, verlieben sich in sie und beeinflussen sich durch sie und geben die Resultate beseelt in die Welt durch die Sprache ihrer Musik.

Da braucht man tatsächlich fast keinen Gesang, der Khruangbin nur selten und meist im Chor zu entlocken ist. Der Zauber ihrer Musik ergreift auch so schon genug und legt die Messlatte für herausragende Musik für den weiteren Jahresverlauf enorm hoch.

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