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Tunng – Songs You Make At Night

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Was lässt sich nicht alles hinter in Songs, die des Nachts geschrieben werden, vermuten. Ein Hinweis auf die tiefschwarze Dunkelheit in uns und um uns herum, die Einsamkeit, die sich erst dann bemerkbar macht, wenn der Tag zu Ende geht und das sukzessiv verlorengehende Vertrauen in die eigenen Sinne?

Oder doch eher: Exzess und Hedonismus, Selbstverwirklichung und Freiheit? Vielleicht auch einfach alles zusammen, im Moment des ultimativen In-Sich-Gekehrt-Seins und Alles-ist-möglich: dem Traum! Sind „Songs You Make At Night“ am Ende also Songs, die im Traum entstehen und davon handeln bzw. nur im Traum verstanden werden können?

Tunng wären nicht Tunng, wenn sie darauf eine klare Antwort geben würden. Aber zumindest einen deutlichen Hinweis. Beginnt das Album nämlich mit dem verheißungsvollen „Dream In“, indem die Folktronica-Pioniere sämtliche Bandbreiten der ihnen eigenen Harmonien zur sensorischen Inhalation anbieten.

Elektronisch und analog. Der Beat knurrt und die Glöckchen klingeln. Eine Frau singt kurz im Falsett auf –  elegisch, ätherisch, ästhetisch. Der Kontrast, der das ganze Schaffen von Tunng prägt, vereint auf einem Song. So schön, dass es traurig machen könnte. So traurig, dass es wieder schön ist. Ja, „It’s a beautiful dream“, aber trotzdem: „Wake Up“.

Auch im weiteren Verlauf des Albums lassen Tunng Harfen in ihren schönsten Lieder spielen, zupfen sanft Akustikgitarren, so dass diese selbst gar nicht bemerken, dass sie gespielt werden. Sie lassen die Sonne aufgehen und geben dem Regen seinen Duft.

Aber man spürt: selbst der schönste Ort der Welt ist nur ein Fingerschnippen davon entfernt, zum allerschlimmsten Albtraum zu werden. Wie im unschuldigen „Evaporate“, das urplötzlich durch eine swans-eske Kakophonie aus den Untiefen der Hölle unterbrochen wird.

Frontmann Mike Lindsay strahlt mit seiner sanft-stoischen Stimme die Gelassenheit eines esoterischen Gärtners, der im Gartenstuhl zurückgelehnt unbeeindruckt über das nahe Ende der Welt doziert. Nicht als Verschwörungstheoretiker, sondern als glaubhafter Prophet; einfühlsam, aber über den Dingen stehend.

Lindsay könnte die schlimmsten vorstellbaren Nachrichten überbringen und man würde ihn trotzdem umarmen wollen. Weil es so gemütlich ist, so vertraut, so vertrauenserweckend.

Aber trotz bewusst evozierter Vertrautheit, klingt nicht alles so wie immer: „Dark Heart“ beginnt mit einem Retro-Synth-Wave-Beat, von den nächtlichen Stränden Miamis des Jahres 1984 geklaut und mit etwa gleichaltriger Italo-Disco-Tanzwut gepaart.

Mit kühl-knarzenden Cyber-Sounds freunden sich Tunng auf ihrem inzwischen sechsten Album immer besser an. „Nobody Here“ dreht davon angetrieben mächtig am Regler und auch „Flatland“ wird ähnlich eingeleitet. Verabschiedet sich dann allerdings in eine düster-dramatischere Richtung und vereinbart auf einem – von José Feliciano geebneten – Weg Industrial- und Flamenco-Sounds miteinander, um sie am Ende disruptiv aufzulösen.

„ABOP“ beginnt gar mit einem zunächst befremdlichen Hip-Hop-Beat, bis nach und nach die gewohnt sphärischen Klangexperimente dazu stoßen, die den Song dann wieder so nach Tunng klingen lassen.

Genau wie „Battlefront“, welches „Blackbird“ von The Beatles zitiert – wie es sich eigentlich für jeden vernünftigen Akustik-Gitarren-Song gehört – und ist ein Musterbeispiel dafür, wie einfach und wirkungsvoll Musik sein kann. Zwei sich in Klangfarbe radikal unterscheidende Stimmen, eine Gitarre, eine Prise (elektronisch erzeugter) ungreifbarer Anschmiegsamkeit und fertig ist die Atmosphäre, die so nur Tunng hinbekommt.

Auf „Songs You Make At Night“ setzen Tunng eher auf die fragile Euphonie einzelner Sounds, ohne, dass die kohärente Songstruktur darunter zusammenfallen würde. Und das ist in den meisten Fällen einfach (alb-)traumhaft schön.

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