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Dieses Interview bietet dafür nicht den Rahmen – Lena im Interview

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Der große Rolf Dieter Brinkmann schrieb einmal: „Zwischen / den Zeilen / steht nichts / geschrieben. / Jedes Wort / ist schwarz / auf weiß / nachprüfbar“. Dass das auf ein Gespräch mit Lena nicht zutrifft, wurde klar, als wir die am besten gelaunteste Teilzeit-Feministin der deutschen Pop-Schleuder zum Interview an den Hörer bekamen. Auf die Fragen zu aktuellen Themen, die nicht direkt ihr neues Album „Only Love, L“ betreffen, das am kommenden Freitag erscheint, waren auf der anderen Seite teils verdächtig lange Sprechpausen. Hier also, was Lena uns zu Buddhismus, Feminismus, Bulimie und Israel erzählt hat. Beziehungsweise nicht.

MusikBlog: Zuletzt ging’s in deinem öffentlichen Auftritt oft darum, dass du dich verletzlich zeigtest, wobei du gleichzeitig auch immer darauf aufmerksam gemacht hast, stärker aus deiner künstlerischen Schaffenskrise hervorgegangen zu sein. Tatsächlich klingt »Only Love, L« auch viel erwachsener als dein letztes Album.

Lena: (lacht) Also ich bin jetzt 28. Es wäre also langsam mal Zeit! Ich würde aber auch sagen, dass man im ständigen Fluss ist und sich verändert, entwickelt, weitergeht. Manchmal versteckt man sich davor, weil es in der Komfortzone natürlich auch am bequemsten ist. Weiterentwicklung bedeutet aber auch, dass man auch mutig sein muss, um sich mit Sachen zu konfrontieren, die vielleicht schmerzhaft sind. Ich erlaube mir da ganz einfach, authentisch sein zu dürfen.

MusikBlog: Wenn du sagst, dass du „im Fluss“ bist, dann schwingt da ja fast schon was Spirituelles mit. Und tatsächlich ist es doch so, dass du dich in der Vergangenheit auch immer wieder mit buddhistischen Weisheiten beschäftigt hast, oder?

Lena: Ja, also ich hab mich vor allem damit beschäftigt, zu meiner eigenen Wahrheit zu gelangen. Da fließen bestimmt ein paar buddhistische Einflüsse mit ein, aber es jetzt nicht so, als wäre ich konvertiert.

MusikBlog: Momentan hättest du auch viel zu wenig Zeit dafür.

Lena: Ich hab genug zu tun derzeit, das stimmt!

MusikBlog: Richtig zu tun hat auch die Boulevardpresse, die ununterbrochen deine Social-Media-Kanäle ausschlachtet. Wenn man bedenkt, dass du vor neun Jahren noch ausschließlich als die gefeierte ESC-Newcomerin in aller Munde warst, nun aber auf Instagram eine unglaubliche Reichweite erzielst, fragt man sich doch, ob du nicht mehr Influencerin als Musikerin bist.

Lena: Ne, auf keinen Fall! Ich würde das eher umgekehrt sehen. 2010 hat man Instagram ja auch noch nicht so sehr als soziales Main-Tool genutzt. 2013 habe ich mich intuitiv dazu entschieden, mich und meinen Werdegang als Künstlerin noch öffentlicher zu machen. Was das jetzt für Ausmaße angenommen hat, war natürlich nicht abzusehen. Für mich ist das ganz toll! Ich kann tolle Reisen unternehmen, mit Marken kooperieren – und das alles wurde mir nur durch mein Dasein als Musikerin ermöglicht.

MusikBlog: Ich bin nur drauf gekommen, weil ich mir natürlich auch dein neues Video zu „Don’t Lie To Me“ angesehen habe. Darin ist die Insta-Ästhetik ja das sinnstiftende Element.

Lena: Da dachten wir, dass es gerade so aktuell ist, dass wir das ausprobieren wollten. Das Video ist ja auch im Hochformat und somit auch ein perfektes stilistisches Mittel, um den Moment einzufangen.

