Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Search in posts
Search in pages

Für diese Website registrieren

elf − 6 =

Mit der Registrierung stimmst du den MusikBlog Nutzungsbedingungen zu.

Bitte gib deine E-Mail-Adresse hier ein. Du bekommst eine E-Mail zugesandt, mit deren Hilfe du ein neues Passwort erstellen kannst.

Entdecke neue Musik

Empfiehl deinen Freunden neue Alben oder Konzerte deiner Lieblingskünstler, erstelle deine persönlichen Album-Charts oder gewinne Konzertkarten und mehr bei unseren Gewinnspielen.

Heilige Scheiße, diese Band ist echt gut – Corridor im Interview

Registriere dich, um es deinen Charts hinzuzufügen oder deinen Freunden zu empfehlen.

Corridor haben sich in Kanada im letzten halben Jahrzehnt schon zur Lokalgröße gemausert. Feinster Indie- und Psychedelic-Rock mit Texten, die – falls man Französisch versteht – sogar ohne Musik schon Spaß machen. Versteht man’s nicht, darf man sich trotzdem darüber freuen, dass Corridor auf ihrem aktuellen Album „Junior“ mehr nach sich selbst klingen, als je zuvor. Woran das liegt, und warum Songwriter Jonathan am Ende sogar sich selbst als Arschloch bezeichnet hat, erzählte Dominic uns im Gespräch. Sonstige Themen? Fanpost, betrunkene Alltagsphilosophen und Selbstkritik – klingt nach einer gesunden Mischung.

MusikBlog: Als erstes mal Glückwünsche zum fertiggestellten Album „Junior“. Ich habe gehört, dass es besonders zum Ende hin sehr stressig wurde. Was kannst du darüber sagen?

Dominic: Ja, es war ein sehr stressiger Prozess, weil wir halt den Plattenvertrag im November 2018 unterschrieben haben und kurz danach, so im Januar, haben wir darüber geredet, dass wir das Album in diesem Jahr noch rausbringen wollen. Die ganze Band wollte das unbedingt, weil „Supermercado“ sich mittlerweile so weit von dem entfernt angefühlt hat, was wir in dem Moment waren.

MusikBlog: Ihr hattet euch weiterentwickelt?

Dominic: Genau. Also haben wir Sub Pop gefragt, ob es denn überhaupt möglich wäre, schon 2019 zu veröffentlichen: „Klar, aber wenn ihr im Oktober veröffentlichen wollt, brauchen wir die Masters im Mai.“ Das war dann schon so Ende Januar. Wir hatten erst vier Songs fertig und haben uns dann den kompletten Februar genommen, um die sechs restlichen Lieder zu schreiben.

Am 1. März ging es dann direkt ins Studio bis Mitte April, da sind wir wieder auf Tour gegangen. Nach der Tour ging’s wieder ins Studio und Anfang Mai stand das Album dann auch. Wir alle wollten aber mal ein Album so aufnehmen. Normalerweise sitzt du zehn Monate an einem Album. Wir wollten aber nicht mehr nur hier und da eine Session einlegen.

MusikBlog: Ihr wolltet schnell auf ein bestimmtes Ziel hinarbeiten?

Dominic: Ja, und das hatte seine Vor- und Nachteile. Wir waren wirklich sechs Tage die Woche im Studio, an jedem Tag saßen wir da und hatten gar keine Zeit zurückzuschauen, etwas zu überdenken. Das ist einerseits befreiend, andererseits aber auch beängstigend, alles ist definitiv. Wenn etwas eingespielt war, war’s eingespielt. Wir haben keine alternativen Versionen aufgenommen oder Kleinigkeiten verbessert.

MusikBlog: Klingt nach einem sehr authentischen Prozess! Stand denn jeder hinter der Entscheidung? Ich stelle es mir schwierig vor, so etwas durchzuziehen, wenn nicht wirklich alle an einem Strang ziehen.

Dominic: Wir hatten alle dasselbe Ziel. Uns war sicher, dass wir das hinbekommen müssen. Sogar der Mixingenieur, der Produzent, alle waren total drin. Wenn’s sein musste, kam halt jeder sehr früh ins Studio und blieb viel länger als geplant war. Wir alle kannten und spürten die Deadline. Für niemanden war es eine Option, die Platte erst im nächsten Jahr rauszubringen.

MusikBlog: Das neue Album sollte also wirklich repräsentieren, was ihr in dem genauen Moment als Band wart. Ihr habt ja sogar zwischendurch Shows gespielt!

Dominic: Auf jeden Fall, total! „Topograph“ und „Domino“ haben wir zum Beispiel schon auf den Shows zwischen den Aufnahmesessions gespielt. Den Titeltrack haben wir auch gespielt, in den Staaten und in Europa. Manchmal haben wir ein bisschen durchgemischt, unsere Songauswahl von unserer Stimmung abhängig gemacht, aber die drei waren immer wieder auf der Setlist vertreten.

Mit so unveröffentiichtem Material ist es dann immer so, dass einige Fans immer mehr darüber wissen wollen, uns Mails und Nachrichten schicken wie: „Hey, das Set war super, aber wie heißt der letzte Song, den ihr gespielt habt?“ – der Song war meistens „Domino“ – dann ist das Eis quasi schon gebrochen. Dann wissen wir, dass unser neues Material gut ankommen wird.

