Für diese Website registrieren

20 − neunzehn =

Mit der Registrierung stimmst du den MusikBlog Nutzungsbedingungen zu.

Bitte gib deine E-Mail-Adresse hier ein. Du bekommst eine E-Mail zugesandt, mit deren Hilfe du ein neues Passwort erstellen kannst.

Entdecke neue Musik

Empfiehl deinen Freunden neue Alben oder Konzerte deiner Lieblingskünstler, erstelle deine persönlichen Album-Charts oder gewinne Konzertkarten und mehr bei unseren Gewinnspielen.

Ich bin da ein bisschen eigen – Gabriel Black im Interview

Registriere dich, um es deinen Charts hinzuzufügen oder deinen Freunden zu empfehlen.

Gabriel Black ist in den letzten Jahren viel herumgekommen, hat aber nach eigener Aussage erst vor kurzem in Los Angeles, Kalifornien sein neues Zuhause gefunden. Der aus Pennsylvania stammende Künstler arbeitet bevorzugt alleine, da es ihm wichtig ist, Eigentümer seiner Ideen zu sein. Öffentlich vertreten wird er durch eine Cartoon-Figur, die ihm – ungeplant – äußerlich ähnelt. Wie Gabriel ursprünglich zur Musik kam, was er aus der dunkelsten Zeit seines Leben mitnahm und weshalb seine EP “Beautiful Life” trotz Themen wie Tod und Selbstmord das “schöne Leben” widerspiegelt, erzählte uns der Sänger im MusikBlog Interview.

MusikBlog: Gabriel, du bist nun auch in Los Angeles angekommen?

Gabriel Black: Ja, schon seit zwei Jahren! Aber davor bin ich tatsächlich ein paar Jahre in der Gegend rumgezogen. (lacht) Meine Kindheit habe ich in Pennsylvania verbracht und bin dann für die Schule nach Boston gezogen. Die habe ich aber geschmissen, um nach New York zu gehen und Musik zu machen. Als das nicht so gut geklappt hat, bin ich wieder nach Pennsylvania zurück und habe dort zusammen mit Freuden, die ich von klein auf kenne, in Philadelphia gewohnt. Wirklich etwas passiert ist dort aber auch nicht: Ich habe lediglich in einem Restaurant gearbeitet, das dem Vater eines Freundes gehört hat und war im Endeffekt nicht dort, wo ich sein wollte.

MusikBlog: Nämlich in L.A.?

Gabriel Black: Mir wurde gesagt, dass die meisten Leute aus der Musikindustrie ihren Sitz in Los Angeles hätten und ich doch mal Kontakt aufnehmen sollte. Auf diese Weise bin ich dann hergekommen, habe nach und nach coole Leute getroffen und bin letztlich geblieben. Die Musik hat mich nach L.A. geführt!

MusikBlog: Die Musik also. Dabei heißt es auf deinem Twitter-Profil „I sing songs poorly and draw shitty cartoons“.

Gabriel Black: Punkt für dich! (lacht) Dabei habe ich schon in der 8. Klasse angefangen, Musik zu machen… Ich wurde ich damals stark von Immortal Technique beeinflusst, das ist so ein super politischer Rapper. Als ich seine Musik gehört habe, habe ich mich direkt verbunden gefühlt und wollte das auch machen. So hat das alles angefangen. Gitarre habe ich als Kind auch immer wieder gespielt, was mich aber eher so in die Richtung Songwriting gepusht hat.

MusikBlog: Und jetzt schreibst und komponierst du mit anderen Menschen?

Gabriel Black: Oh ja, ich werde permanent zu Sessions gezwungen.

MusikBlog: Gezwungen?!

Gabriel Black: Ja! (lacht) Verstehe mich nicht falsch. Ich habe das Glück, dass alle Leute, mit denen ich zu tun habe, wirklich gute Menschen sind. Ich hatte noch nie eine schlechte Session. Trotzdem bevorzuge ich es mehr, alleine zu arbeiten. Wenn ich mal einen Song verbessert haben möchte, dann gehe ich zu einem Freund von mir, der ein bisschen besser ist als ich und die Dinge dann verfeinern kann. Auf die Grundideen möchte ich aber schon selbst kommen, das ist so ein kleines Ego-Ding. Ich will der Eigentümer meiner Ideen sein.

MusikBlog: Ab wann beziehst du dann andere mit ein?

Gabriel Black: Wenn ich so ungefähr 80% des Songs fertig habe, dann fällt es mir sehr viel leichter, damit zu jemandem zu gehen. Ich kann mich in Anwesenheit von Menschen nur schwer öffnen, auch wenn sie mir vielleicht nahestehen. Das heißt aber nicht, dass ich mich nie mit anderen zusammensetze, um Songs von Grund auf neu zu schreiben. Es ist einfach nur nicht meine Lieblingsbeschäftigung.