MusikBlog: „Skinny Bitch“ ist ein Song auf dem neuen Album, gebrauchst du den als Metapher, um gegen die Boulevardpresse zu schießen, die dich wegen deiner Schlankheit immer wieder ins Visier genommen hat?

Lena: Das ist eher ’ne Verarbeitung für mich selbst. Natürlich hat der Song auch mit den Boulevardmedien zu tun. Ich singe dort aber ja nicht über meine Körperkonstitution. Gerade auch als Botschaft für alle, die das hier lesen, will ich sagen: Magersucht ist kein Pipifatz, sondern eine sehr, sehr ernst zu nehmende Krankheit. Für Menschen, die wirklich darunter leiden, ist es beleidigend, wie das Thema in der Öffentlichkeit behandelt wird. Besonders bei jungen Mädchen geht mir das so richtig gegen den Strich!

MusikBlog: Inwieweit gehören Feminismus und Pop zusammen?

Lena: Mir erschließt sich nicht ganz, was ich darauf antworten soll.

MusikBlog: Cardi B hat zuletzt beispielsweise mit einem doch auch sehr sexpositiven Manifest den GRAMMY für das „Beste Rap-Album“ gewonnen. Sollten diese Themen auch deiner Meinung nach Platz innerhalb der Popkultur finden?

Lena: Du, das kommt darauf an, wer da vor dir steht, und was man selber fühlt. Auch spielt es eine Rolle, was man da für eine private Agenda verfolgt. Ich persönlich finde, dass einen jeder Moment dazu berechtigt, das zu tun, wonach man sich fühlt – ich bin aber auch immer erstmal Fan davon, zu denken, bevor man irgendwas sagt. Vielleicht sollte man etwas gelassener an das Thema rangehen, um eben auch eine positive Distanz zu solchen Themen zu gewinnen. Jap, das ist meine Agenda: Gelassenheit.

MusikBlog: Der ESC ist nach deiner eigenen Aussage immer noch wichtiger Teil deines Lebens. Verfolgst du ihn auch dieses Jahr?

Lena: Auf jeden Fall! Meine Backgroundsängerin Laura tritt ja als eine Hälfte von S!sters dort an.

MusikBlog: Darf ich dir eine politische Frage stellen?

Lena: Du darfst jede Frage stellen, aber ich darf ja auch zum Beispiel sagen: „Das möchte ich jetzt nicht beantworten.“

MusikBlog: Der ESC findet ja 2019 in Israel statt. Nun wird das Land teilweise, vor allem kulturell, unter anderem von renommierten internationalen Künstler*innen wie Kate Tempest oder Thurston Moore, boykottiert. Man will damit erreichen, dass die israelische Regierung geopolitischen Forderungen nachkommt. Findest du das in der Form okay?

Lena: Das ist eine Frage, die für mich im musikalischen Kontext nicht relevant ist. Es ist nicht so, als hätte ich keine Meinung dazu – die habe ich definitiv. Aber dieses Interview bietet dafür nicht den Rahmen.

MusikBlog: Dann vielleicht noch eine Frage zum Albumcover. Dort sieht man ein mit der fernöstlichen Kintsugi-Technik repariertes Keramik-Herz aus dem Gänseblümchen sprießen. Vom Zen-Buddhismus über die Broken-Heart-Metapher bis zum Blümchen-Kitsch spielen da ja ganz schön viele Referenzen mit rein. Und die Bedeutung ist am Ende welche?

Lena: So genau hat sich das, glaub ich, noch keiner angeguckt! (lacht) Aber klar, da gibt’s natürlich verschiedene Ebenen. Ich habe da mit einer ganz tollen Kreativagentur aus Berlin zusammen gearbeitet. Um etwas Zerbrochenes wieder zu flicken, bedarf es natürlich auch Zeit und ein Stück weit auch emotionale Verbundenheit. Der Herzmuskel steht in dem Zusammenhang für den Bezug zu sich selbst, seiner eigenen Mitte, seinem Kern.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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