Die Folk-Saison ist angebrochen! Dieses Jahr ist Fenne Lily wieder am Start, die seit ihrem Debütalbum „On Hold“ aus 2018 zu einem kleinen Szene-Liebling wurde. Mit „Win Win“ verarbeitet die in Brooklyn lebende Britin eine Trennung und viele Umbrüche, kommt dabei aber weder musikalisch noch inhaltlich auf bahnbrechende Erkenntnisse. Schön klingt es trotzdem.
Banjos hier, Country-Streicher dort, ein paar Steel-Gitarren und eine warme Stimmfarbe, die Experimente oder stimmliche Spitzen ausspart: „Win Win“ hält sich geflissentlich an das Genre 1×1 und fokussiert sich schnöde auf das Geschichtenerzählen und den Wohlklang.
Folk eben, so wie man ihn sich vorstellt. Die Bissigkeit des Covers ist im sanften Albumverlauf nicht wiederzufinden. Die Platte nahm Fenne Lily größtenteils live auf, was dem Wärmegefühl sehr zuträglich ist.
„Win Win“ ist ein Teetassen-in-beiden-Händen-Album, eins, dem man gerne zuhört, das aber auch eine besinnliche Hintergrund-Beschallung fürs Kürbis-Schnitzen oder Stricken ist. Kurz: Es erfüllt seine Aufgaben, macht sich dabei aber auch keine Umstände, irgendwelche Verrenkungen für die Kür zu probieren.
Im Bauch passiert aber etwas, wenn die Britin in „Franz“ über das gemeinsam Älterwerden singt, wenn „Uh Huh“ in detailliert beschriebenen Situationen vom Überwinden von Verlusten singt, wenn die verstimmten Bläser im „Cupboard Song“ sich bedrückt an das verheißungsvolle Kennenlernen zurück erinnern.
Fenne Lily kann ihre Stimme – mal alleine, oft aber auch gedoppelt oder mit sanften Background-Stimmen – so einsetzen, dass man zuhören möchte. Die beschriebenen Situationen und Gefühle sind vielleicht Allgemeinschauplätze, aber in ihrer wortgewandten Umschreibung dennoch mitreißend.
Irgendwo zwischen Lucy Dacus und Laura Marling arbeitet sich „Win Win“ an der Aufgabe ab, intime Texte mit vielschichtigem Folk auf die Bühne zu bekommen. Die Arrangements trauen es sich zu, Raum einzunehmen.
Der große Drive oder ausgefallene Moment bleibt insgesamt dann aber doch aus. Wer sich von all diesen Umschreibungen abgeholt fühlt, findet hier ein detailverliebtes Album für diesen Herbst. Das ist doch schon mal was.