MusikBlog: Wie sehr lässt du dir denn bei einem fast fertigen Song dann noch reinreden?

Gabriel Black: Das ist genau das, wovor ich Angst habe. Wenn ich mich öffne, dann besteht die Möglichkeit, dass jeder sein eigenes Ding mit einbringen möchte. Die meisten, mit denen ich zusammenarbeite, respektieren jedoch meistens meine bereits eingeschlagene Richtung. Manchmal denke ich mir nur, dass wir bereits an etwas herumschrauben, das vielleicht noch gar nicht das wieder gibt, was ich möchte. Ich bin da ein bisschen eigen und möchte zuerst für mich ein fertiges Konzept haben. Wenn meine Grundidee dann immer noch nicht widergespiegelt wird, dann kann man anfangen auszubessern. Ich glaube aber trotzdem, dass ich eigentlich ganz gut mit Kritik umgehen kann.

MusikBlog: Stichwort eigen: Wie ähnlich bist du deiner Cartoon-Figur?

Gabriel Black: Im Gegensatz zu mir hat die Figur keine Gesichtsbehaarung. Aber den kahlrasierten Kopf, den habe ich auch! (lacht) Beabsichtigt war das aber nie. Ich hatte nur solche Probleme mit meinen Haaren und hatte es satt, mich permanent darum kümmern zu müssen. Deshalb habe ich sie komplett abrasiert. Das war ca. vor einem Jahr. Und etwa zur gleichen Zeit habe ich mich wieder dem Skizzieren gewidmet. Mein Vater war ja Künstler und hat mir schon als kleines Kind das Zeichnen beigebracht. Aber eher das klassische Zeichnen, so in Richtung der Schönen Künste. Ich hatte eigentlich nur gekritzelt und irgendwann dann auch für längere Zeit etwas den Bezug dazu verloren.

MusikBlog: Jetzt ist die Verbindung wieder da und Cartoon-Gabriel vertritt dich komplett in der Öffentlichkeit?

Gabriel Black: Ja, schon. Vielleicht trete ich eines Tages auch mal selbst in Erscheinung, aber aktuell ist es ganz cool, sich verstecken zu können. Ich finde es lustig, permanent Nachrichten zu bekommen, in denen Leute fragen, wie ich denn nun eigentlich aussehe.

MusikBlog: Wie stellst du dir dann deine Live-Konzerte vor?

Gabriel Black: Um ehrlich zu sein, bin ich noch nicht so ganz sicher! (lacht) Es wird definitiv irgendwann der Tag kommen, an dem ich live spielen werde, aber ich muss noch herausfinden, wie ich das mache. Vielleicht so wie die Gorillaz: Die stellen einfach einen riesigen Bildschirm vor sich auf, was ziemlich cool ist. Aber letztendlich denke ich, ist es egal, wenn die Leute dann wissen, wie ich aussehe. Das bedeutet ja nicht, dass ich es auch online bewerben muss.

MusikBlog: Das heißt, wir bekommen also dein wahres Gesicht vorerst nicht zu sehen, aber deine private Telefonnummer ist für jeden auf Facebook zugänglich.

Gabriel Black: So ist es! (lacht) Ich habe zwei Nummern und das ist tatsächlich eine davon. Verglichen mit z.B. privaten Nachrichten auf Instagram, habe ich das Gefühl, dass sich Menschen in Textnachrichten etwas leichter öffnen und sich mehr mit mir verbunden fühlen. Ich bin zwar nicht der Schnellste im Antworten, aber ich glaube, dass ich bisher jedem zurückgeschrieben habe.

MusikBlog: In deiner Debütsingle „Sad Boy“ sprichst du auch jemanden an.

Gabriel Black: Alle fragen mich, um welches Mädchen es sich handelt, mit dem ich da spreche, dabei ist der Song an mein altes Ich gerichtet! (lacht) “Sad Boy” erzählt von meinem Leben, und wie es in den letzten vier Jahren war, als ich permanent von einem zum anderen Ort gehüpft bin. Diese Phase hat mich sehr verändert. Natürlich kommen auch andere Menschen viel rum und entwickeln sich durch Erlebnisse weiter, aber ich glaube, nicht jeder ist so umhergehopst wie ich.

MusikBlog: Also erzählst du von deinen Abenteuern?

