Das seit neuestem aus zwei Alben bestehende Oeuvre der Band Ten Fé drängt einem ein kleines Gedankenexperiment geradezu auf. Soviel vorweg, es geht dabei um den Zusammenhang zwischen dem Entstehungsort einer Platte und dessen Sound.

So konnte man vor zwei Jahren, als „Hit The Light“, das Debütalbum des Londoner Duos erschien, so gut wie allen Besprechungen desselben entnehmen, dass sich die elektronische Färbung des Singer-Songwriter-Sounds darauf vollkommen natürlich und konsequent aus dem Umstand ergebe, dass dieses in Berlin aufgenommen wurde, dem Mekka aller Elektro- und Techno-Anhänger.

Klingt logisch, soweit so gut. Versucht man allerdings, diesen für das erste Album so gut funktionierenden Schluss, vom Arbeitsumfeld auf das musikalische Produkt auch auf das neue Ten Fé-Werk anzuwenden, bringt man sich unter Umständen ein klein wenig in Bedrängnis.

Warum? Ben Moorhouse und Leo Duncan haben „Future Perfect, Present Tense“ nicht etwa in den Straßen von Nashville oder Paris geschrieben, sondern in einer leerstehenden Führerscheinstelle mit nur nach außen durchsichtiger Glasfront.

Hört man dann in die Platte, finden wir da tatsächlich quasi keine der vermeintlich berlinerischen Elektro-Einsprengsel mehr. Ob der klassische Band- und Songwritersound, den wir stattdessen bekommen, allerdings auf den Blick der Musizierenden durch eine halbdurchlässige Fensterscheibe zurückgeht, ist zumindest fraglich.

Zu oft hat man diese Art bewusst entspannter Backbeats, Achtelbässe und geschrubbte Akustikgitarren gehört, die Folk-Rock-Melodien à la Fleetwood Mac fundamentieren, als dass man ernsthaft glauben könnte, sie gingen zwangsläufig auf architektonische Spezifika wie diese zurück.

Der Trumpf und gleichzeitig die alles zusammenhaltende Klammer des Albums ist seine Stimmung. Man weiß nie so genau, ob die 11 Songs unwiderstehlich dancy, leicht melancholisch, tieftraurig oder eben alles zusammen sind.

„Future Perfect, Present Tense“ ist also definitiv kein Ausbund unkonventioneller Verrücktheiten. Das Album funktioniert am Ende aber nicht nur trotzdem, sondern steht – obwohl es in Sound und Instrumentierung eben wenig Neues anzubieten hat – als ein interessantes da.

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