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Low – Live im Sankt Peter, Frankfurt

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Low sind keine 30 mehr und doch noch immer von zukunftsweisender, tragfähiger Bedeutung. Ihr streitbares aktuelles Album „Double Negative“ fiel bei manchem Fan und Kritiker durch, andere sortierten es in ihren Jahresbestenlisten weit vorne ein.

Fest steht: die Band stand in Feuilletons und alternativem Popkultur-Jargon jederzeit im Diskurs – und im audiophilen Wohnzimmern noch häufiger im Plattenregal. Umso erstaunlicher ist es, dass Low bei der Jugend so völlig abgemeldet scheinen.

Denn das situierte Publikum in der Jugend-Kultur-Kirche Sankt Peter hat die 30 im Schnitt auch schon deutlich hinter sich. Ein paar erfreuliche Ausnahmen sitzen vor der ersten Reihe des teilbestuhlten Konzertsaals auf dem Fußboden und sehen von der minimalistischen Lichtshow noch gerade die oberen Leuchtstoff-Röhren.

Im steilen Winkel können Sie dafür Alan Sparhawk – in den seltenen Momenten, in denen ein Stroboskop sein Gesicht erhellt – durch die Nasenlöcher in das Kreativzentrum blicken, wo er seit 27 Jahren seinen Plan von Slow-Core mal elektronisch, wie im eröffnenden „Dancing And Blood“, und mal folkig-reduziert, wie in „Plastic Cup“, in alle Richtungen auswalzt.

Dazwischen liegt Herzergreifendes („Nothing But Heart“) und postwendend Widerspenstiges („Quorum“), vornehmlich von Lows aktueller Platte, die klar die Oberhand besitzt. Sparhawk malt dabei mit Tausend und Einer Effekt-Farbe ein herrliches ausgefuchstes Panoptikum für Gitarren-Sound-Fetischisten.

Seit 1993 betreibt Sparhawk Low zusammen mit Mimi Parker am Schlagzeug, mit der er verheiratet ist und die sich beide zur Glaubensrichtung der Mormonen zählen. Seit 2008 komplettiert Steve Garrington das Trio als neuer Mann am Bass, der sich immer wieder elegant um sein Instrument windet. Für „Do You Know How To Waltz“ zeigt er, wie voluminös das klingt mit dem Viersaiter als Shoegaze-Gitarre.

Es ist ein mondäner Auftritt, der sich in seinen Gegensätzen zusätzlich befruchtet. Von außen sieht die Sankt-Peter-Kirche aus wie ein ganz normales Gotteshaus, von innen wie ein alternativer Konzertsaal für Expertenpublikum und Theateraufführung, mit Mormonen aus der Zukunft für die Jugend von gestern.

Räumlich und musikalisch ein zärtliches Spiel brutaler Kontraste. Und Mimi Parker ist wahrscheinlich die beste Sängerin, die sich je hinter einem Schlagzeug begnügte.

Dass das spartanische Licht der drei Röhren-Rollups im Rücken der Band mehr als nur programmierte Visuals produziert, sondern vielmehr kleine Videos abspielt, lässt sich ob des groben Auflösungsrasters nur selten auf der Bühne aber jederzeit am projizierenden Laptop am Mischpult erkennen.

Es ist eines der vielen versteckten Details, die sich so leicht übersehen und überhören lassen, wenn die Aufmerksamkeit nur kurz abschweift. Wer sie entdeckt, freut sich so diebisch, wie Amelie im Kino ihrer fabelhaften Welt.

In einer der wenigen Ansagen bedankt sich Sparhawk kurz vor Schluss entsprechend reizend: „Thank you for coming, you keep us alive, you keep feeding our children.“ Das wäre dann auch das Mindeste und sollte unbedingt die Jugend erreichen.

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