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Deafheaven – Ordinary Corrupt Human Love

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Deafheaven liefern mit „Ordinary Corrupt Human Love“ ein Album, das schon im Titel von der Ambivalenz der menschlichen Liebe erzählt. Mit ihrem vierten Album peilt die US-amerikanische Gruppe also ein Territorium an, das keinem Musikgenre verborgen bleibt und schon zahlreiche musikalische Interpretationen überstanden hat.

Das Quintett macht auch auf „Ordinary Corrupt Human Love“ Black-Gaze. Was im ersten Moment schlicht wie die anstrengende Wortneuschöpfung irgendeines Musiktheoretikers klingt, ist eigentlich nur Hybrid zweier Genres – naja, ersteres vielleicht auch:

Der atmosphärische Shoegaze, den Bands wie My Bloody Valentine und Slowdive groß machten und der sich durch zahlreiche, häufig zu ganzen Klangmauern verschwimmende, Ebenen auszeichnet, und der Post-Rock, eine häufig düstere und expressionistische Richtung des Rock, treffen bei Deafheaven aufeinander.

Warum an dieser Stelle so eine theoretische und zugegebenermaßen oberflächliche Beschreibung der Musik, die Deafheaven machen, jedenfalls nicht gänzlich unangebracht ist, merkt man schon beim ersten Track des Albums, „You Without End“:

Ein seichter Beginn, der eher nach Ambient als Shoegaze klingt, peitschende Wellen und wellenartiges Piano, transformiert sich in stetiger Verdichtung zu einer hymnischen Rockoper, in der der kehlige Gesang George Clarkes kaum zu hören ist, aber äußerst intensiv wirkt. Über sieben Minuten begleitet der Hörer die Evolution eines Liedes und die Transzendierung eines Genres.

Wenn der Black-Gaze also nahtloser Übergang zwischen dem Shoegaze und dem Post-Rock ist, sind Deafheaven diejenigen, die mit „Ordinary Corrupt Love“ diesen Prozess beschreiben.

Kein einziger Song auf dem Album beginnt im Tumult expressionistischen Kehlgesangs. Stattdessen dürfen klare Gitarren oder das Piano die Lieder eröffnen, in jedem einzigen eine Entwicklung einleiten, die den sieben Liedern eine Struktur verleiht. Wie eine dunkle Vorahnung sorgt das Bewusstsein darüber, dass die atmosphärischen Grundgerüste der einzelnen Songs zu jeder Zeit in ein Soundgeflecht umbrechen könnten, das mitsamt übersteuerter Gitarren und melodielosem Gesang emotionale Brachialgewalt vertont, dafür, dass eine unterschwellige Anspannung entsteht.

„Near“ zum Beispiel könnte aus dem Zusammenhang des Albums gerissen ein gewöhnlicher Shoegaze-Track sein, gerät jedoch im Kontext des Albums mit seinen fünf Minuten in die Kraft der Gezeiten seiner Vor- und Nachgänger, die mit jeweils zwölf und zehn Minuten aufwarten. Der Track wird zur Ruhe vor dem Sturm, zur atmosphärischen Betrachtung eines überstandenen Kollateralschadens.

Zwischen kirchlich-zeremoniellen Tracks wie „Night People“ und drumzentrierten Stücken wie „Worthless Animal“ fühlt sich für „Ordinary Corrupt Human Love“ ein übernutzter und altbackener Begriff als einzig richtig an, um die Erfahrung zu beschreiben, die das Hören begleitet: Eine Tour de Force der Antizipation, der Überwältigung, der Reizüberflutung und der gelegentlichen Entspannung.

„Ordinary Corrupt Human Love“ ist in allem, was es macht, anachronistisch. Die Tracks sind zu lang, der Aufbau (über-)fordernd und die Thematik schwer. Zwischen buttrig weichen Popballaden, lebensbejahendem Geklimper ohne Nuance und einer minimalen Aufmerksamkeitsspanne also genau das Album, das dieser Zeit fehlt.

Ob sie’s merken wird? Wahrscheinlich nicht.

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