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Julia Jacklin – Crushing

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Als Julia Jacklins „Don’t Let The Kids Win“ unbedarfte Singer-Songwriter-Authentizität mit existenzialistischer Skepsis einer Mittzwanzigerin in poesie-besuhlten, aber nie zu klebrigen Indie-Folk überführte, war klar, dass ein zweites Album hoch springen müsste, um über die Messlatte des gelungenen Debüts zu hopsen.

Im damaligen Titeltrack ahnte die Australierin vorausschauend, dass „we’re gonna keep on getting older, it’s going to keep on feeling strange“. Für sich selbst sollte sie Recht behalten.

Über zwei Jahre sind seither Jahre verstrichen. Zeit, die Jacklin dazu nutzte, um Bilanz zu ziehen. Selbst wenn sie, wie sie uns im Interview verriet, eigentlich keine Muße dazu hatte und sämtliche Songs für „Crushing“ im Tourvehikel vorschustern musste. 

Eine nicht unwesentliche Umstellung, bedenkt man, dass sich die DIY-Expertin aus Down Under für ihre Premierenplatte noch bis zu fünf Jahre für Songwriting, Produktion und Mastering rausnehmen konnte.

Was sich nun als strange herausstellt, sind die üblichen Parameter, die von einem zweiten Album auf den Plan gerufen werden: z.B. urplötzlich eigenverantwortlicher arbeiten zu können, unvorbereitet dem zwischenzeitlichen Stress einer viel gebuchten Musikerin zu trotzen und dann auch noch mit Produzenten zu arbeiten, die sich sonst nur für prämierte Big Player der australischen Rockszene wie Courtney Barnett interessiert haben.

Bleibt die Frage, ob und wenn ja, inwiefern sich Jacklins musikalische Emanzipation auf „Crushing“ tatsächlich herausschält. Die Indizien sind jedenfalls zahlreich.

In „Body“ nimmt sie Abschied von einem Leben, dessen Mittelpunkt im engen Familien- und noch engeren Freundeskreis angesiedelt war. Mit ihrer endgültigen Ankunft im bezahlten Musikerinnenmilieu ist es eine Mischung aus vertonten Polaroids, schwermütigen Erinnerungsfetzen und einer gewaltigen Portion Ohnmacht, die hier, mal hauchend, mal flehend, in ungeheuer trägen Desert-Folk transkribiert wird.

„Head Alone“ versteht sich indes als gekränkte Observation patriarchalischer Strukturen im Pop-Geschäft: „You can love somebody without using your hands“ ist so eine Zeile, bei der unweigerlich Assoziationen einer dickbäuchigen und im Gesicht glänzenden Weinstein-Karikatur ins Gedächtnis flattern.

Andere Tracks wiederum, ganz besonders „Pressure To Party“ und „You Were Right“, drehen am Regler. Hier wechselt die hochsensible Gitarristin auf grungige Stahlsaiten, um möglicherweise auch die vom Aussterben bedrohten Indie-Kids zu bedienen, während das balladeske „When The Family Flies In“ Jacklin erstmalig als zumindest halbwegs begabte Pianistin zeigt.

Insgesamt, und das ist vielleicht der einzige Vorwurf, dem sich „Crushing“ aussetzen muss, bemüht sich das Album zu sehr um die schlaftrunkene Romantisierung einer missverstandenen Singer-Songwriterin, die – natürlich! – auf nichts anderem als Barhockern Platz nimmt.

Dass das in jedem Fall verlockend sein kann, hin und wieder sogar groovt, sei keinesfalls abgestritten. In letzter Konsequenz hätte sich die Alltagspoetin mit einem Klecks mehr Tanzbarkeit jedoch ein weiteres Sternchen verdienen können.

Die dancing shoes qualmen also noch vom Vortag aus, wenn Julia Jacklin im April durch hiesige Locations streift. Weil’s bis dahin aber wieder wärmer ist, tun’s auch die luftigen Sonntagslatschen. Alles bloß Trendfrage.

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