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Als hätte ich das Umfeld für einen Filmplot erschaffen – SOAK im Interview

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Bridie Monds-Watson ist 22 und nennt sich Soak. Nachdem ihr erstes Album „Before We Forget How To Dream“ vor vier Jahren alle Erwartungen übertraf, steht jetzt ihr zweites in den Startlöchern. „Grim Town“ heißt das neue Album, mit dem Soak den Diskurs ihrer Generation über Ehrlichkeit, Authentizität und Offenheit in Zeiten von sozialen Medien und politischen Krisen weiterführen will. MusikBlog redete mit Soak über den Druck, der „Grim Town“ erst zum Leben erweckte, über Pokemon und die Ironie in ihrer Musik.

MusikBlog: Hey Bridie, wie geht’s? Ich muss gestehen, dass ich bim Googlen erst nicht auf dich gestoßen bin, sondern auf eine Pokemon-Attacke. „Soak“ muss wohl irgendetwas mit Wasser-Typen zu tun haben.

Soak: Oh, kann Schiggy (ein Schildkröten-Pokémon mit dem Typ Wasser – Anm. d. Red.) das? (lacht)

MusikBlog: Bestimmt! Eigentlich kommt dein Name ja von der Fusion aus Soul und Folk. Jetzt klingt deine Musik aber eigentlich weder nach dem einen, noch nach dem anderen. Woran liegt’s?

Soak: Irgendwann entschied ich mich dazu, allein Musik zu machen, statt mit meinen Freunden in einer Cover-Band abzuhängen. Da musste dann halt auch ein Name her, weil ich es ziemlich langweilig fand, nur mit meinem echten Namen aufzutreten. Ich wär mit jedem Pseudonym zufrieden gewesen und meine Mum hat dann irgendwie Soak vorgeschlagen. Die Bedeutung kam eigentlich nur von ihr, aber der Name hat mir gefallen. Der Klang gefällt mir. Mittlerweile wünsche ich mir aber schon, diese Geschichte hätte etwas mehr mit Schiggys zu tun. Kann man nicht ändern.

MusikBlog: Und trotzdem haben Pokemon und dein aktuelles Album „Grim Town“ einige Gemeinsamkeiten. Beide lösen – jedenfalls in mir – ein Gefühl der Nostalgie aus. War das so gedacht?

Soak: Ich habe nicht aktiv darauf abgezielt, aber ja, irgendwie schon. Das Wichtigste für mich war, meine damalige Gefühlslage in Musik zu bündeln, das, was in meinem Gehirn vor sich ging. Weil ein großer Teil davon mit meinem heranwachsenden Ich zu tun hatte, ließ sich ein bisschen Nostalgie kaum vermeiden. Musik muss für mich immer eine träumerische Qualität haben, die Instrumente jedenfalls und am Ende wird dann vieles nostalgisch, aus Versehen.

MusikBlog: Dinge, die schon lange im Kopf herumgeistern, endlich anzusprechen hat per Definition dann sicher etwas Nostalgisches.

Soak: Genau, ich gehe in meinen Erinnerungen auf, um Musik daraus zu machen.

MusikBlog: Das Konzept von „Grim Town“ ist sehr spezifisch, schon das Intro wirkt mehr wie ein Prolog. Das klingt alles so, als hättest du die gleichen Vorbereitungen getroffen, die ein Autor treffen muss, bevor er ein Buch schreibt.

Soak: Es war wirklich so, als hätte ich das Umfeld für einen Plot erschaffen, einen Filmplot. Irgendwie war’s aber auch das totale Gegenteil. Ich fühlte mich zu Beginn der Aufnahmen total verloren, hatte keine Ahnung, was ich schreiben sollte aber verspürte großen Druck, etwas Gutes zu schreiben. Mein erstes Album war relativ erfolgreich, beim zweiten wollte ich niemanden enttäuschen.

