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Nach müde kommt meisterlich – Julia Jacklin im Interview

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Von der Ölfabrik aufs Primavera – viel Zeit blieb Julia Jacklin nicht, um zu realisieren, was für einen Aufstieg sie hingelegt hatte. Schon mit ihrem Debüt „Don’t Let The Kids Win“ hinterließ die Australierin ein eindrucksvolles Portfolio für die Aufnahme in die Beletage des Indie-Folk.

Nun erscheint nach zweijähriger Wartezeit ihr Nachfolger „Crushing“, den die Singer-Songwriterin ab April auch hierzulande auf die Bühne bringt. Mit MusikBlog sprach sie nicht nur über die Bürden des verflixten zweiten Albums, sondern auch darüber, was ihr an Deutschland so gefällt.

MusikBlog: Julia, dein neues Album hat diesen assoziationsreichen Titel: „Crushing“ kann von „erdrückend“ über „vernichtend“ bis hin zur Tatsache, dass man unerwidert verknallt ist, ja eine Menge bedeuten. Ist es möglich, dass die Zeit nach deinem Debüterfolg nicht immer nur rosig war?

Julia Jacklin: Mein ganzes Leben hat sich auf einen Schlag verändert – und das zum Teil dramatisch. Für mich war es eine wahnsinnige Herausforderung, mich an den Alltag einer Berufsmusikerin zu gewöhnen. Wenn man diesen Stress nicht kennt, bemüht man sich erstmal, der ständigen Müdigkeit zu trotzen und irgendwie den Kopf über Wasser zu halten – vor allem auf Tour. Es fehlt die Zeit. Für „Crushing“ habe ich deshalb alle Songs on the road geschrieben.

MusikBlog: Für viele Acts ist das zweite Album immer so eine Art Katharsis, weil sich nach Aussage der meisten Künstler*innen viel selbstbestimmter produzieren lässt als bei einem Debüt.

Julia Jacklin: Absolut! Bei „Don’t Let The Kids Win“ war ich noch sehr viel machtloser. Ich hatte zuvor ja noch nie ein Album aufgenommen. Klar, dass deine Meinung dann unterm Scheffel der Produzenten steht. In den letzten zwei Jahren bin ich aber ein grundsätzlich viel selbstbewussterer Mensch, eine viel selbstbewusstere Musikerin geworden. Irgendwie ironisch, wenn man bedenkt, dass so viele Leute auf mich zukommen und meinen: „Macht dir das nächste, das verflixte zweite Album keine Sorgen?“ Da denk ich immer nur: „Wieso sollte es? Schlimmer als beim ersten Album kann’s nicht werden.“

MusikBlog: „Crushing“ zeichnet zehn tiefschürfende Momentaufnahmen, die sich auch mit menschlichem Versagen und emotionalen Zusammenbrüchen auseinandersetzen. Nun leben wir in einer Welt, in der so viele Menschen eine Menge daran setzen, unverwundbar, stark und abgeklärt rüberzukommen. Woher kommt die Ehrlichkeit, deine Verletzlichkeit in solchen Zeiten so unvermittelt zu offenbaren?

Julia Jacklin: Ich bin nicht Musikerin geworden, um anderen zu sagen, was sie denken, tun oder fühlen sollen. Um ehrlich zu sein, denke ich nicht mal darüber nach, ob ich mich verletzlich zeige oder nicht. Ich denke nicht mal darüber nach, ob es überhaupt wert wäre, das nach außen zu projizieren. Dass es da draußen Menschen gibt, die meine Musik hören und so empfinden, verändert natürlich meine Sicht auf einzelne Songs. Während des Songwritings und der Produktion blende ich solche Gedanken aber kategorisch aus.

MusikBlog: Wie war eigentlich die Zusammenarbeit mit Produzent Burke Reid, der auch schon Weggefährtinnen wie Courtney Barnett zu ARIA-ausgezeichneten Alben verholfen hat?

