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Es liegt in unserer Verantwortung, etwas zu tun – Dispatch im Interview

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Dispatch lassen sich gerne Zeit. Teilweise vergingen 12 Jahre ohne eine neue Platte der Bostoner. Umso überraschender, dass „Location 13“ gerade mal ein Jahr nach seinem Vorgänger „America, Location 12“ erscheint. Die Ähnlichkeit der Titel ist natürlich kein Zufall, sondern genau so gewollt. Im einem sehr offenen Interview mit Frontmann Chad Urmston sprechen wir über den Zusammenhang der beiden Platten, Trump und Rassismus und über die Wichtigkeit, Dinge auszusprechen, die zu oft totgeschwiegen werden.

MusikBlog: Chad, was hat es mit dem Titel eurer letzten beiden Alben auf sich?

Chad Urmston: Wir haben beide Platten ein Stück nördlich von San Francisco in den Bergen aufgenommen. Bei einem Spaziergang haben wir diese alten Raketensilos aus den Vierzigern oder Fünfzigern entdeckt und in die Wand hatte einer „America, Location 12“ eingeritzt. Das war ganz in der Nähe des Studios und deswegen haben wir uns entschieden, die Platte so zu nennen. Ein Großteil der Songs unseres aktuellen Albums sind Titel, die aus der ersten Session zu „America, Location 12“ stammen und einfach nicht fertig geworden sind und deswegen ist „Location 13“ so eine Art Geschwisteralbum und wir fanden es wichtig, dass man das anhand der Titel merkt.

MusikBlog: Warum habt ihr die Songs denn beim ersten Mal nicht fertig geschrieben?

Chad Urmston: Das hatte verschiedene Gründe. Einerseits natürlich Zeitmangel. Aber manchmal haben gewisse Songs einen anderen Reifeprozess. Manche sind einfacher fertigzustellen als andere. Und die Nummern, die jetzt auf „Location 13“ sind, waren die, die ein bisschen komplizierter und düsterer waren und deswegen mehr Zeit brauchten.

MusikBlog: Habt ihr auch mit den gleichen Produzenten gearbeitet?

Chad Urmston: Ja. Wir haben alles mit John Dragonetti und Mike Sawitzke aufgenommen. Das Schöne ist, dass sie nicht nur an den Reglern sitzen, sondern wie ein Teil der Band sind. John hat beispielsweise auf der ganzen Platte Bass gespielt, weil unser Bassist die letzten zwei Jahre ausgefallen ist. Ich wüsste gar nicht, was wir ohne John gemacht hätten.

MusikBlog: Plant ihr, auch in Zukunft zusammen zu arbeiten?

Chad Urmston: Ja, ich würde gerne mindestens ein weiteres Album zusammen machen oder ihnen einfach sagen, dass wir von jetzt an für immer zusammenarbeiten. Ich denke, so lange die Herangehensweise jedes Mal anders ist und wir nicht an den Punkt kommen, wo wir das Gleiche nochmal machen, werden wir weiterhin zusammenarbeiten. Am besten gefällt mir die Idee, dass wir die Beatles sind und John und Mike unser George Martin.

MusikBlog: Ihr habt „Location 13“ Song für Song online veröffentlicht. Warum habt ihr euch für diese Art von Release entschieden?

Chad Urmston: Wir wollten einfach mal was Neues machen. Eine Sache, die ich an Dispatch cool finde, ist, dass wir immer wieder versuchen, Dinge anders zu tun. Wir haben noch nie bei einem Major-Label unterschrieben und deswegen haben wir die Freiheit, immer unser eigenes Abenteuer zu suchen. Es war ein Experiment und ich als Musik-Fan der heutigen Zeit finde, dass es manchmal ein bisschen viel ist, direkt ein ganzes Album zu bekommen. So kann man sich einen Song anhören, sich daran gewöhnen und dann kommt zwei Wochen später der nächste Song.

MusikBlog: Das Cover von „Loation 13“ ist ein Umriss der USA-Karte. Warum?

Chad Urmston: Das Cover zeigt die Grenzen unseres Landes und die haben in letzter Zeit irgendwie neue Bedeutung bekommen. Dieses Land ist so in Unruhe und Trump und die Republikaner wollen Truppen an die Grenzen stellen, dabei ist innerhalb dieser Grenzen völliges Chaos. Ich meine, wir werden von einem Egomanen regiert, der ein Neunjähriger im Körper eines erwachsenen Mannes ist.

MusikBlog: Im Gegensatz zu eurem letzten Cover ist das aktuelle ganz schön grau. Würdest du sagen, dass das Gleiche auch auf die Musik zutrifft?

