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RY X – Unfurl

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Ry Cuming ist ein Musiker, ach was, UNIVERSALESOTERIKER!, der selbst viel von dem versteht, was er in Interviews ausnahmslos verklagt: Kommerzialisierung und Weltentfremdung.

Selbst Sex und Musik stellen für den freigeistigen Down-Under-Exilanten gewissermaßen Laster dar. Seine Gute-Nacht-Lektüre: Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben. 

Was auch sonst? Den Titel „Wie wir unsere menschlichen Probleme lösen“ – eine Achtsamkeitsbroschüre, die den buddhistischen Seinszugang der Vier Edlen Wahrheiten in ein Taschenbuch bulimiert – hatten ja bereits Belle & Sebastian fürs letzte Album beansprucht.

RY X (das „X“ steht für alternativ!) ist so etwas wie der Christopher McCandless der streichelzarten Musikszene zwischen Lagerfeuer-Akustik, Independent-Masche und Electronica-Exkursen.

Letztere nämlich haben dem Australier in der Vergangenheit an der Seite von House-Produzent Frank Wiedemann erstmalig zu Verkaufszahlen verholfen, mit denen sich ein Lebensstil abseits von UV-Licht, Yoga und der Macht der Sterne finanzieren lässt. 

Kurz darauf, es war das Jahr 2013, erschien übrigens „Berlin“, Cumings rührselige Hauptstadt-Hommage, die danach schon bald in die Fänge von Sony geriet. Der Song passte einfach spitzenklasse in die Kampagne eines 4K-TVs, für dessen Werbespot übrigens Billionen über Billionen Blütenblätter durch die unbefleckten Vulkanberge Costa Ricas gepustet wurden. 

Kurzum: Wenn RY X eines unwahrscheinlich gut verinnerlicht hat, dann ist es die Pose.

Dass sein neuestes Werk nun wiederum mit einem sinnlich-naturbelassenem Namen wie „Unfurl“ hausiert, war absehbar und passt zum der Übernatürlichkeit untergebenem Schwulst des Singer/Songwriters, der – noch mehr Selbstkarikatur ist eigentlich kaum möglich – behauptet, bei Vollmund zum Tier zu werden.

Zunächst mal heißt uns das Album im Intro „Body (Ambient)“ mit dramatischen Streichern willkommen, die eigentlich bloß dazu da sind, um keinen Zweifel daran zu lassen, dass der lonesome ranger durch die Welt zieht, um sich verloren geglaubter Ideale zurückzubesinnen.

Und natürlich, um uns zu offenbaren, und das ist freilich das Wichtigste abseits seines Einklangs mit den höheren Mächten der Natur, dass er leidet.

Danach taumeln wie in „Untold“ analoge Minimal-Beats neben Cumings ätherischem Falsett, während aus der Ferne unheilverkündende Bläser blasen – so deep. Sanfte Pickings aus „Bound“ oder „YaYaYa“, gepaart mit den mehrstimmigen Call-und-Response-Chören der Freiheit bieten neben den indigen anmutenden Marimba-Anschlägen in „To Know“ immerhin den perfekten Soundtrack für die nächste Ayahuasca-Session mit Edward Sharpe and the Magnetic Zeros.

Viel zu vieles wirkt auf „Unfurl“ leider wie uninspirierte Abkupferungsmechanik: Man denkt an den Elektrosoul von Rhye, den Sophisti-R&B von Her, stellenweise aber leider auch an den radiotauglichen Belanglosigkeits-Pop von Milky Chance, der nicht einmal durch RY Xs eigentliche Kernkompetenz, den akustischen Indie-Folk – wie er etwa in „Hounds“ zu hören ist – aufgewogen werden könnte.

Schwer zu sagen, wo sich Cuming mit „Unfurl“ entfalten wird. Sein nächstes Horoskop wird ihm dazu einiges verraten.

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