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Christine And The Queens – Chris

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Schlechter Elektro-Pop kann unfassbar nervig sein. Mit Synthies gepaart, fühlt man sich nicht selten, als trügen alle Neonstirnbänder, während sie mit ihren Vokuhilas oder Dauerwellen auf Rollschuhen und in Leggings Richtung 80er fahren.

Dabei ist es doch eigentlich ganz einfach. Zumindest wenn man Christine And The Queens zuhört. Denn die zeigen auf ihrem zweiten Album sehr eindrücklich, dass man Elektro-Pop auch mit Geschmack machen kann.

Es geht heiß er auf „Chris“. Während das vielgefeierte Debüt der Französin Héloïse Letissier alias Christine And The Queens sich mit den süßen Qualen der Teenagerzeit beschäftigte, scheint die Frontfrau drei Jahre später erwachsen geworden zu sein. „Chris“ handelt von Sex, Geschlechterrollen und der damit zusammenhängenden Komplexität des menschlichen Seins.

Die Vorabsingle „Girlfriend“ ist dafür ein gutes Beispiel. Getarnt als 80er-Track – aber eben ohne blendende Neofarben und Fitnessoutfits – tanzt Chris mit kurzgeschnittenen Haaren durch luftige Großstadtkulissen und erinnert mit lasziven Moves daran, dass sie ja nicht nur Sängerin, sondern auch Tänzerin ist.

Dabei bewegt sie sich sehr feminin, verkörpert aber gleichzeitig als erobernde Liebhaberin die klischeehafte Machorolle, während sie mit Lyricfetzen auf Französisch für den letzten Rest Verführung sorgt. Sie übertreibt nicht, wenn sie sagt, dass sie es unmöglich machen will, dass Dinge wie Sexualität oder sexuelle Orientierung vereinfacht werden.

Das bedeutet aber nicht, dass es sich auf „Chris“ ausschließlich um Sex dreht. Das introvertierte „The Walker“ beispielsweise erinnert mit „Hmms und Oh-ohs“ im Intro an Janet Jackson und besingt die Selbstzweifel und Schmerzen der Protagonistin. Dabei ist vor allem Christines Stimme im Vordergrund, die von einem unaufdringlichen, aber beständigen Beat begleitet wird.

„5 Dollars“ klingt dann musikalisch fast wie eine – im besten Sinne – ausgedünnte Katy Perry. Es überrascht wenig, dass die Lyrics ein bisschen mehr Tiefe als bei der amerikanischen Kollegin beweisen. Mit wenigen Zeilen liefert Christine in der Manier eines weiblichen Bruce Springsteen einen interpretationsreichen Kommentar zu Statusfragen in der Mittelklasse.

Auf „Chris“ vereint Christine And The Queens viele Facetten ihrer Persönlichkeit und ihrer Musik. Dass sie dabei mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet, macht die Sache nur noch spannender.

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