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William Fitzsimmons (Credit Shervin Lainez)

William Fitzsimmons – Mission Bell

Wenn es einen Grammy in der Kategorie „Samtigste Stimme“ geben würde, dann stünde der Gewinner eigentlich schon fest. William Fitzsimmons singt mit einer solchen Weichheit, dass man sich fühlt, als würde man auf einem samtenen Teppich leichtfüßig durch schlechte Zeiten getragen werden.

Denn die Geschichten auf und hinter „Mission Bell“ sind keine freudigen, sondern emotionale Reflexionen über Liebe, Verrat und das menschliche Wesen an sich.

Eigentlich hatte er in seinem Heimstudio schon alles fertig. Zumindest eine erste Version seiner neuen Platte. Alles war unter Dach und Fach und Fitzsimmons wollte sich der Ruhe und Routine seines Familienlebens widmen.

Aber dann eröffnete seine langjährige Frau ihm nicht nur, dass sie in ihrer Ehe keine Zukunft sähe und sich trennen wolle, sondern auch, dass sie eine Affäre mit seinem Bandkollegen gehabt habe.

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass sich fast alle Songs auf dem siebten Album des Singer/Songwriters mit Verdacht, Verrat, der Frage der Monogamie und dem generellen Funktionieren von Beziehungen auseinandersetzen.

Aber Fitzsimmons wäre nicht Fitzsimmons, wenn er eine simple Schwarz-weiß-Geschichte porträtieren würde. Spätestens da merkt man, dass der US-Amerikaner ausgebildeter Therapeut ist und sich sehr reflektiert mit der Situation auseinandersetzt.

Es gibt nicht die Bösewichtin und den treusorgenden Ehemann, sondern viele Zwischentöne. Darin war der US-Amerikaner schon immer sehr gut. Vielleicht hat Fitzsimmons seinen privaten Verlust mit musikalischen Mitteln kompensiert.

Denn, obwohl „Mission Bell“ das erste Album ist, dass der Singer/Songwriter komplett analog aufgenommen hat, verlässt er sich längst nicht mehr nur auf seine Akustik-Gitarre, sondern erschafft feinschichtige Klangwelten.

Opener „Second Hand Smoke“ punktet mit unaufdringlichem Schlagzeug, bezauberndem weiblichen Background-Gesang, Schellenkranz, verträumten Gitarren-Soli und unterschwelligen Streichern.

„Distant Lovers“ beginnt mit dem feinfühligen Fingerpicking, für das man Fitzsimmons auf seinen letzten Alben Lieben gelernt hat. Aber auch hier leisten nach der ersten Minute einfühlsame Klangarrangements der Gitarre Gesellschaft.

In „17+ Forever“ tritt Fitzsimmons‘ Stimme in einen Dialog mit einer wunderschönen Geigenmelodie, während er das traurige Thema des jugendlichen Suizids besingt.

„Mission Bell“ ist keine Gute-Laune-Musik. Aber das war William Fitzsimmons ja noch nie wirklich. Wenn man sich zu solch wunderschön trauriger Musik auf der Couch zusammenrollen, ein bisschen mitleiden und über das Liebesleid sinnieren darf, ist der Herbstanfang gleich viel besser zu ertragen.

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