Den Druck konnte ich nur abschütteln, indem ich mich darauf konzentrierte, warum ich überhaupt damit angefangen hatte Musik zu machen: Ich wollte meine Gedanken verarbeiten und mich selbst ausdrücken. Mein Kopf fühlte sich wie ein dunkler Ort an zu der Zeit und daraus entstand „Grim Town“. Ich brauchte einfach eine tatsächliche, physische Version meiner inneren Unruhen, mit denen ich mich auseinandersetzen konnte.

MusikBlog: Um die Gefühle aus dem Kopf zu verdrängen?

Soak: So konnte ich mir meine Probleme anschauen, als wären sie nicht meine eigenen. Für einen großen Teil des Albums habe ich mit mir selbst geredet, gleichermaßen mit Leuten, die in der gleichen Situation stecken. Ich wollte die Person sein, die mir in meiner Depression gefehlt hat. Ich wollte fliehen und gleichzeitig die Konfrontation suchen. Erst als „Grim Town“ dann wirklich vor mir stand, fand ich meinen Weg aus dem Labyrinth.

Ehrlichkeit über die eigenen Erfahrungen half mir dabei, meine inneren Knoten zu lösen. Die Scheidung meiner Eltern, das Tourleben, all die Dinge, die einer jungen Person passieren, wenn sie andauernd weg ist. Davon befreit konnte ich mich wieder leicht fühlen.

MusikBlog: Fast ein zweites erstes Album.

Soak: „Grim Town“ klingt total anders als mein Debütalbum, aber irgendwie sind beide für mich Coming-of-Age-Alben, beide erste Alben.

MusikBlog: Was den Sound angeht, ist „Grim Town“ allerdings nicht annähernd so düster, wie man vielleicht erwarten könnte. Woher dieser Kontrast?

Soak: Wenn es um ernste Dinge geht, mache ich gern einen Witz draus. Das Album sollte die Leute nicht in einer schwarzen Wolke der Traurigkeit verlieren. Wenn ich ehrlich sein will, muss ich auch sarkastisch sein, das bin nun mal ich. Viele der Lieder kontrastieren sich also in Sound und Text. Das soll dem Zuhörer zeigen, dass das Thema vielleicht düster und tief, aber eigentlich doch alles ok ist.

MusikBlog: „Everybody Loves You“ ist da so ein Paradebeispiel. Man könnte fast denken, du redest im Song mit dir selbst.

Soak: Das ist die Idee dahinter. Am Ende kommt die Bridge und steht als krasser Kontrast zu den restlichen 75 Prozent des Songs, in denen es eigentlich nur um Verdrängung geht. Ich habe mich selbst bewusst angelogen, und aus der Perspektive ist der Song auch geschrieben. Es hat Spaß gemacht, diesen Track zu schreiben, weil ich wirklich ziemlich gut darin bin, mich selbst anzulügen und das bockige Kind zu spielen, das anderen ihr Spielzeug nicht gönnt.

MusikBlog: Ist die Introspektive die einzige Perspektive, die man bei dem ganzen Kram, der in der Welt momentan vor sich geht, einnehmen kann?

Soak: Was Brexit und so angeht? Auch wenn ich mich bewusst dagegen entschieden habe, irgendetwas explizit anzusprechen, orientiert sich mein Songwriting immer sehr stark an den Gefühlen in der Gesellschaft. Momentan ist die Welt nicht gerade in der besten Verfassung und irgendwie ist „Grim Town“ auf jeden Fall auch Brexit, die USA, die Welt. Es ist zwar ungewollt, aber es passt. Ich war depressiv, und die Welt war’s auch.

Mir gefällt aber, dass „Grim Town“ zu einer Zeit rauskommt, in der viele Menschen mitfühlen können, worum es auf diesem Album geht. Die Vorurteile gegenüber geistiger Gesundheit und Angst, über seine eigenen Gefühle offen zu sprechen, sind Themen, die mir am Herzen liegen. Auf meinem ersten Album war ich nicht selbstbewusst genug, hab meine Texte genuschelt. Jetzt wollte ich ehrlich sein, und konnte ehrlich sein. Hoffentlich hilft es Leuten dabei, das gleiche zu tun. Ich will die Angst davor abbauen, das ist wohl die Idee.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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