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Manchmal bedarf es nur weniger Worte – Parquet Courts im Interview

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Vor knapp zwei Jahren veröffentlichten Parquet Courts ihre Platte „Human Performance“, für die sie eine Grammy-Nominierung in der Kategorie Best Recording Package erhielten. Mit dem Nachfolger „Wide Awake“ erscheint nun das bereits sechste Studioalbum der Indie-Rock Band, die sich den sozialen Netzwerken verweigern und ihre Musik selbst als „Americana Punk“ bezeichnet.

Geschrieben von Andrew Savage und Austin Brown behandeln die 13 Songs unter anderem die Themen Unabhängigkeit, Individualität und Kollektivismus. Wie die Band zu ihrer Gründungsstadt New York steht, welche Komfortzone sie für die neue Platte verlassen musste und wie sie mit den neuen Tracks politisch Stellung nehmen möchte, verriet uns Sänger Andrew im MusikBlog Interview.

Andrew Savage: Hallo MusikBlog, sehr pünktlich, wie man es erwartet.

MusikBlog: Was meinst du?

Andrew Savage: Ihr Deutschen seid doch dafür bekannt, immer sehr pünktlich zu sein und euch an Zeitpläne zu halten! (lacht)

MusikBlog: Zugegebenermaßen. Apropos Zeit, die Band gibt es mittlerweile auch schon seit knapp acht Jahren. Gegründet in New York City – war es Fluch oder Segen?

Andrew Savage: Wieso Fluch?

MusikBlog: Eine Weltmetropole schraubt die Erwartungen an eine Newcomer-Band doch ziemlich hoch.

Andrew Savage: Ach, das meinst du. Ich lebe nun schon seit neun Jahren in dieser Stadt und das turbulente Leben gehört bereits zu meinem Alltag. Vermutlich habe ich es deshalb noch nie aus diesem Blickwinkel betrachtet. Für mich ist NYC ein Ort, an dem man ganz tief in eine Künstler-Community eintauchen und dabei trotzdem noch komplett anonym bleiben kann. Das ist vermutlich der Grund, wieso ich es hier so mag – du fühlst dich einfach nur wie ein weiterer Mensch auf diesem Planeten.

Außerdem ist diese Stadt ein wichtiger Teil der Band, da sie hier gegründet wurde. Im Grunde genommen hat doch jeder Künstler eine bestimmte Beziehung zu seiner Heimat und New York ist eben unsere. Ich würde es daher nicht als Fluch bezeichnen.

MusikBlog: Aus welchem Grund bist du neuerdings denn auch solo unterwegs?

Andrew Savage: Ich hatte einfach eine große Ansammlung an Songs, die sich über die Jahre angehäuft haben. Es stand aber für mich fest, dass sie definitiv nicht passen und keine Parquet Courts Songs sind. Letztes Jahr habe ich dann einfach nach einem Weg gesucht, sie doch noch zu veröffentlichen. Da das, was alle Lieder gemeinsam haben, ich bin, erschien es am vernünftigsten es solo zu machen. Ich habe zu der Zeit übrigens gerade an dem neuen Album der Band geschrieben, was mich letztendlich dazu gebracht hat, den Kollektivismus und die Zusammenarbeit innerhalb einer Gruppe zu schätzen.

MusikBlog: Bist du da nicht durcheinandergekommen?

Andrew Savage: Nun, beide Platten klingen sehr verschieden und jedes vertritt einen anderen Sound. Aus diesem Grund war es zu keinem Zeitpunkt auch nur irgendwie verwirrend für mich, ob nun ein Song auf das oder doch auf das andere Album sollte.

MusikBlog: Bleibt bei der ganzen Arbeit noch genug Zeit für die Kunst?

Andrew Savage: Ich habe schon immer Sound mit Bildlichem assoziiert. Es ist etwas, das ich immer so wahrnehme: Sound, Farbe und Form. Aus diesem Grund macht es auch Sinn, dass ich das Artwork von „Wide Awake“ und alles um die Band herum übernehme, einfach weil ich einen ausgeprägten Sinn bezüglich des Visuellen und Musikalischen haben. Außerdem finde ich es wichtig, dass sowas vom Inneren der Band selber kommt.

MusikBlog: Stichwort „Wide Awake“-Artwork. Fans haben das vor der Ankündigung ja schon als Postkarte bekommen.

