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LP – Love Lines

Wer macht schon sieben Platten lang herausragende Musik? Dass Ausnahmetalent LP auf Album Nummer 7 “Love Lines” recht vorhersehbaren Pop veröffentlicht, ist kein großes Drama. Gut anhören kann man die Platte trotzdem – zumindest ab einem gewissen Punkt.

Und das liegt, ganz klar, an diesem unglaublichen Timbre. Das schneidet regelmäßig quer durch diverse Hautschichten, ist oft wirklich unvergleichlich schön und mindestens außergewöhnlich. Einziges Problem: LP haut den Hörer*innen diese Stimmgewalt aber so maßlos um die Ohren, dass man kaum noch Luft bekommt.

Gerade in der ersten Album-Hälfte ist für Durchschnaufen da gar keine Zeit, so oft wirft sich LP in das nächste übergroße Finale. Beim Opener “Golden Rock” klingt das nach kitschigem 00er Jahre Pop, bei “One Like You” wird es dramatisch wie in der größten 80er-Ballade. Geschmackvoll ist das nicht immer, aber dafür mit ganz vielen Ausrufezeichen versehen.

Fragezeichen kommen dafür an anderer Stelle, wenn “Dayglow” plötzlich das Worst-Of der Songwriting-Fehltritte von vorhersehbarem Pop der Marke Katy Perry und P!nk rauskramt oder “Hola” mit fragwürdigem Latin flirtet. Experimente, die man mögen muss.

Gerade will man der Produktionsunterstützung Ashton Irwin (5 Seconds Of Summer), Andrew Berkeley Martin (Palaye Royale) und Matthew Pauling auf die Finger hauen, da nimmt die Platte eine überraschende Wendung.

Was die kleinen Chöre von “Wild” andeuten, kommt nämlich ab Song 8 auch öfter zum Vorschein: Songwriting statt reiner Fokus auf eine überdimensionale Stimme. “Love Song” etwa hat einen wirklich modernen, spannenden Beat im Gepäck. Und auch sonst ist diese Hälfte das Musik gewordene “weniger ist mehr”.

Denn LP ist ohnehin ein*e großartige*r Musiker*in, da braucht es nicht immer das große Feuerwerk. Mit pointierten Streichern in “Blow”, sanften Chor-Arrangements in “Big Time” und Akustik-Kuscheleinheiten in “Hold The Light” findet das Album einen mehr als würdevollen Schlusspunkt.

Ob Fan oder Neuzugang: Bei dieser Platte ruhig mal nicht vom Anfang reinhören. Manchmal kann man sich eine Vorspeise auch schenken.

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