Chad Urmston: Ja, „America, Location 12“ war auf jeden Fall spielerischer und sonniger. Die neuen Songs sind ernster und tragen mehr Gewicht in sich. Deswegen wäre ein ähnliches wie zu „America, Location 12“ völlig unangebracht gewesen. Es ist natürlich wichtig, dass wir uns selbst nicht zu ernst nehmen, aber gerade kann man diese Themen einfach nicht unkommentiert lassen.

MusikBlog: Eine der Zeilen in „Don Juan Tengo“ lautet: „We live in a land where all you need is money and not to be black“. Spiegelt das deine Meinung zu dem derzeitigen Amerika wider? 

Chad Urmston: Leider ja. Vor allem jetzt und vielleicht auch schon immer regiert Geld die Welt. Deswegen haben wir hier kaum Elektro-Autos, deswegen kommst du als Weißer, wenn du ein Verbrechen begehst, nicht unbedingt in den Knast, als Schwarzer aber schon. Dieses Land hat immer noch so viele Probleme mit Rassismus.

MusikBlog: Denkst du, das wird sich in den kommenden Jahren ändern? 

Chad Urmston: Ich glaube schon, ja. Ich verspüre so viel Hoffnung, wenn wir durchs Land touren. Ab und an wirken wir bei ehrenamtlichen Projekten mit. Immer mehr Frauen kandidieren und werden für öffentliche Ämter gewählt. Ich finde, dass viele junge Menschen im Gegensatz zu den älteren total offen sind und deswegen glaube und hoffe ich, dass der Wandel zum Guten kommen wird.

Aber ich habe auch Angst, dass Trump weiterhin kandidiert. Wenn die Wirtschaft weiterhin okay läuft, dann wird es hart sein, ihn zu schlagen. Was einfach immer noch verrückt ist, wenn man an sein kindliches Verhalten denkt. Wenn ich die Worte Präsident Trump sage, dann kann ich sie immer noch nicht glauben.

MusikBlog: Bei Konzerten macht ihr oft auf Themen wie sexuelle Belästigung oder die Waffenproblematik aufmerksam. Findest du, das ist die Aufgabe von Musikern?

Chad Urmston: Ich finde schon. Wir haben diese Plattform, wo wir vor vielen Menschen stehen und wenn wir irgendetwas tun können, um Teil einer Lösung zu sein oder diesen Wahnsinn zu stoppen, dann liegt es in unserer Verantwortung, das auch zu tun. Einige unserer Songs thematisieren das sowieso und es ist jetzt auch nicht so, dass wir auf der Bühne predigen, aber wir stellen bei unseren Shows immer Material zur Verfügung, wo man sich informieren kann. Ich bin völlig dafür, Musik und Politik zu vermischen.

MusikBlog: Wie ist die Reaktion des Publikums darauf?

Chad Urmston: Normalerweise sehr offen und positiv. Natürlich hat man immer ein paar Leute, die sagen: „Bleibt mal lieber bei der Musik“. Aber unser Publikum ist generell sehr progressiv und links orientiert.

MusikBlog: Eine Sache, die ihr auch thematisiert, sind psychische Krankheiten. Euer Bassist Pete Francis Heimbold pausiert derzeit wegen psychischen Problemen. Wie geht es ihm?

Chad Urmston: Es geht ihm besser, aber es ist ein langer Kampf für ihn, der nicht von heute auf morgen gewonnen sein wird. Wir haben ihm gesagt, dass wir mit der Band weitermachen. Wir sprechen oft mit ihm, fragen, wie es ihm geht und sagen ihm, dass wir ihn lieben. Aber trotzdem bleibt es für ihn ein täglicher Kampf.

MusikBlog: In den letzten Jahren war Suizid leider ein großes Thema in der Musikszene. Hattet ihr jemals Angst, dass es auch euch treffen könnte? 

Chad Urmston: Leider ja. Den Gedanken hatten und haben wir alle im Kopf. Pete war seit über einem Jahr nicht mehr an dem Punkt, was gut ist, aber ja, wir machen uns stetig noch Sorgen.

MusikBlog: Warum glaubst du sind psychische Krankheiten immer noch so ein Tabu-Thema?

Chad Urmston: Das Stigma. Ich weiß nicht, ob dass nur in Amerika so ist, aber hier sind psychische Krankheiten mit dem Vorwurf verbunden, man sei einfach nicht stark genug. Wenn du psychisch krank bist, dann bist du eine Memme. Aber das Problem ist, wenn du deine psychische Gesundheit nicht hast, dann hast du einfach nichts, keinen Boden unter den Füßen. Wir müssen einfach alle viel mehr darüber reden, und hoffentlich können wir den Menschen durch diesen Dialog aus ihrer Isolation heraus helfen.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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