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Die Nerven – Live im Hafenklang, Hamburg

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Erstes wirklich schönes Wochenende in Hamburg, Sonne, 25 Grad. Trotzdem viele Leute vor der Tür. Es zieht in das garantiert sonnenfreie schwarze Loch Hafenklang, schon lange ausverkauft. Ist die neue Platte „Fake“ von Die Nerven auch ein Highlight des Jahres.

Das Schlagzeug mit dem Schriftzug „Fake“ glitzert auf der Bühne. Eingezwängt in drei Microständer, ein Keyboard und eine Vielzahl Gitarren. Der Raum gut gefüllt, sehr buntes Publikum, warm. Auf der Bühne wird es noch voller.

Die sechs „liederlich lebenden Menschen“ von den eröffnenden Swutscher passen gerade so zwischen die Instrumente. Punkt 21:00 Uhr zirkusreife Eröffnungsansage. Garage-Country, gibt’s das? Offensichtlich. Bekannte Sounds, neu zusammengefügt, rockig, klampfig, schräg. Leider muss man wissen, dass die Texte deutsch sind. Hören kann man es nicht, es könnte jede Sprache sein.

Trotzdem dominiert der knarrend krächzende Klang der Stimme. So geht es eine halbe Stunde mit Prärie-Feeling durch die Großstadt. Der letzte Track sticht heraus. Der Bass galoppiert davon, Schrammeln wird zu Teppich.

Es wird enger, wärmer, stickiger. Max Rieger stimmt seine Gitarre, das Fortbestehen der Erde hängt davon ab. Passt zur vordergründig verkopften Komplexität von „Fake“. Zur Stärkung viel Wasser und ’ne halbe Flasche Single Malt, klare Ansage.

Die Nerven kommen auf die Bühne, Totenstille wie in der Kirche. „Ihr müsst nicht so leise sein. Ich weiß, es ist Sonntag und wir sind in Hamburg“. Unerwartet sympathisch.

Der erste Track dauert nur eine Handvoll Takte. „Ich bin rausgekommen“. Max Rieger transportiert die Probleme vom Schlagzeuger zum Publikum. Keine Ahnung wo Die Zeit „miese Laune“ bei den Jungs gefunden hat.

Nächster Anlauf, „Neue Wellen“. Sauber und plakativ runtergespielt. Aufwärmen. Geht trotzdem gut los. Erste Runde Tunen der Monitore. Zu viel Gitarre, zu wenig Vocals. So geht es uns im Publikum auch.

Julian Knoth übernimmt das Micro zu „Niemals“, der Sound wird leicht besser. Max‘ Background-Vocals „Niemals, Niemals“ pure Ironie. Wir haben Spaß und sind nicht verkopft.

Wie in jeder guten Playlist – der dritte Track finalisiert das Aufwärmen. „Frei“ knallt durch den Raum, sprengt ihn akustisch. Trockene Bassläufe und noch trockenere Drums schieben nach hinten. Das Publikum springt an den brachialen Stellen gegen den Sound an. Kevin Kuhn bearbeitet seine Drums im Stehen, nur T-Shirt und Pünktchen-Unterhose. Konsequent bei der Temperatur.

„Barfuß durch die Scherben“. Fetter als die Aufnahme, reduziert im Gegensatz zu den neuen Tracks. Alles auf den Punkt. Kuhn entwickelt sich zum Haupt-Entertainer. Grinsend im Hintergrund, Grimassen, Feierlaune, Stehen, Sitzen, Pünktchen. „Aufgeflogen“ knarzt mit Vollgas durch den Raum, lässt die Ohren klingeln. Der Hafenklang längst eine Dampfsauna.

Man ist besorgt um das Publikum. Herzinfarkt-Vorbeugung, ein paar ruhigere Stücke. „Bin ich der einzige, der weint?“ – wäre die Platte nicht erst zwei Tage alt, würden jetzt alle mitsingen. Der Sound immer noch suboptimal, Vocals kommen kaum durchs Dickicht des Sounds. Regelmäßiges Nach-Justieren. Professionell, locker genommen, trübt den Spaß keinen Deut.

Improvisierte, endlose Feedback-Drownes zerren an den Gehörgängen. Alle Drei hoch konzentriert. Gitarre und Bass im Knien bearbeitet, in Anbetung der Effektgeräte zwischen ihnen.  Steigerung in ein Bass-Solo. Rieger dirigiert wie ein verrückter Magier. Schlägt die Becken in Trance, entrückt ironisches Grinsen.

Zurück in die Vergangenheit.  „Der letzte Tanzende“ – Komplexität ist vorbei, Bewegungszwang übernimmt. Pogo, Schweiß. „Angst“ – jede Vernunft ist vorbei. Soundinferno, nasse Körper überall. Vorbei. Überlebt. Vermeintlich.

Feedback-Loops zerren, bis Die Nerven wiederkommen. „Eine Minute schweben“, keine Ermüdung zu spüren. Kuhn nackt im rosa-durchsichtigen Regenponcho. Schwebt auf den Händen des Publikums durch den Raum. Überlebt. Jetzt wirklich.

Eine Reise durch vier Alben. Hochintelligente Musik und pure akustische Gewalt ergänzen sich ungesehen.

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