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Das müssen wir unbedingt lernen – Grossstadtgeflüster im Interview

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Die Elektro-Pop-Community springt vor Freude im Dreieck. Der Grund: Grossstadtgeflüster melden sich endlich mit einem neuen Studioalbum zurück. Die drei Berliner Branchen-Weirdos Jen Bender, Raphael Schalz und Chriz Falk kommen dieser Tage mit jeder Menge „Trips & Ticks“ um die Ecke. Wir trafen uns mit Frontfrau Jen Bender zum Interview und plauderten über wahre Freunde, Berlin, Drogen und den Schlüssel zur Weltrettung.

MusikBlog: Jen, ich fall‘ gleich mit der Tür ins Haus. Lust auf eine etwas andere Unterhaltung?

Jen Bender: Klaro. Was du willst.

MusikBlog: Ich werfe einfach ein paar Songtitel vom neuen Album in den Raum und stelle dazu ein paar spezifische Fragen. Wär das ok für dich?

Jen Bender: Leg los.

MusikBlog: „Feierabend“: Hast du je das Bedürfnis gehabt, alles hinzuschmeißen und der Musik den Rücken zu kehren?

Jen Bender: Das hatte und habe ich sogar ziemlich oft. (lacht) Wenn man wie wir alles selber in die Hand nimmt, dann arbeitet man ja quasi wie ein Selbständiger. Und dann hast du nicht nur die Musik, die Konzerte und all die anderen tollen Sachen, sondern auch den ganzen Business-Kladderadatsch an der Backe. Buchhaltung, Verträge, Meetings:

Da gehört alles mit dazu. Das sind natürlich Baustellen mit denen man sich als Künstler nicht ganz so gerne beschäftigt. Glücklicherweise haben wir ein kleines, aber tolles Team an unserer Seite, das uns in diesen Bereichen unterstützt. So kommt man am Ende des Tages dann doch nicht auf zu dumme Gedanken.

MusikBlog: „Neue Freunde“: Wie schwer oder vielleicht auch wie leicht ist es, innerhalb des Musik-Zirkus echte Freunde zu finden?

Jen Bender: Ich denke, dass es genauso schwer oder einfach ist wie in anderen Bereichen. Das Klischee von der grundsätzlichen Falschheit innerhalb des Musik-Business kann ich nicht bestätigen. Ich habe in den Jahren unheimlich viele nette Leute kennengelernt, die mir ehrlich und authentisch gegenübertraten. Es ist doch so: Man steht irgendwann vor einem Fremden und es geht eigentlich nur um die Frage: Stimmt die Chemie, oder nicht? Und dann entscheidet man sich. Das ist, denke ich, überall so.

MusikBlog: Hast du einen großen Freundeskreis?

Jen Bender: Ich habe wirklich viele Freunde, aber nur eine Handvoll Menschen um mich herum, die für mich durchs Feuer gehen würden.

MusikBlog: „Was Peter Pan sagt“: Gibt es eine Person auf dieser Welt, bei der du dir gewünscht hättest, dass sie nie erwachsen wird?

Jen Bender: Das ist ’ne gute Frage. Ich glaube ja, dass die Menschen, bei denen man sich wünscht, dass sie nie erwachsen geworden wären, die sind, die eigentlich noch gar nicht erwachsen sind. Das ist schon ziemlich verzwickt. Ich weiß nicht, als Kind hat man ja diese Nabel-der-Welt-Perspektive, die toll ist und auch sehr befreiend sein kann. Man denkt, alles drehe sich nur um einen selbst und man ist die wichtigste Person auf der Welt. Ich glaube, wenn man diese Vorstellung auch im Erwachsensein beibehält, dann wird es schwierig.

MusikBlog: „Skalitzer Straße“: Was macht Berlin für dich zu einer besonderen Stadt?

