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Die Technik ist allgegenwärtig – JB Dunckel im Interview

Jean Benoit Dunckel, seines Zeichens Air-Co-Founder und Synthesizer-Nerd, ist zurück und präsentiert gut zehn Jahre nach seinem ersten Soloalbum „Darkel“ und den nachfolgenden Kollaborationen mit Lou Hayter (Tomorrow’s World) und Barði Jóhannsson (“Starwalker”) seine zweite Studio-One-Man-Show “H+“. Wir trafen uns mit dem Synthie-Zauberer aus Paris zum Vieraugengespräch und sprachen über die immer tiefer greifende Beziehung zwischen Mensch und Technik, das Arbeiten im Alleingang und die Air-Zukunft.

MusikBlog: Jean Benoit, dein erstes Soloalbum datiert aus dem Jahr 2006. Dieser Tage erscheint der Nachfolger “H+”. Wenn du dir dein ganzes bisheriges Schaffen vor Augen führst: Welchen Stellenwert hat “H+” für dich?

Jean Benoit Dunckel: Im Hier und Jetzt sicherlich einen sehr hohen. Ich hatte ein neues Soloalbum schon immer im Hinterkopf. Aber für eine Produktion dieser Größenordnung müssen viele Dinge im Einklang sein. Von den Songs über das Label bis hin zur Live-Vision muss alles unter einen Hut gebracht werden. Das dauert seine Zeit. Jetzt bin ich aber froh und glücklich, dass es endlich soweit ist.

MusikBlog: “H+” wird als Symbol für Transhumanismus verwendet. Du entwirfst auf dem Album eine sehr romantische Zukunft zwischen Mensch und Technik. Inwiefern deckt sich diese Vorstellung mit deinen eigenen „Träumen“?

Jean Benoit Dunckel: Ich weiß gar nicht, ob nicht viel davon schon Realität ist. Ich meine, wenn man sich in der Welt umschaut, gibt es bereits viele Hinweise, die für eine derartige Entwicklung stehen. Die Technik ist allgegenwärtig. Überall versucht der Mensch den Alltag einfacher zu gestalten. Und dabei steht ihm die Technik häufig helfend zur Seite. Meine Vision präsentiert sich natürlich etwas überspitzt. In meiner Transhumanismus-Welt altern die Menschen nicht mehr und die Liebe hält ewig. Davon sind wir natürlich noch ein bisschen entfernt. Aber der Grundgedanke, das Fundament dieser Vision, ist schon etwas, mit dem ich mich durchaus anfreunden kann.

MusikBlog: Die Album-Thematik wird entsprechend musikalisch untermalt. Du spielst viel mit Stimmungen und verschiedenen Atmosphären.

Jean Benoit Dunckel: Ich wollte zwei für mich sehr wichtige Komponenten miteinander verbinden. Zum einen wollte ich einen warmen Grundsound kreieren, der die Thematik des Albums unterstützt. Auf der anderen Seite wollte ich aber auch Extreme auslotsen. Die Bässe sollten mächtig klingen. Überhaupt sollte alles in eine sehr dichte und voluminöse Richtung gehen. Das war mir diesmal sehr wichtig.

MusikBlog: Mal abgesehen von der Tatsache, dass du bei Kollaborationsalben und auch bei Air-Platten mit anderen Leuten zusammen arbeitest: Was zeichnet die Arbeit an einem Soloalbum, deiner Meinung nach, besonders aus?

Jean Benoit Dunckel: Nun, die einzelnen Arbeitsschritte ähneln sich natürlich. Es ist schon so, dass der größte Unterschied der ist, dass man am Ende des Tages alleine Entscheidungen trifft. Das ist eine Kopfsache. Man setzt sich nur mit sich selbst auseinander. Später auf der Bühne werden die Aufgaben dann wieder aufgeteilt. Wenn wir auf Tour gehen, werden mich ein Schlagzeuger und ein weiterer Keyboarder begleiten. Das ist dann wieder etwas anderes. Live experimentiert man auch viel. Das macht man im Studio natürlich auch. Aber dort ist man eben allein mit sich und seinen Vorstellungen.

MusikBlog: Lässt das auch mehr Druck entstehen?

Jean Benoit Dunckel: Nicht zwingend. Es kommt immer darauf an, wie klar man ist. Ich hatte bei der Produktion von “H+” eine genaue Vorstellung. Ich wusste, was ich wollte. Da war kein Druck. Nur Vorfreude auf das, was am Ende bei rauskommt.

MusikBlog: Stichwort Vorfreude: Viele deiner Fans würden sich sicherlich auch über ein neues Air-Album freuen. Was meinst du? Werden all diese Menschen irgendwann noch einmal jubelnd die Arme in die Luft reißen?

Jean Benoit Dunckel: (lacht) Das ist wohl eher unwahrscheinlich. Ich glaube nicht, dass wir noch einmal ins Studio gehen werden. Vielleicht werden wir in zwei oder drei Jahren noch einmal eine Tour in Angriff nehmen. Aber auch das steht in den Sternen. Im Moment stehen einfach andere Dinge an. Ich habe noch so viele Ideen in meinem Kopf, die nichts mit Air zu tun haben. Und all das genießt bei mir momentan Priorität. Jetzt freue ich mich erst einmal auf die Veröffentlichung von “H+” und was die Leute dazu sagen werden. Danach geht es mit dem Album auf Tour. Die nächsten Wochen und Monate sind also schon fest verplant. Wir werden einfach sehen, was die Zukunft bringt. Mehr kann ich dazu leider nicht sagen.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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