Andrew Savage: Stimmt. Es war ein Weg, das Artwork zu teilen und das Album anzukündigen. Wobei wir es ja gar nicht wirklich angekündigt, sondern es damit nur zur Sprache gebracht haben! (lacht)

MusikBlog: Jedes Album bedeutet auch Weiterentwicklung. Welche Komfortzone habt ihr denn diesmal verlassen?

Andrew Savage: Ich glaube, eine große Herausforderung war die Arbeit mit Danger und die Artikulation. Wie sagen wir auf die richtige Art und Weise, dass wir unzufrieden und wütend über die Welt um uns herum sind, ohne es uns zu einfach zu machen? Wir haben versucht, es auf eine konstruktive Weise zu vermitteln. Eine große Herausforderung war auch die Freude. Ich würde sagen, dass es auf der Platte auch viel Freude gibt. Diese beiden Dinge zu verbinden, Freude und Wut, das war unser großes Ziel. Wir wollen den Leuten etwas zum Tanzen geben, aber eben auch etwas zum Schreien.

MusikBlog: Kanntet ihr Brian Burton aka Danger Mouse schon vor der Zusammenarbeit?

Andrew Savage: Nein, ich hatte noch nie zuvor von seinen Arbeiten gehört. Wir waren eigentlich auch schon dabei, „Wide Awake“ aufzunehmen, als sich Danger bei uns vorstellte und meinte, dass er die Platte gerne produzieren möchte und ob wir ein paar Demos für ihn hätten. Wir haben daraufhin unsere Aufnahmen verschoben, um ihn näher kennenzulernen. Wir haben uns viel unterhalten, hingen viel miteinander ab, bis wir uns letztendlich für ihn entschieden.

MusikBlog: Du erwähntest bereits die Wut auf diesem Album. „Violence“ scheint viel davon zu beinhalten.

Andrew Savage: „Violence“ ist extrem politisch, vermutlich der politischste Song auf dem ganzen Album. Es geht darum, wie erschreckend die Dinge in Amerika bezüglich Gewalt gerade sind. Es passieren so oft Gewalttaten und es wird schlimmer und schlimmer, aber es wird nichts dagegen getan. Es ist so seltsam wie jeden Tag Gewalt geschieht und es damit normal wird. Es fühlt sich so bizarr an, wie man selber kaum reagieren kann, weil es so gängig geworden ist.  Währenddessen weigern sich Politiker das Problem zu erkennen, weil sie so viel Geld von der Waffenindustrie erhalten.

Es ist eine wirklich große Angelegenheit in Amerika und es ist so schwer für mich, dir das zu erklären, weil es mir sogar schwer fällt, es mir selbst zu erklären. Wie seltsam ist es denn, wenn du nicht mal mehr traurig über die extremen Gewalttaten bist, weil es einfach unmöglich ist, da es so häufig passiert. Vielleicht bekommt ihr es nicht so mit in euren Nachrichten, aber es dominiert unsere News. Dieser Song war unsere Art, auf die Trauergefühle und die Wut zu reagieren.

MusikBlog: Auch „NYC Observation” ist extrem.

Andrew Savage: Das stimmt. Hier geht es um eine andere Art von Gewalt, die sich Armut nennt. Wenn du in NYC lebst, dann ist das eine weitere Sache, die Teil deines Alltags wird. Du erlebst Armut und das Ausmaß menschlichen Leidens inmitten einer Metropole und musst immer wieder aufs Neue entscheiden, wie du reagieren sollst oder auch nicht reagieren sollst.

MusikBlog: Um welchen Kampf geht es denn in „Almost Had To Start A Fight“?

Andrew Savage: Im Kontext von diesem Song geht es um das Dilemma, mit einer Person umzugehen, die stark rechtsorientiert ist, vielleicht wie einen Trump-Supporter in Amerika oder einen Frauke-Petry-Anhänger in Deutschland. Das Dilemma entsteht, wenn du dich entscheiden musst, wie du auf die extreme Ideologie von jemandem reagierst. Der Track setzt sich mit der Frage auseinander, inwieweit man höflich bleiben soll, wie viel man selber akzeptieren kann.

MusikBlog: Solche Themen zu behandeln, benötigen viele Worte. Wie kommt es, dass gerade der Titeltrack „Wide Awake“ verhältnismäßig wenig Text hat?

Andrew Savage: Weißt du, manchmal bedarf es nur weniger Worte, um das auszudrücken, was man wirklich denkt oder fühlt.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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