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Jeremy Loops (Credit Francis Moult)

Jeremy Loops – Critical As Water – Eins mit der Natur

Von Wasser umgeben und mit einer Gitarre in der Hand. Den Blick weg von uns und Richtung Wasseroberfläche gerichtet. Man mag der Natur sogar vorwerfen, dass sie für dieses Cover-Foto ihre Scheinwerfer gebrochen durch das Wasser auf Jeremy Loops wirft, um dem jungen Südafrikaner mit seinem zweiten Album „Critical As Water“ die Bühne zu geben, die er verdient.

2014 beeindruckte Jeremy Loops die Welt mit seinem Debut „Trading Change“ und einem Sound, der Folk, Rock und, dank Motheo Moleko, auch Rap in einem Loop-Pedal vereinte. „Down South“ und „Mission To The Sun“ waren in den letzten Jahren für diejenigen, die Mr. Loops schon auf dem Schirm hatten, essentieller Bestandteil des Sommers. Mit diesem neuen Album möchte Jeremy Loops, bürgerlich Jeremy Hewitt, auch den Rest abholen.

Und wie macht er das? Seine erste Single „Waves“ ließ vermuten, dass ein Soundwechsel hin zum atmosphärischen Tropical-Pop bevorstünde. Gedämpfter Bass und pfeifbare Melodien, die in ihrer Leichtigkeit zwar etwas an der bekannten Energie eingebüßt hatten, aber nicht weniger nach Jeremy Loops klangen.

Bestätigt das Album diese Vermutung? Nein, Jeremy Loops ist ganz der Alte, und noch viel mehr.

Die Mundharmonika ist auf „Vultures“ und „Let It Burn“ immer noch im Gepäck, fügt sich aber in ein viel volleres Klangbild ein, als man es noch vom ersten Album gewöhnt war. Während „Let It Burn“ mit einer E-Gitarre à la Mumford and Sons den Rock in der Mundharmonika treibt, präsentiert sich das handliche Musikinstrument auf „Vultures“ von seiner sanften Seite. Vergleiche mit Nick Mulvey und Tom James sind nicht unangebracht und untermauern nur den Eindruck eines musikgewordenen Surfer-Lebensstils.

„Vultures“, eine ruhige Hymne auf das Leben und die Erde, gibt auch inhaltlich den Ton des Albums an. In Loops Kopf findet eine Revolution statt, die er vertonen möchte. Eine Revolution der Annäherung an die Natur, der Annäherung an das, was lebendig ist und uns lebendig macht. Und Loops weiß ganz genau, wie er seinen Gedanken, die er als Aktivist auch außerhalb der Musik vertritt, Ausdruck verleihen kann.

Zum Beispiel mit kaum verortbaren Geräuschen in „Dreaming Again“, die entfernt an Walgesänge erinnern und einen Song begleiten, der von Ungleichheit und Ungerechtigkeit handelt. Nebenbei ist dieser auch noch sehr eingängig.

Außerdem mit „Underwater Blues“ und „Hues Of The Fall“, die so klingen, als hätte Loops sie genau so aufgenommen, wie wir ihn auf dem Cover des Albums sehen. Ruhig, hoffnungsvoll, nachdenklich, glücklich, erdrückt und umarmt zugleich von der Last des Meeres, die auf seinen Schultern liegt.

Auf der anderen Seite lassen Songs wie „The Shore“ und „Runaway Kids“, die beide von der authentischen Energie Motheo Molekos profitieren, die Schwere des Ozeans hinter sich, vielmehr unter sich, und reiten auf den Wellen Richtung musikalischer Freiheit. Folk und Atmosphäre gehen Hand in Hand und verleihen Loops Vision Substanz.

Gescheiterte musikalische Experimente der Platte sollte man dennoch nicht unerwähnt lassen, auch wenn wirklich nur eines negativ auffällt. Mit „Freak“ wagt Loops einen etwas zu lupenreinen Ausflug in den Reggae, der inhaltlich zwar das Rebellentum predigt, aber nicht sehr aufmüpfig klingt. Das wirkt nicht authentisch und irgendwie auch fehl am Platze zwischen dieser Ansammlung an Songs, die ihre Inspiration aus etwas so Fundamentalem ziehen, wie es eben der Fall ist, der Freundschaft.

Die Freundschaft mit Motheo Moleko, der auf Tour wie ein zweiter Frontmann für den langhaarigen Südafrikaner auftritt, wenn er ihn braucht. Die Freundschaft mit der gesamten Band, die mit ihm schon viel durchgemacht hat, seien es riesige Hallen als Support der Twenty One Pilots, oder kleine Clubs in Australien. Die Freundschaft mit Ben Brown, seinem ehemaligen Mitbewohner, der die Fotos für dieses Album schoss. Und zu guter Letzt die Freundschaft mit der Natur, die dieses Album in der Form überhaupt erst möglich gemacht hat.

Jeremy Loops macht mit diesem Album vieles richtig. Er zieht Authentizität aus der eigenen Involviertheit, vermählt Folk-Pop mit Beats und Atmosphäre und liefert damit wohl das Album dieses noch kommenden Sommers. Dazu noch, und das kann selbst ein sorgloser Sommer gut gebrauchen, mit genug Inhalt, um einen auch darüber hinaus zu beschäftigen.

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