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Die letzten Jahre waren wirklich hart – Amanda Palmer im Interview

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Wer die musikalische Karriere von Amanda Palmer aufmerksam und intensiv verfolgt, der weiß, dass die US-Amerikanerin mit der freizügigen Attitüde seit der Veröffentlichung ihres letzten Studioalbums „Theatre Is Evil“ im Jahr 2012 keinesfalls auf der faulen Haut lag. Ganz im Gegenteil. Involviert in zahlreiche Nebenprojekte (eigene Autobiografie, Kollaboration mit Papa Jack Palmer, David-Bowie-Tribute-EP), hatte die Ex-The-Dresden-Dolls-Frontfrau reichlich zu tun. Diese Woche Freitag erscheint nun auch endlich das neueste Studiowerk namens „There Will Be No Intermission„. Wir trafen Amanda Palmer zum Interview und sprachen mit ihr über schwere Zeiten, Authentizität und nackte Tatsachen.

MusikBlog: Amanda, sieben Jahre zwischen zwei Studioalben sind eine verdammt lange Zeit. Warum waren dir in der Vergangenheit andere kreative Baustellen wichtiger?

Amanda Palmer: Das ist schwer zu beantworten. Ich würde gar nicht sagen, dass mir andere Projekte unbedingt wichtiger waren. Sie waren in den jeweiligen Momenten einfach nur präsenter als die Vorstellung ein neues Studioalbum in Angriff zu nehmen. Es ist schon komisch, eigentlich hatte ich überhaupt nicht vor, ein neues Album aufzunehmen. Aber in den vergangenen Jahren haben sich so viele Gefühle und Emotionen angesammelt, die ich immer wieder in neuen Songs verarbeitet habe. Irgendwann hatte ich einfach das Bedürfnis, all das Gesammelte zusammen zu fügen. Das markierte dann den Startpunkt von „There Will Be No Intermission“.

MusikBlog: Wenn du von so vielen Ereignissen, Gefühlen und Emotionen sprichst, erübrigt sich wahrscheinlich die Frage nach dem Grund für den Albumtitel, oder?

Amanda Palmer: Es ist in der Tat so, dass ich mich in den vergangenen Jahren so gefühlt habe, als wenn es keine Zeit zum Luftholen gab. Und das nicht nur, weil ich in so viele Projekte involviert war. Ich habe auch auf der privaten Ebene Einiges durchlaufen müssen. Letztlich bin ich total froh, dass am Ende dann dieses Album entstanden ist. Der Entstehungsprozess war wie eine Therapie für mich. Die Arbeit an „There Will Be No Intermission“ hat mir unheimlich viel Kraft gegeben.

MusikBlog: Trete ich dir zu nahe, wenn ich dich nach…

(unterbricht mich)

Amanda Palmer: Nein, überhaupt nicht. Ich bin froh, wenn ich all das Erlebte mit Leuten teilen kann – sei es nun durch die Songs oder in Gesprächen. Ich habe drei Abtreibungen und eine Fehlgeburt hinter mir. Hinzu kommt, dass ich einen meiner besten Freunde an Krebs verloren habe. Die letzten Jahre waren wirklich hart.

MusikBlog: Hart ist noch untertrieben.

Amanda Palmer: Es war wirklich nicht einfach. Aber die Musik half mir dabei, wieder Fuß zu fassen. Das neue Album ist das mit Abstand persönlichste Werk meiner bisherigen Karriere.

MusikBlog: „Voicemail For Jill“ hinterlässt in meinen Augen die größten emotionalen Spuren. War das Schreiben dieses Songs deine bis dato größte Songwriting-Challenge?

Amanda Palmer: Das kann man so sagen. Ich habe mich in der Vergangenheit schon oft mit dem Thema Abtreibung auseinandergesetzt. Ich hatte aber immer das Gefühl, noch nicht bereit zu sein. Dieses Thema ist so komplex. Und doch steht man als Frau, von der Entscheidung bis zum Arzttermin, alleine da. Natürlich sind da Menschen, die einen unterstützen.

Aber dieses Gefühl der Ohnmacht, der Angst und auch der Scham, das von außen immer wieder befeuert wird, lässt sich nicht so einfach teilen. Ich bin froh, dass ich es jetzt endlich geschafft habe. Dieser Song ist nicht nur für mich, oder die Freundin von mir, deren Leidensweg mich ein weiteres Mal zum Schreiben über dieses Thema inspiriert hat. Dieser Song ist für alle Frauen.

MusikBlog: Neben dem Album, erscheint auch ein aufwendig gestaltetes Fotobuch. Welche Geschichte steckt dahinter?

Amanda Palmer: Das Fotobuch entstand eher zufällig. Ich lebe ja mit meiner Familie in New York. Dort in der Nähe (Upstate New York) sind auch die Fotografen von „Kahn & Selsnick“ ansässig, die diese wunderschönen, zeitlosen Porträts anfertigen. Ich habe dort einfach angefragt, und wollte wissen, ob man eventuell ein paar Fotos fürs Artwork gestalten könnte. Daraus entstand dann eine komplette Kollektion. Irgendwann waren dann so viele schöne Aufnahmen am Start. Da kam uns dann die Idee mit dem Buch.

MusikBlog: Du posierst in dem Buch des Öfteren komplett nackt. Was genau willst du damit ausdrücken?

Amanda Palmer: Ich weiß nicht. (lacht) Nein, im Ernst: Es geht mir einfach um die pure Form der Ehrlichkeit. Nichts ist befreiender als zu dem zu stehen, was ist. Das habe ich früher schon mit den Dresden Dolls so praktiziert. Damals war ich 25 und extrem laut. Heute bin ich 42 und nicht mehr ganz so laut. Aber ich bin immer noch ich: authentisch und ehrlich. Es gibt in diesen Zeiten nichts wichtigeres, als ehrlich zu sein.

Mit dem neuen Album und dem Fotobuch geht es mir nicht um gute Kritiken, oder darum, möglichst viele Tonträger zu verkaufen. Das war noch nie mein Antrieb. Diesmal spielt es aber eine noch kleinere Rolle. Es geht einzig und allein um Ehrlichkeit. Ich denke, dass wir von authentischen und ehrlichen Gedanken und Gefühlen – gerade in diesen Zeiten – gar nicht genug bekommen können.

MusikBlog: Da ist was dran.

Amanda Palmer: Definitiv.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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