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EDEN – Live in der Grossen Freiheit 36, Hamburg

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Eden in der Großen Freiheit. Kaum eine andere Konzertlocation könnte so treffend melancholisch, so größenwahnsinnig und bodenständig zusammenfassen, was für ein Gefühl Eden in den jungen Menschen auslöst, die an diesem Abend ihren Weg zu seiner Vertigo-World Tour gefunden haben. Die große Freiheit in romantischen Fantasien und nihilistischem Gleichgültigkeitsgehabe. Aber ganz von vorn.

Die Schlange vor der Großen Freiheit gleicht an diesem Abend eher einer Prozession, als einer gewöhnlich wartenden Menge, die ihr Ziel schon vor Augen hat. Bis auf den Beatles-Platz stehen größtenteils junge Menschen in Reih und Glied und mit dem Ticket in der Hand, um den jungen Iren, der bis 2015 als The Eden Project Musik machte und mittlerweile auf den Alias Eden umgestiegen ist, live zu erleben.

Ein junges Publikum, das die ausverkaufte Location bis in die letzten Ecken auffüllt und sich selbst dabei leicht überschätzt. Schon vor Beginn des Konzertes müssen einige Personen von Sanitätskräften um- und versorgt werden.

Die ungewohnt heißen Temperaturen und die dichte Luft, die neben anderen Gerüchen auch den von Räucherstäbchen angenommen hat, lassen die schwitzenden und wartenden Gesichter in den vorderen Reihen und in der Mitte einfallen, nur damit sie bei jeder Bewegung auf der Bühne wieder aufschrecken können.

Die erste nennenswerte Bewegung auf besagter Bühne gibt es, als Crooked Colours ihren Job als Support wahrnehmen. Zwei Drittel der Crooked Colours jedenfalls, wie die übrig gebliebene Mehrheit verkünden muss. Mit, beziehungsweise ohne erkranktem Sänger, bringt die Band aus Perth leider keine nennenswerte Show auf die Beine. Ein kleines DJ-Set der beiden soll die Stimmung aufheizen, die wegen der hitzigen Temperaturen ihren Siedepunkt aber längst erreicht zu haben scheint.

Unspektakulär kommt der Nicht-Auftritt der Crooked Colours den meisten Fans wohl eher gelegen. Eine Pause für ein Schluck Bier oder Wasser, bevor das eigentlichen Spektakel des Abends beginnt.

Als Eden dann die Bühne betritt, merkt man das eher an den kreischenden Gesichtern in der Menge, als auf der Bühne selbst. Kaum beleuchtet und seitlich positioniert fügt Eden sich in ein Bühnenbild, das von farblich leuchtenden Säulen ausgekleidet und eingerahmt wird, ein, als wäre er gar nicht da. Auch als mit „Start//End“ und „Icarus“ zwei bekanntere Stücke gespielt werden tritt er kaum in den Vordergrund, hebt den Blick nicht einmal für längere Zeit und vergräbt sich in seinem sehr poppigen und beatbestimmten Sound.

Nur als das Publikum bei „Wonder“ sämtliche Smartphones erhebt – die allerdings auch vorher in großer Menge immer wieder die Sicht ihrer Besitzer verdecken – erkennt man das Gesicht von Jonathon Ng, was Edens bürgerlicher Name ist. Songs wie „Crash“, „Gold“ und „End Credits“ sorgen immer wieder dafür, dass laute Chöre im Publikum den Gesang übernehmen und in den verträumten Melancholiemanifesten Edens auf- und untergehen.

Das einzige Problem, das der gesamte Auftritt des Iren noch artikuliert, ist der vorgegebene Anspruch seiner größtenteils sehr poppigen Musik. Vernebelte Gesichter, die sich kaum zeigen, Farb- und Lichtspiele, die sich den Sounds anpassen und eben ein Sound, der nur mit dem Einbinden von scheinbar individuellen Beats eben keine Individualität erreicht. Das, was beim ersten Hören wie ein „Wall Fuck“ von Flume rüberkommen mag, offenbart auf den zweiten Blick oder live eine Struktur, die zwar eingängig und spaßbringend ist, aber halt Popmusik.

Popmusik, was auch überhaupt nicht schlimm ist und keinen an diesem Abend stört. Ein Gruß an Hamburg wird mit frenetischem Jubel begrüßt, gute Gastmusiker beklatscht und die Hits mitgesungen. Nur diejenigen, die schon Stunden vorher in und an der Halle auf Eden warteten, scheinen das Ergebnis einer Generation zu sein, der erzählt wird, Popmusik sei ein böses Wort. Hinter Popmusik verstecke sich nur Schlager und Singer/Songwriter Langeweile.

Eden beweist an diesem Abend, dass das nicht so ist. Dass Popmusik auch interessant und etwas experimentell sein kann und die Menge auch begeistern kann, ohne auf Deutsch von Atemlosigkeit, Welt oder Tanz zu singen. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass er endlich aus seinem eigenen Schatten steigt und seinem Sound ein Gesicht gibt, eine Ehrlichkeit, die seine Authentizität und die Einstellung seiner Fans verbessern würde. Bis dahin bleibt er ein Shawn Mendes für diejenigen, die nicht zugeben wollen, dass sie Popmusik lieben.

Summend und glücklich verlässt die Menge die Große Freiheit, vielleicht mit etwas mehr Händen am Smartphone als sonst und mit der Absicht, das Erlebte in der großen Freiheit des Internets Realität werden zu lassen.

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