Jen Bender: Was ich an Berlin schätze, ist die grenzenlose Vielfalt. Das Leben in Berlin ist immer noch der Traum vieler aufstrebender Künstler aus allen Bereichen. Du hast hier immer noch eine wahnsinnig hohe Fluktuation an Menschen, die auf der Suche sind, die eine ganz bestimmte Verweigerungshaltung innehaben und die voller Hoffnungen und Träume sind. Es gibt permanenten Input. Man könnte in Berlin jeden Tag ein neues Leben anfangen. Das ist schon ziemlich spannend hier.

MusikBlog: „Diadem“: Wie definierst du für dich den Begriff „Erfolg“?

Jen Bender: Erfolg ist für mich eine Form der Erfüllung, die ich aber nicht zwingend an Zahlen festmache. Das ist eher so ein Gefühl, dass ich beispielsweise immer habe, wenn ich bei unseren Shows ins Publikum schaue und dort all die Menschen sehe, mit denen ich gerne nach dem Konzert noch ein Bierchen zischen würde. Sicher, Planungssicherheit ist immer ’ne tolle Sache. Wenn ich zum Beispiel weiß, dass ich mir bis zum nächsten Frühjahr erstmal keine großen finanziellen Gedanken machen muss, dann arbeite ich natürlich auch entspannter. Das, was durch die Arbeit dann von außen zurückkommt, markiert für mich aber den eigentlichen Erfolg.

MusikBlog: „Huxley’s“: Was waren deine heftigsten Momente vor und auf der Bühne?

Jen Bender: Auf der Bühne ist es immer heftig. Egal ob in ’nem kleinen Club, der Columbiahalle oder auf ’nem großen Festival: Ich hab‘ vorher eigentlich immer Pipi in den Augen. Vor der Bühne fallen mir da schon eher einzigartige Momente ein. Ich war beispielsweise als Kind mal mit meinem Vater auf ’nem EAV-Konzert in der Waldbühne. Das war schon extrem prägend. Dann hab ich Deichkind mal live gesehen, bevor sie richtig groß wurden. Kleiner Laden, Alufolie, Mülltüten und Sofa-Surfing: War auch Hammer!

MusikBlog: „Hallus“: Auf welche Drogenerfahrung hättest du im Nachhinein gerne verzichtet?

Jen Bender: Ich denke, dass das Rauschgefühl in den jeweiligen Momenten immer auch irgendwie etwas hatte. Fakt ist aber natürlich: Gesund ist das alles nicht. Ich als Raver-Kind der Neunziger kann durchaus sagen, dass ich auch Schwein gehabt habe. Das hätte mit mir auch anders enden können. Mittlerweile weiß ich, dass ein guter Rausch auch ohne Chemie-Baukasten möglich ist. (lacht)

MusikBlog: „Meine Mama“: Hand aufs Herz: Wie hat deine Mutter reagiert, als du ihr das erste Mal „Fickt euch Allee“ vorgespielt hast?

Jen Bender: Sie war begeistert, kein Scherz. Meine Mutter ist eine sehr aufgeschlossene und coole Person. Ihr ist nur wichtig ist, dass ihre Tochter nichts tut oder macht, das anderen Menschen Schaden zufügen könnte.

MusikBlog: „2080“: Die Welt ist am Arsch. Zumindest sehen das viele Menschen so. Was muss passieren, damit im Jahr 2018 nicht alles tot und verdorben ist?

Jen Bender: Bewusstsein, offene Ohren und Empathie. Vielleicht in einer anderen Reihenfolge. Aber ich denke, dass das der Schlüssel ist. Wir müssen hinhören. Das müssen wir unbedingt lernen. Und wenn wir dann mit offenen Ohren durch die Welt gehen und unsere eigene Abwehrhaltung beiseite schieben, dann können wir Empathie entwickeln und uns auf den Schmerz und das Leid anderer Leute einlassen. Wir müssen lernen, nicht mehr von Schuld, sondern von Verantwortung zu sprechen.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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