MusikBlog: Während ihr gerade an genau diesem Material arbeitet. Das muss beflügelnd sein.

Dominic: Ist es, manchmal fragen Leute nur nach deinen alten Liedern, auf die du schon gar keinen Bock mehr hast. Da fühlte es sich umso besser an, dass wir so tolle Rückmeldungen zu den neuen Liedern bekommen haben.

MusikBlog: Jetzt macht es auch Sinn, dass das neue Album punktueller klingt, akzentuierter, nicht unzählig viele Ebenen, aber eben das, was live auch rüberkommt.

Dominic: Hmm. Einerseits hat die Platte wohl die meisten Arrangements, die wir je auf einem Album hatten, andererseits würde ich den Sound auch als crisp bezeichnen, was die Produktion angeht. Ich glaube das bildet ganz gut ab, wie wir uns live anhören. Ich weiß nicht.

Der Produzent war einverstanden damit, alles sehr laut klingen zu lassen auf diesem Album. Er arbeitet schon von Anfang an mit uns und bei jedem Album gab es immer so Dinge an der Aufnahme, die uns gefallen haben und andere Dinge, die uns nicht gefallen haben. Was uns bei den letzten beiden Alben gefehlt hat, war der große, laute Sound, etwas Monumentales. Da war alles so… (denkt nach)

MusikBlog: So dass Leute überrascht sind, wenn sie euch live sehen?

Dominic: Das ist’s, total. Beim Hören der Alben dachten die sich dann wahrscheinlich: „Jaja, ich glaube es ist gut, bin mir nicht sicher.“ Und nachdem sie uns live gesehen haben eher: „Heilige Scheiße, diese Band ist echt gut.“ Also haben wir versucht, den Sound von der Bühne mit in die Aufnahmen für das neue Album zu nehmen. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob uns das gelungen ist, aber für mich ist „Junior“ auf jeden Fall unser Album mit dem besten Sound.

MusikBlog: Und das dritte Album auf dem ihr auf Französisch singt. Worum geht es auf „Junior“, gibt es ein Konzept?

Dominic: Haha, also ich schreibe die Lieder nicht, das macht Jonathan. Auf den ersten beiden Alben ging es immer um ein Thema, das übergeordnet stand. Aber weil „Junior“ so schnell entstanden ist, gab’s es da kein Haupththema, an dem sich alle Songs orientieren sollten. Jonathan hat sich dazu entschieden, über bestimmte Emotionen zu schreiben, übr Momente und Begegnungen. Sogar über Menschen.

„Junior“ zum Beispiel handelt von unserem Gitarristen, „Milan“ von einer ganzen Personengruppe. Menschen, die neidisch sind, unglücklich, missgünstig und innerlich schon gestorben. Der letzte Song „Bang“ handelt sogar von Jonathan selbst, vom Schreibprozess, vom Ende einer anstrengenden und intensiven Phase im Studio. Es war der letzte Song, den Jonathan für das Album geschrieben hat. Er war an diesem Punkt, an dem er eigentlich glücklich sein sollte. Das Album war fertig, der Plattenvertrag war gut, die Band lief und er war trotzdem angepisst, müde und kurz vorm Wahnsinn.

MusikBlog: Ein sehr selbstreferentieller Abschluss für das Album also.

Dominic: Und der letzte Satz geht dann sogar ungefähr so: „Die schwere Bürde, die das größte Arsachloch der Welt tragen muss“. Wen Jonathan damit meint? Sich selbst, nach dem ganzen Stress musste er sich einfach abreagieren und irgendwie auch selbst karikieren. Manche Lieder sind auch noch persönlicher, „Domino“ könnte ich inhaltlich gar nicht beschreiben der Song ist Jonathan sehr wichtig, da würde ich sicher nicht richtig liegen. Es geht um Menschen und Arten von Menschen. „Joshua“ ist zum Beispiel ein Typ, den wir mal im Park getroffen haben, der Bier getrunken hat, uns seine Lebensphilosophie erklären wollte und uns eigentlich nur genervt hat.

MusikBlog: Damit kann sich wohl jeder irgendwie identifizieren. Glaubst du, dass Musik, gerade in so turbulenten Zeiten, wie wir sie gerade haben, genau das sein muss?

Dominic: Ich weiß nicht. Ich glaube, Musik kann alles sein. Es gibt tolle persönliche Platten, es gibt tolle politische Platten, aber generell ist es schon schön, wenn die Themen auf einer Platte universell sind und jeden ansprechen können. Jonathan zum Beispiel schreibt sehr metaphorisch. Wenn du nicht weißt, was er mit seinen Texten meint, könntest du sie komplett anders interpretieren und das wäre jedenfalls für dich nicht komplett falsch. Wir geben momentan echt viele Interviews und manche Leute dachte, in „Milan“ würde es um den Tod gehen. Darum geht’s zwar überhaupt nicht, aber es ist ok, wenn Leute ihre eigenen Interpretationen formulieren.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

Registriere dich, um es deinen Charts hinzuzufügen oder deinen Freunden zu empfehlen.