Fatherson – Sum Of All Your Parts

Es sind die kleinen Dinge im Leben, so diverse hierzulande verbreitete Kalendersprüche, die zählen, das Leben lebenswert machen oder dir wahlweise den Weg zu deinem Glück weisen.

Spätestens dann allerdings, wenn man zum ersten Mal einen Song der aus Glasgow stammenden Band Fatherson hört, wird man sich an den Gedanken gewöhnen müssen, dass es Menschen unter unserer Sonne gibt, die ihr Heil so gar nicht nach dem Rezept der eingangs erwähnten Weisheiten zu erlangen versuchen.

Ein müdes Lächeln vielleicht oder aber schallendes Gelächter dürfte den drei Jungs ein solcher Rat wert sein, so wenig hat deren Sound mit minimalistischer Klangästhetik zu tun. Mehr ist mehr für die Schotten, das war es schon auf den ersten beiden Alben und daran, soviel vorweg, hat sich auch auf dem kommenden Album „Sum Of All Your Parts“ nichts geändert.

Schwülstige Piano-Intros, Gitarren, die heulen, als wären sie Sirenen (oder umgekehrt?), verzerrte Riff-Bässe, ein beckenlastiger Drum-Sound, durchsetzt von einer Snare-Drum, die donnert wie ein Kanonenschlag und, ach ja, das wichtigste:

Hallfahnen, Hallfahnen, die länger wehen als Rick Rubins Bart oder die Flagge der Vereinigten Staaten am Independence Day. Zugegeben, das klingt ein bisschen rougher als noch auf dem Vorgänger „Open Book“, ansonsten aber wenig überraschend.

Who cares, muss es das? Sänger Ross Leighton schmachtet mit perfekter Indie-Stimme Phrasen wie „call me when you need me most“ („The Rain“) in das Mikrofon und auch damit kann man durchaus glücklich werden (um eine Analogie zum Einstieg dieses Textes zu bemühen).

Und ja, die jungen Schotten operieren von Zeit zu Zeit deutlich jenseits der Grenze zum Kitsch („Nothing To One“, „Oh Yes“, „Reflection“), aber was macht das. Das ist eben der Preis, den Fatherson für die große Pose, die definitiv gelingt, bezahlen müssen.

Ihr fällt dann auch die Lässigkeit zum Opfer, deren Abstinenz man erst bemerkt, wenn sie in Ansätzen doch noch aufblitzt und „Sum Of All Your Parts“ ihre Highlights beschert („Making Waves“, „Charm School“).

Wer den Sound von Fatherson mag, hat gute Chancen, sein Glück mit diesem Album zu finden.

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