Gabriel Black: Eher von dem Abschnitt in meinem Leben, an dem ich mich auf dem Weg verloren habe, in meinen Reisen feststeckte und nicht wusste, was ich zuhause nennen sollte…

MusikBlog: …umgeben von Kiefernbäumen, die über einen hinauswachsen und einengen, wie es in „Pine Trees“ heißt.

Gabriel Black: Genau, ich hatte einige dieser Momente in meinem Leben: Ich habe die Schule abgebrochen, um Musik zu machen, bin damit aber nicht vorangekommen. Währenddessen haben meine Freunde ihre Ausbildung beendet und die ersten Jobs angenommen. Dann war ich Praktikant bei einigen Leuten, die im Verlauf dessen Verträge mit Plattenfirmen unterschrieben haben, während ich immer noch derjenige war, der ihnen Kaffee geholt hat.

MusikBlog: Und wie bist du aus diesem Tief rausgekommen?

Gabriel Black: Jeder hat diese Momente. Es wird immer eine Zeit kommen, in der du dich so fühlst, egal, was kommt. Ich glaube, das Wichtigste ist dann, etwas zu finden, das du wirklich liebst, dem du dich vollkommen hingeben kannst und das dich nach vorne treibt. Ich jage der Musik z.B. schon seit einer ganzen Weile hinterher und fühle mich immer noch nicht am Ziel.

Aber ich werde weiter darauf hinarbeiten und am Ende wird alles gut werden. Auch wenn es sich so anfühlt, als würde alles stagnieren – verglichen mit den Menschen, die mich umgeben. Wenn ich aber einfach dem folge, was ich liebe, dann wird es schon vorangehen, wenn auch langsam.

MusikBlog: Der Song „Freedom“ hat dich buchstäblich durch diese Zeiten begleitet.

Gabriel Black: Oh, ja! Ich habe den Großteil der Beats gemacht, als ich in New York war – das war eine wirklich dunkle Zeit in meinem Leben. Ich habe nicht vor, diese Stadt sobald wieder zu besuchen! (lacht) Auf jeden Fall ist dort die Hookline entstanden, auf die ich dann die Verse aufgebaut habe als ich zurück in Philadelphia war.

Nachdem ich dann nach L.A. gezogen bin, habe ich mit Brenton Duvall gearbeitet, der mir dann bei dem Arrangement geholfen hat. Ein gemeinsamer Freund von uns hat am Ende noch das Gitarrensolo beigetragen und dann war der Song auch endlich fertig – nachdem er durch drei Städte gezogen war!

MusikBlog: Hast du nie in Erwägung gezogen, ihn zu verwerfen?

Gabriel Black: Nein. Das liegt aber auch daran, dass ich sehr häufig nicht weiterkomme. Mir kommen ständig neue Ideen, die ich aber nicht ausarbeite, weil ich einfach zu faul bin. Ich mache dann weiter und entwickle neue Ideen, anstatt mich mit den alten zu befassen. Wenn die Grundstruktur aber etwas Cooles hat, dann komme ich irgendwann wieder darauf zurück und mache den Song dann fertig. Die meisten meiner Songs entstehen so. Nur ganz selten mache ich etwas auf Anhieb. Aktuell habe ich z.B. 30 Demos von denen ich nicht mal weiß, ob auch nur ein einziges davon jemals fertig wird! (lacht)

MusikBlog: Deine Songs brauchen also eher länger, bis sie fertig sind?

Gabriel Black: Ich glaube, es soll einfach so sein. Normalerweise setze ich mich nach ein paar Wochen wieder an meine ersten Konzepte und arbeite sie entweder aus oder verwerfe sie. „Freedom“ z.B. hatte aber einfach etwas an sich, weshalb ich immer wieder darauf zurückkam. Dieser Song entstand über die gesamte Zeit meiner Reise. Für mich behandelt er die Anstrengungen und Mühen, die mit kreativer Arbeit kommen. Dieser Moment, wenn keiner an dich glaubt und du einfach nur frei sein willst.

MusikBlog: Zwischen Kiefernbäumen eingeengt, auf dem Weg der Reise verloren gegangen und unter Druck gesetzt von kreativer Arbeit – „Beautiful Life“ sieht anders aus.

Gabriel Black: Ich finde aber wirklich, dass es ein schönes Leben ist, das ich habe! (lacht) Gut, der Titeltrack der EP behandelt Tod, Selbstmord und solche Sachen. Zugegeben, ich war etwas sarkastisch bei der Titelwahl. Aber weißt du, auf der anderen Seite habe ich versucht, alles „schön klingen“ zu lassen, von den Texten bis hin zum Sound.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

Registriere dich, um es deinen Charts hinzuzufügen oder deinen Freunden zu empfehlen.