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Ich kann Mann sein, Frau sein, alles sein – Anna Calvi im Interview

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Vor einigen Wochen fegte ein musikalischer Orkan durchs Berliner Berghain. Im feuerroten Top und in High Heels stürmte Anna Calvi über die Bühne des Berliner In-Clubs und hinterließ bei allen Anwesenden bleibende Eindrücke. Mit im Gepäck hatte die britische Sängerin mit italienischen Wurzeln auch einige Songs aus ihrem neuen Album „Hunter„. Auf diesem predigt Anna Calvi die bedingungslose Selbstliebe. Kurz vor dem Erscheinen ihres dritten Studiowerks trafen wir uns mit der gebürtigen Londonerin zum Interview und sprachen über intensive Konzertgefühle, die Magie der Fremde und die Reise ins Ich.

MusikBlog: Anna, im Juni standest du im Berliner Berghain auf der Bühne. Augenzeugen berichteten von einem „Großereignis des Pop“. Wie würdest du deinen Erinnerungen an diesen Abend beschrieben?

Anna Calvi: Es war ein toller Abend mit vielen Highlights. Ich kann mich noch gut an den Auftritt erinnern. Es gab einen Laufsteg vor der Bühne, die Leute waren super drauf und ich habe ein paar Songs von meinem neuen Album gespielt. Das passte an diesem Abend irgendwie alles.

MusikBlog: Wie gehst du damit um, wenn am Folgetag Schlagzeilen wie „Großereignis des Pop“ und „Kafkaeskes Verwandlungserlebnis“ die Runde machen?

Anna Calvi: Natürlich freue ich mich, wenn es den Leuten gefällt und das, was ich tue, in irgendeiner Form Spuren hinterlässt. Dieser Auftritt war ja auch ein besonderer. Ich hatte erstmals Songs von meinem neuen Album auf der Setlist. Und dann war da dieser Laufsteg… (lacht). Vielleicht ist es in solchen Momenten dann so, dass das Ganze spezieller und intensiver wirkt. Das kann gut sein. Ich jedenfalls hatte großen Spaß an diesem Abend.

MusikBlog: Was passiert mit der in Gesprächen doch eher introvertiert wirkenden Anna Calvi auf der Bühne?

Anna Calvi: Konzerte sind wie eine Befreiung für mich. Die Bühne erlaubt mir, mich im Inneren zu teilen, und die Emotionen und Gefühle, die mich bewegen und begleiten, nach außen zu tragen. Ich bin dann in der Lage, Risiken einzugehen, mich zu öffnen und alles rauszulassen.

MusikBlog: Das kann dann mitunter auch dazu führen, dass du dich minutenlang mit deiner Gitarre auf dem Boden wälzt.

Anna Clavi: Ja, durchaus. Es kommt natürlich immer auf die Atmosphäre an. Wenn eine intensive Stimmung herrscht, dann passt man sich als Künstler an. Man spürt die Vibes mit jeder Faser seines Körpers. Und dann performt man eben.

MusikBlog: Wie überträgt man diese Intensität ins Studio?

Anna Calvi: Das ist natürlich eine große Herausforderung. Die visuelle Komponente steht natürlich für sich. Im Studio geht es eher um Atmosphären, die man live auch mit geschlossenen Augen wahrnimmt.

MusikBlog: Mit deinem neuen Album „Hunter“ sorgst du vor allem inhaltlich für Aufsehen. Du beschäftigst dich intensiv mit der innerlichen Verschmelzung der Geschlechter. Man könnte fast meinen, in dir pochen zwei Herzen.

Anna Calvi: Genauso fühle ich mich auch. Und mir ist es unheimlich wichtig, dass dieses Empfinden nach draußen dringt. Es ist doch so: Ich kann beides sein, Mann und Frau. Ich sehe zwar aus wie eine Frau. Aber in mir steckt auch ganz viel Männliches. Und ich bin mir sicher, dass es vielen Menschen da draußen ähnlich geht. Mit meiner Musik und meinen Texten habe ich die Möglichkeit, meine Gedanken und Gefühle zu entfesseln. Und genau das passiert auf meinem neuen Album: Ich befreie mich von jeglichen Zwängen.

MusikBlog: Wie kam es zu diesem Ausbruch? Gab es einen bestimmten Moment, in dem dir klar wurde, dass es an der Zeit ist, diese Ketten zu lösen?

Anna Calvi: Ja, den gab es in der Tat. Es war allerdings kein Moment im klassischen Sinne, sondern eine Ansammlung von Erfahrungen innerhalb eines ganzen Jahres.

MusikBlog: Straßburg?

Anna Calvi: Genau. Du bist gut informiert. (lacht) Ich lebte dort ein Jahr lang zusammen mit meiner Freundin. Es war eine Zeit, in der ich alles sein konnte, was ich wollte. In Straßburg kannte mich kein Mensch. Ich war total frei, ohne Erwartungen und Zwänge. Und das habe ich ausgelebt. In dieser Zeit bin ich unheimlich gewachsen. Ich konnte mich innerlich teilen, Mann sein, Frau sein, alles sein. Das war faszinierend, und hat mich geformt und geprägt. Die Musik und die Texte kamen dann irgendwann ganz von selbst dazu.

MusikBlog: Die Frage erübrigt sich, glaube ich. Aber ich stelle sie dir zum Abschluss dennoch. Würdest du „Hunter“ als dein bis dato persönlichstes Album bezeichnen?

Anna Calvi: Persönlicher geht es nicht. Ich war noch nie so direkt und klar. Und dabei beziehe ich mich nicht nur ausschließlich auf die Texte. Ich bin auch musikalisch einen großen Schritt weiter gegangen. Die Stimmung auf dem Album ist unheimlich intensiv und roh. Das war mir sehr wichtig.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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