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Nach diesem Gefühl haben wir gesucht – Tunng im Interview

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Nachdem Tunng ihr drittes Studioalbum „Good Arrows“ (2007) veröffentlicht hatten, gab Sam Genders nur ein Jahr darauf seinen Ausstieg aus der Gruppe bekannt, um sich seinem Projekt Diagrams zu widmen. Die Band nahm sich daraufhin eine Auszeit, bevor die Nachfolgewerke „…And Then We Saw Land“ (2010) und „Turbines“ (2013) folgten.

Nun meldet sich die englische Folktronica-Band erstmals nach über 10 Jahren in Originalbesetzung zurück und präsentiert mit „Songs You Make At Night“ ihr mittlerweile sechstes Studioalbum, mit dem sie die „wahre Magie“ ihrer früheren Platten aufgreifen möchte. Im Interview verriet uns Gründungsmitglied Mike Lindsay, wie es zur Wiedervereinigung kam, welche Idee bei der Fertigstellung des Albums half und weshalb sich die Band unbewusst Vergangenem widmete.

MusikBlog: Mike, Tunng ist in Originalbesetzung nach über 10 Jahren wiedervereint. Wie kam es denn plötzlich dazu?

Mike Lindsay: Sam ist zwar 2008 ausgestiegen, die Band hat sich ja aber nie aufgelöst. Den Kontakt haben wir über die Zeit immer beibehalten, als Throws haben wir immerhin auch gemeinsam ein Album herausgebracht. Als wir dann alle mal zusammensaßen, sind wir einfach plötzlich auf den Gedanken gekommen, wie verrückt es denn wäre, mal wieder als Tunng mit Sam zu schreiben. Sobald wir das dann auch taten und die ersten Stücke ihre Formen annahmen, hat es sich für uns sofort nach einer neuen Platte angefühlt!

MusikBlog: Es hat sich also nichts verändert?

Mike Lindsay: Nun ja, ich glaube, es gab mehr Gleichheit in der Band bezüglich Songwriting, Ideenaustausch und Argumentationen. Obwohl Sam zurück war und wir viel Zeit miteinander verbracht haben, haben wir ihm auch den Freiraum gelassen, den er brauchte, um sich auszuprobieren. Im Gegensatz dazu haben wir aber auch versucht, unsere eigenen Methoden beizubehalten.

MusikBlog: Gut, dass sich die Band nie aufgelöst hat.

Mike Lindsay: Es gab aber auf jeden Fall zwei Punkte, an denen wir kurz davor waren! Der erste war natürlich, als sich Sam dazu entschlossen hatte, dass er kein weiteres Album mehr mit uns machen wollte. Ich hatte wirklich ein Problem damit, es zu verarbeiten, und habe mich sogar gefragt, ob wir überhaupt eine neue Platte ohne Sam machen sollten. In dieser Zeit mussten wir uns alle emotional überwinden und uns über unsere Wünsche und Ängste klar werden. Letztendlich haben wir uns der Herausforderung gestellt. „…And Then We Saw Land“ hat uns dabei geholfen, als Tunng wieder zueinander zu finden.

MusikBlog: Und der zweite Punkt?

Mike Lindsay: Der war, als ich nach Island gezogen bin. Alles hatte sich verändert, ich musste einfach für eine Weile weg. Weg von den Alben und weg vom Rest der Welt. Im Nachhinein betrachtet, war die Entscheidung gar nicht so schlecht.

MusikBlog: Jetzt seid ihr wiedervereint und wollt die „wahre Magie“ eurer früheren Platten wiederfinden. Nur, was ist das?

Mike Lindsay: Das ist eine wirklich gute Frage! (lacht) Ich kann tatsächlich nicht sagen, was wir da genau wiederhaben wollten. Vielleicht ist es die Nostalgie, vielleicht aber auch die leichte Melancholie, die wir 2005/2006 hatten, als wir angefangen haben, Musik zu machen. Damals gab es noch keine Regeln, denn keiner wusste, wie wir uns anhören sollten – wir wussten ja selber nicht mal, wie wir klingen wollten! Damals waren wir in einer Situation, in der wir Musik gemacht haben, weil wir wollten, nicht weil wir sollten. Ich glaube, danach haben wir gesucht. Nach diesem Gefühl.

MusikBlog: Und habt ihr es gefunden?

Mike Lindsay: Ich glaube schon, ich liebe das Album! (lacht) Es ist eine Platte über unsere Reise, sowohl unserer kreativen als auch unserer persönlichen Reise. Eine Familie hat wieder zueinander gefunden – und in einer Familie gibt es nun mal großartige Momente, aber auch verrückte Momente. Ich glaube, wir haben die verschiedenen Bereiche gut abgedeckt. „Songs You Make At Night“ fühlt sich stabil an.

