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Marsimoto – KEINE INTELLIGENZ

Wenn Marsimoto am 1. April 2024 kurz nach Mitternacht auf das Brandenburger Tor herab geblickt hätte, dürften ihm Tränen in den Augen gestanden haben: Tausende legale Kiffer und – ob Marsianer oder nicht – der Polizeipräsident sperrt niemanden mehr weg.

Aber vielleicht braucht es Gras für alle, um das, was der Menschheit in der Zukunft blüht, erträglich zu machen. Der Grüne nutzt seinen Abschied für eine Abrechnung mit deren Beitrag zum Niedergang ihres Heimatplaneten und prognostiziert düstere Zeiten für eine „Heile Welt“, die schon längst keine mehr ist.

Ob die KI-Machtübernahme im Titeltrack “KEINE INTELLIGENZ”, der Ausblick via „Dip Ma Dengue“ auf die nächste Pandemie oder in Erwartung eines „Animal Tzunami“ – die Hoffnung auf bessere Zeiten ist begrenzt. Insofern wird Marsimoto seinen Abgang verkraften, zumindest Alter Ego Marteria leistet auf der Erde weiter Beistand.

Der hilft wie viele andere, selbstverständlich Kid Simius, aber auch DJ Koze und Sido, seinem letzten musikalischen Lebenszeichen einen Marsi-würdigen Rahmen zu verleihen, in dessen der Außerirdische gewohnt philosophisch über kausale Zusammenhänge reimt.

„Colors“, „Washington P.c.“ und „My Big Fett Green Edding“ können als Referenztracks gelten, die Beats schauen bei Dancehall, Reggae, Bigbeat und Jungle vorbei und dennoch: vielleicht war der „Mushroom NO. 5“ dann doch der eine zu viel, denn per „Green Pangea“ oder „Anarchie“ gab es schon Nummern, die mehr wüteten.

„Das menschliche Auge nimmt von Grün mehr Schattierungen wahr als von anderen Farben”, erfährt man, und dass seine Leitkolorierung so oft genannt wird wie auf allen Platten vorher zusammen, wird helfen, die Erinnerung an die schöne Zeit von „Halloziehnation“ bis „Verde“ wach zu halten.

„Das Gehirn“ aller Geisteskranken, dem einen sauberen Dixi-Klo und dem Flüchtlingsheim in MV, produziert mit „Rauchender Nils“ ganz sicher kein Auftragswerk für das Gesundheitsministerium, quietscht munter mit dem Filzstift, feiert via „Ich Küsse Eure Lieder“ den eigenen Nachlass und schlendert lässig die „Abbey Road“ hinunter – bis es soweit ist.

„Kein bis bald, alles Gute hat ein Ende“: der „Greenstar“ pitcht am Schluss einen semi-sentimentalen Tränenzieher raus, der nicht nur in Astrid Lindgrens Augen für Pipi reichen dürfte, ein Gitarrensolo später ist Marsimoto der am weitesten entfernte Stern. Leb wohl, grüner Freund.

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