Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Search in posts
Search in pages
Tunng (Credit Lilias Buchanan)

Tunng – Dead Club

Es gibt Themen, über die man nicht gern redet, geschweige denn Musik darüber hört. Dazu gehören Depressionen, Selbstverletzung und auch der Tod. Manchmal gelingt es Künstlern aber, mit ihrer Musik ein Thema in die Öffentlichkeit zu tragen, das von dieser gern kollektiv verdrängt wird.

Sei es Logic, der auf großen Bühnen und einer noch größeren Zielgruppe näher brachte, dass es richtig und stark ist, sich Hilfe zu holen, dass Depression keine Schwäche, sondern eine Krankheit ist oder sei es die kleine Band Tiña aus London, die erst diese Woche mit „Positive Mental Health Music“ jeden an die Hand nahmen, bei dem es gerade nicht so läuft.

Mit „Dead Club“ haben Tunng ein ebenso ambitioniertes Projekt veröffentlicht, das sich mit dem Tod und allem, was dazu gehört, beschäftigt. Abschied, Trauer, Rituale und Liebe sind die Themen auf dem neuen Album der minimalistischen Briten.

Und nicht nur dort: Tunng begleiten die Veröffentlichung von „Dead Club“ mit einem Podcast, in dem Experten und Bandmitglieder über den Tod sprechen, ihn entmystifizieren, Erfahrungen austauschen und Antworten auf Fragen finden, die viel zu mächtig wirken.

Und genau dort setzt auch das zugehörige Album an. Fragen, die eigentlich zu groß sind, um sie in einer Mischung aus Lo-Fi-Folk und Indietronica zu verpacken, gehen Tunng auf „Dead Club“ am laufenden Band an.

„The Last Day“ und der Gedanke an den eigenen letzten Tag bringen den Atem zum Stocken, Tunng samplen das Einatmen, das Symbol des Lebens und gleichzeitig das Gefühl der Unruhe, und paaren es mit beinahe beschwingendem Gesang.

Das Spiel mit Gegensätzen fühlt sich auf „Dead Club“ nicht an wie die Bagatellisierung des Todes oder die Versoftung eines existenziellen Themas. Auch ohne den gleichnamigen Podcast, der dem Ganzen noch eine professionelle Ebene verleiht, wirkt die Musik auf „Dead Club“ ehrlich und versöhnlich.

„Dead Club“ verdeutlicht, dass der Tod zum Leben gehört, und, dass Musik über den Tod eben auch wie Musik über das Leben klingen darf. Das Album ist nicht dunkel und düster, nicht laut und klaustrophobisch, sondern wirkt eher wie ein offener und zeitloser Neuanfang.

Gleichzeitig ist „Dead Club“ aber auch nicht die Art Konzeptalbum, auf der alles ähnlich klingen muss. Der spirituelle, leise Umgang mit dem Tod findet auf dem Tonträger genau so viel Platz wie der unbekümmerte und sprunghafte.

Ein Album über den Tod. Ein Album für alle eben.

Schreibe einen Kommentar

Enable Notifications    OK No thanks