MusikBlog: Bleiben wir beim Album, ist die Nacht das Hauptthema?

Mike Lindsay: Ja, es geht darum, was nachts passiert. Nachts, wenn sich dein Gehirn abschaltet, während du schläfst. Und dann hatten wir noch eine andere Idee, die uns dabei helfen sollte, das Album zu vollenden. Für diese Idee mussten wir aber jemanden zurückholen, jemanden von früher, eine Person von unserem zweiten Album.

MusikBlog: Wer ist es?

Mike Lindsay: Erinnerst du dich noch an den Song „Jenny again“? Wir hatten urplötzlich die Idee, Jenny zurückzuholen. Über 10 Jahre später lebt sie nun am Meer in einer Piratenstadt. Dort versucht sie, ihre Vergangenheit zu vergessen, dass sie jemanden getötet hat. Sie ist eine Mörderin! Und jetzt verfolgen sie diese Träume. Wir fingen an, das Album mit Jenny zu verbinden, wie sie zum Beispiel Schlafprobleme hat und durch das Meer schlafwandelt. Jenny ist dieser eine Punkt, der die Platte zusammenhält.

MusikBlog: Apropos Schlafwandeln. In „Sleepwalking“ hört man den Albumtitel in einem Vers heraus. Hat der Song eine besondere Bedeutung für die Platte?

Mike Lindsay: Gut zugehört! Es war tatsächlich das erste Lied, das wir für die Platte geschrieben hatten! Was ich an diesem Vers mag, und weshalb unser Album auch danach benannt wurde, ist, dass es „Songs You Make At Night“ heißt, nicht „Songs We Make At Night“. Dieser kleine Twist soll die Leute zum Nachdenken anregen. Es geht darum, was mit dir passiert, wenn du alleine und unsicher bist, wenn du nachts schläfst und von Menschen aus deiner Vergangenheit träumst.

MusikBlog: Träume. Das Album startet mit ihnen, „Dream In“, und endet mit ihnen, „Dream Out“. Man hört aber auch musikalisch eine gewisse Verbundenheit raus.

Mike Lindsay: Wieder gut zugehört! „Dream Out“ war ursprünglich nämlich auch das Intro zu „Dream In“ und sollte eigentlich das Album einleiten, deshalb vermutlich die Verbundenheit. Wir hatten aber das Gefühl, dass dieses Intro für sich alleine stehen könnte, wie ein gewisser Moment in einem Kreislauf. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, das Album einfach direkt mit Sam anzufangen und „Dream Out“ ans Ende zu stellen, um den Zuhörer wieder zurück in die Realität zu bringen. Wir hatten das Konzept nicht von Anfang an, aber am Ende hat es uns geholfen, das Album abzurunden.

MusikBlog: In „Dark Heart“ heißt es „we want to see the dark heart“ – wollen wir das wirklich?

Mike Lindsay: Der Text war von Sam und du weißt doch, er mag die Dunkelheit! (lacht) Ich glaube, die Idee dahinter war, dass jeder eine dunkle Seite in sich hat und das eigentlich auch weiß. Innerlich wollen wir diese Seite doch alle mal sehen und verstehen. Man sollte versuchen, das Gute im Bösen zu sehen und es nehmen, wie es kommt, denn ändern lässt es sich sowieso nicht.

MusikBlog: Auffallend ist auch der Track „Battlefront“ mit dem Stimmwechsel.

Mike Lindsay: Der Song behandelt die Kindheit mit ihren Freundschaften. Es geht um die guten und schlechten Gefühle, die wir dabei haben, wenn wir daran zurückdenken. Der Stimmwechsel ist catchy, deshalb dachten wir, es würde gut passen.

MusikBlog: Du sprichst mit der Kindheit schon wieder etwas an, was bereits vorbei ist. Ihr konzentriert euch schon sehr auf die Vergangenheit. Wie wichtig ist das denn?

Mike Lindsay: Interessant! Bis du es eben erwähnt hast, war es mir gar nicht so bewusst, dass wir sehr die Vergangenheit thematisieren (lacht) Es stimmt aber wohl. Die Vergangenheit gehört nun mal zu einer Family-Reunion dazu. Durch sie hat man das Gefühl, wieder zurück in einem Kreislauf zu sein und die ganze Reise, die sie beinhaltet, formt die Bindung, die Wiedervereinigung. Man muss mit der Vergangenheit abschließen können, um zur Gegenwart zu gelangen. Und da wir uns jetzt in der Gegenwart befinden, lass uns gemeinsam in die Zukunft schauen!

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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