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The Barr Brothers – Live im Stadtgarten, Köln

Einen Award haben die Barr Brothers schon gewonnen, bevor der erste Ton gespielt wird. Und zwar den für das meiste Equipment. Keiner des Quintetts hat nur ein Instrument vor sich – von den überbordenden Effektboards ganz zu schweigen.

Das hält der Support BRTHR ganz anders. Hier herrscht eher das Prinzip Minimalismus. Zwei schüchterne Jungs aus Deutschland mit Cowboy-Hut verzaubern das Publikum mit schlichten Drum-Loops und soften Blues-Gitarren. Passenderweise ist der Stadtgarten dazu meist in blaues Licht getaucht. „Voll schön, dass ihr hier seid und nicht bei Helene Fischer. Die spielt nämlich anscheinend heute auch in Köln“, bedanken sich die Stuttgarter und ernten damit einige Lacher.

Wenn man sich im Publikum umschaut, merkt man deutlich den Blues-Einschlag im Folk der Barr Brothers. Viele Herren älteren Semesters tummeln sich mit John-Lee-Hooker-Shirts direkt vor der Bühne. Die Kanadier werden sie nicht enttäuschen.

Allerdings musste sich das Kölner Publikum auch mittlerweile mit einigen Widrigkeiten rumschlagen. Die ursprünglich für November geplante Show musste wegen dem Support-Slot für The War On Drugs auf Januar verschoben werden. Ein paar Tage vor Konzertbeginn dann die Nachricht, dass Harfenistin Sarah Pagé nicht mehr länger Teil der Barr Brothers ist und demnach auch in Köln nicht mit dabei sein wird.

Was die Laune zunächst ein wenig trübt, stellt sich schnell als halb so wild raus. Mit Lisa Moore – Ehefrau von Bassist Morgan Moore – haben die Barr Brothers nämlich einen charmanten Ersatz gefunden. Umringt von einer Vielzahl an Tasten (zwei Keyboards und ein Harmonium) und eher ungewöhnlichen Instrumenten wie einer Kalimba gibt sie dem Sound mit ihren glasklaren Backings den letzten Feinschliff.

Auch wenn Brad Barr im Gegensatz zum Publikum trotzdem während der ganzen Show nicht so recht mit dem Klang zufrieden zu sein scheint. Immer wieder geht sein Blick Richtung Decke und Mischpult, während er mit Handzeichen kommuniziert, welches Instrument jetzt wo lauter muss. Beim Opener scheint er kurz vorm Verzweifeln. Es dauert ein paar elendig lange Sekunden, bis das Mikro endlich funktioniert.

Die Songs des aktuellen Albums „Queens Of The Breakers“ kommen live eine ganze Spur druckvoller als auf Platte. Besondere Highlights sind, wenn die Brothers sich mal das Mucken erlauben und Barr und Moore sich mit Call and Response gegenseitig die Riffs zupfeffern und in schwindelerregender Geschwindigkeit die Finger über die Saiten antworten lassen.

Aber auch die ruhigen Momente haben ihren Funken. Wenn sich Sängerin, Moore und Barr gemeinsam um das Mikro versammeln und nur zu Akustik-Gitarre perfekt Harmonien aufeinander schichten herrscht in der Zuhörerschaft absolute Stille.

Bei einem dürften sich heute Abend alle einig sein: Das Warten auf die Barr Brothers hat sich gelohnt.

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