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Culk (Credit Andre Habermann)

CULK – Culk

Drei verhalten dunkle Schläge und es geht treibend los. Immer dominant die Gitarre. Verzerrt, klar, Melodie, Struktur. Schlagzeug und Bass tragen CULK vorsichtig dahin. Aber es geht gerade eh nur um eines. Um den Text. Melodisch eintönig zieht sich die Stimme von Sophie Löw.

„Gedankengefesselt – gedankenentfesselnd / schweigt sie für ihn / die Nichtworte schnüren sie zu bis obenhin / sie ist so wunderschön, verschwiegen / er kennt nur sich / sie sieht ihn nicht an / er will, dass sie muss / sie tut es ohne zu sehen / Begierde oder Scham / wie Gewitterwolken / breitet er sich aus über ihr“.

Vordergründig sind die Machtverhältnisse klar. Der Opener „Begierde/Scham“ setzt drückend und düster Akzente. Unterdrückung, Unterwerfung, Einvernehmen, Übergriffigkeit? Alles davon? Nichts davon? Die Stimmung passt zum Cover. Selbstbewusste Weiblichkeit, durch düstere Unschärfe verzerrt.

Das Stück erzeugt einen ergreifenden Sog. Dieser wird das ganze selbstbetitelte Debütalbum von CULK nicht mehr nachlassen.

Der zweite Track „Faust“ rumpelt ohne Verschnaufpause sofort los, getrieben von einem starken Bass. Das Schlagzeug ist jetzt auch vorne dabei. Die Musik verlangt die gleiche Aufmerksamkeit wie der Gesang.

Post-Punk meets Shoegaze, rauh und gewaltig. Vor allem aber erfrischend neu und modern zusammengesetzt.

„Halt mich fest / bis ich nicht mehr weiß / ob sie mich auffängt oder zerreißt“ Der Tenor bleibt düster und kryptisch. „Niemand da / niemand, der schreit / niemand, der bleibt“. Die Stimme eine Tonhöhe, kaum Modulation, trotzdem saugende Tiefe. Das junge Quartett aus Wien setzt deutlich eigenständige Akzente.

Fließender Übergang in „Faust II“. Der Stimme beraubt zeigen sie in dem Instrumental was sie sonst noch können. Treibender Rhythmus, trockene Drums, flirrende Gitarrenmelodie. Psychedelisch wechselt mit filigran.

Twin Peaks mit massivem Druck von unten. Mühsam gebremste Steigerung. Bis das Schlagzeug ausbricht und mit Gewalt in die noise-geladene Ekstase treibt.

Der Wechsel von Deutsch zu Englisch gelingt in „Salvation“, als wäre es das Natürlichste auf der Welt. Trotzdem schade irgendwie. Es bleibt lärmig bis „Chains Of Sea“. Getragen schiebt sich da Stück Tragik in den Vordergrund, bleibt aber vergleichsweise unscheinbar.

Gar nicht unscheinbar trifft „Vollendung“ tief in den Bauch. Ein weiteres Highlight der Scheibe. Langsam aufbauend zum Sound- und Gefühlssturm. Wenn Sophie Löw repetitiv „die Vollendung“ sing-schreit, geht das in die Gänsehaut.

„Velvet Morning“ wächst zum Abschluss versöhnend und mit Druck bis hinein in eine lautstark zerrende Wand aus Noise.

Definitiv eine der interessantesten Veröffentlichungen des Jahres. Schmeichlerische Harmonie vortäuschend, führt der Sound unaufhaltsam in den düster nihilistischen Zweifel. Einziges Manko – etwas länger als eine gute halbe Stunde könnte es schon sein.

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