Julia Jacklin: Ganz großartig! Ich weiß, die meisten würden das von ihrem Produzenten behaupten, selbst wenn es nicht einmal so wäre, aber Burke ist von einem außergewöhnlichen Schlag. Er hat ganz klar die Grenzen meiner für möglich gehaltenen Fähigkeiten erweitert. Das Schönste ist, dass er sich dabei zu jedem Zeitpunkt meinen Songs verpflichtet hat, ohne mir vorschreiben zu wollen, was man ändern könnte.

Wenn meine Autonomie als Künstlerin derart unberührt bleibt, dann ist das ein Privileg, das heutzutage ziemlich rar ist. Burke ist ein akribischer Perfektionist, der solange am Mischpult sitzt, bis du bekommst was du willst – ohne das ich das im Vorfeld manchmal selbst wüsste. (lacht) Im Studio kam’s immer wieder vor, dass ich übermüdet oder einfach unkonzentriert war. Gerade in diesen Momenten hat Burke es geschafft, mich dazu zu bewegen, über mich selbst hinauszuwachsen.

MusikBlog: Also ist’s ihm zu verdanken, dass wir dich auf „When The Family Flies In“ zum ersten Mal am Piano hören?

Julia Jacklin: Eigentlich war das ein Tag wie jeder andere. Ich wollte den Song mit der Gitarre einspielen, musste mir dann aber eingestehen, dass er etwas anderes brauchte. Völlig gefrustet habe ich natürlich erstmal meinen Beruf infrage gestellt. Gut, war vielleicht auch bloß die Müdigkeit. (lacht) Burke meinte, ich solle es am Piano versuchen. Das funktionierte erstaunlich gut, obwohl ich gar keine geübte Klavierspielerin bin. Trotzdem hat’s sich richtig angefühlt. Jetzt muss ich halt meine Piano-Skills trainieren. Das ist okay!

MusikBlog: Also hören wir in Zukunft viele weitere Piano-Balladen von Julia Jacklin?

Julia Jacklin: Naja, mal sehen.

MusikBlog: Was ganz anderes: Die Videoclips zu „Head Alone“ und „Body“ wurden beide im Blau-Orange-Kontrast aufgenommen, der ja gerade für Hollywood-Filme sehr typisch ist. Dieser komplementären Farbharmonie sagt man nach, sie könne bestimmte Emotionen auslösen. Eine bewusste Entscheidung?

Julia Jacklin: Oh, das müsste ich Nick fragen – ein alter Kumpel aus Kindertagen, der sich um meine Clips kümmert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er das bewusst macht, auch wenn er ziemlich farbversessen ist. Ich werd’s aber aus ihm rauskriegen!

MusikBlog: Ich hab gelesen, dass du mit „Crushing“ auch deine Ängste loswerden wolltest, die sich durch den plötzlichen Erfolg deines Debütalbums und dem damit verbundenen Trubel um deine Person eingestellt haben. Nun ist es erwiesen, dass Ängste aber zu unglaublichen Kreativleistungen animieren können. Nicht müssen, aber können. Zwickmühle?

Julia Jacklin: So habe ich noch gar nicht darüber nachgedacht. Guter Punkt! Angst kann in vielen Fällen sehr hilfreich sein, doch unterm Strich ist sie vor allem ziemlich scheiße. Ich weiß gar nicht genau, wie ich die Frage beantworten soll. Aber ja: Auch Ängste haben mir dabei geholfen, diese Platte aufzunehmen.

MusikBlog: Im April geht’s für dich auch hierzulande wieder auf Tour. Worauf freust du in Deutschland besonders?

Julia Jacklin: Was ich an euch Deutschen wirklich außerordentlich finde, ist eure Ehrlichkeit. Wenn ich ein Konzert gespielt und mich danach mit den Leuten unterhalten habe, wurde mir für Gigs nie der Bauch gepinselt. Das ist erfrischend. Die Deutschen sind immer sehr straight, sagen was sie denken, wie sie’s fanden und manchmal sogar, was hätte besser sein können. Ich denke, das einfach euer Ding.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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