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Wild Child – Expectations – Das innere Kind

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Violine, Bariton-Ukulele, Cello und Trompete. Selbst wer vorher noch nie etwas von Wild Child gehört hat, wird sich bei diesen Instrumenten schon ein erstes Bild des Sounds der Amerikaner aus Texas gemacht haben.

Vermutlich atmosphärischer Pop mit einem Hang zum Anspruchsvollen, zum Künstlerischen? Vermutlich ein buttrig weicher Gesang, der selbst die manchmal erstarrende Kälte melancholischer Streichmusik zum Schmelzen bringe kann? Werden diese Erwartungen auf „Expectations“, dem vierten Studio-Album von Wild Child, erfüllt?

Teilweise trügt der Eindruck tatsächlich nicht, so liefert „Eggshells“ einen durchweg angenehmen Sound, der nicht provoziert, sondern eher seinen selbst formulierten Anspruch „slow down“ erfüllt.

Ganz anders als zum Beispiel „Think It Over“, das mit seiner Energie die Idylle dabei nicht zerstört, sondern allenfalls um eine euphorisierte Leichtigkeit erweitert. Glücklich wird es dann plötzlich, im nächsten Moment liebevoll in „Follow Me“ und dramatisch in „My Town“. Was wie ein ermüdendes Spiel mit den Emotionen klingt, wirkt dabei nicht aufdringlich, sondern eher dynamisch und lebhaft, kindhaft immer zwischen emotionalen Hoch- und Tiefpunkten pendelnd.

Dass mit Trompete und Cello jedenfalls ein wenig Jazz nicht fehlen darf, merkt man einerseits in rhythmischen Tracks wie „Back & Forth“ und andererseits an der einzigartigen Stimme Kelsey Wilsons, die die Band damals im Jahr 2010 mit dem Ukulelisten und Sänger Alexander Beggins auf der Rückbank eines kleinen Touring-Vans gründete.

Aus einem Duo wurde eine Band, die trotzdem von der wunderbaren Zweistimmigkeit profitiert. Wenn auf „The One“ Kelsey Wilson und Alexander Beggins mit leichtem Hall und zur Ukulele davon singen, dass sie in langen Nächten – leicht voneinander und von dem ein oder anderen Getränk berauscht – die schönsten Unterhaltungen führen, macht sich die Wärme ihrer Musik auch in der eigenen Brust bemerkbar.

Man könnte an dieser Stelle jetzt „Alex“ mit Angus & Julia Stone vergleichen, „My Town“ mit The Common Linnets, oder die minimalistische Herangehensweise von „Leave It Alone“ mit den frühen Lumineers, aber das würde Wild Child nicht gerecht werden. Eben doch ein wildes Kind, das Stimmungsschwankungen unterworfen ist, Erwartungen gekonnt ignoriert und trotzdem einfach geliebt werden muss.

Da lässt sich die Anekdote gut anbringen, die Wilson und Beggins damals im Interview zur Tour ihres zweiten Albums „The Runaround“ erzählten. Von kritischen, sitzstreikenden Berlinern, die man erst noch davon überzeugen musste, dass Wild Child auch tanzbar sein kann, von rummachenden Paaren, die die vielseitigen Emotionen ihrer Songs direkt selbst mit ihren Partnern teilen wollten und von Heimweh erzählten sie da.

Und so klingt auch „Expectations“ nach Heimat, entspannt, intuitiv und nicht überproduziert. Immer wieder überrascht das Album, weil selbst die fünf Amerikaner so klingen, als hätten sie vorher nicht mit der Musik gerechnet, die auf ihrer Platte entstanden ist.

Vergleichen könnte man das am ehesten mit einem Sonntagnachmittag, den man eigentlich allein auf der Couch verbringen will. Dann kündigt sich auf einmal die halbe Familie zum Kaffee an und nach einigen aufreibenden Minuten merkt man dann doch erleichtert, dass ein Sonntagnachmittag auch mit Besuch nicht weniger pflegend für das eigene Seelenwohl sein kann.

Und vielleicht ist man der Familie gegenüber auch noch ein wenig ehrlicher und lässt das innere Kind heraus.

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