Pranke – Monkey Business

Eine musikalische Kooperation zwischen Reykjavik und Berlin fordert die Synapsen aufs Äußerste heraus und entzückt zwischendurch beinahe aus Versehen mit hautzartem Art-Pop aus lauter kleinen Nadelstichen.

Pranke heißt dieses Unterfangen, bei dem sich der isländische Komponist und Gitarrist Daníel Friðrik Bödvarsson und der Berliner Jazz-Schlagzeuger Max Andrzejewski den Gesang teilen. Allein in der niedergeschriebenen Aufstellung ahnt und fürchtet man schon zu gleichen Teilen das Potenzial des Duos.

Und nach den ersten Sekunden des Debütalbums „Monkey Business“ wünscht man sich insgeheim, Pranke würden den ganzen nerdigen Math-Prog-Unfug, der den Opener „Let’s Go“ überfrachtet, direkt raushauen, um sich danach ihrem Talent zu widmen.

Denn schon im nächsten Moment überzeugt der nonchanlante Weirdo-Pop des Titelsongs, der zwar durchgeknallt, vielseitig und verspielt ausfällt, aber immer die beinahe unfreiwillige Kurve zum Song hinbekommt.

Noch besser wird es in „Adorno“, wo Pranke klingen wie Minus The Bear zu ihrer Hochphase. In diesen Songs ist das Vertrackte, das Unkonventionelle so pointiert, dass es bereichert, statt aus einer nimmer müden Aneinanderreihung von übergeschnappten Arpeggios und unberechenbaren Takten so etwas wie progressive Langeweile zu schüren.

Es gelingt ihnen nicht immer. Der überdrehte Saxofon-Part in „RW“ oder das ziellose „Para“ sind vor allem potente Fingerübungen, die im Glaskasten ausgestellt werden, um die eigene, technische Musikalität zu begaffen.

Dabei hätten Pranke das gar nicht nötig. Das Prinzip der Nadelstiche ist an anderer Stelle überzeugender und jederzeit dem Vorschlaghammer aus der Streber-Schule überlegen.

Am allerbesten sind Pranke sogar, wenn sie sich ganz im Zaum halten: Das Video zu „Hold The Line“ wirkt wie eine Neuinszenierung der Oscar prämierten Leistung von Hilary Swank in „Boys Don’t Cry“, der Song dazu ist mindestens so gut.

Art-Pop, der sich Zeit nimmt, um dann umso heller zu leuchten. Wunderbar vereinnahmend. Wenn Pranke lernen, ihre Fingerfertigkeiten etwas weniger offensichtlich zur Schau stellen, dann könnte dem avantgardistischen Pop und uns Großes bevor stehen.

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